10 April 2008

Österreich: Mini-Biogasanlage für Gülle

Eröffnung und Inbetriebnahme einer 20-kW-Anlage mit angepasster Technik

Die erste Biogasanlage mit neuer BIO4GAS-Technologie geht an der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt Rotholz / Österreich in Testbetrieb. In der 20kW-Anlage wird aus Gülle und Mist sowie aus Abfällen der landwirtschaftlichen Produktion Strom und Wärme für die Landwirtschaftliche Landeslehranstalt Rotholz produziert.

“Die Anlage ist nicht für nachwachsende Rohstoffe wie etwa Mais oder Raps konzipiert. Die Vorzeigeentwicklung nutzt ausschließlich anfallende, landwirtschaftliche Nebenprodukte zur Energiegewinnung. Sie soll in den nächsten Monaten zur Serienreife weiterentwickelt werden.”, so Landesrat Mag. Hannes Bodner.

Die neue Technologie
Das Herzstück dieser Anlage ist ein neuartiger Fermenter, der aus vier Kammern sowie einem neuartigem Durchmischungssystem für den Fermenterinhalt (“Thermolift”) besteht. Der besondere Innovationscharakter liegt im optimierten Fermenterdesign und in wesentlichen Vereinfachungen für Beheizung und Durchmischung des Fermenterinhalts. Dadurch verbessert sich die Wirtschaftlichkeit landwirtschaftlicher Biogasanlagen im unteren Leistungsbereich (unter 100 kW) entscheidend.

Der Entwickler Prof. Dr. Heribert Insam vom Institut für Mikrobiologie der Universität Innsbruck zur neuen Technik: “Biogasanlagen gibt es mittlerweile einige, allerdings keine, die im Leistungsbereich von unter 100 kW wirtschaftlich sind. Eine verbesserte Gasausbeute, eine Erhöhung der Gesamteffizienz der Anlage, insbesondere bei reduziertem Prozessenergiebedarf wurde mit der neuen Technologie erreicht.

So konnte die BIO4GAS-Anlage optimal in den bestehenden landwirtschaftlichen Betrieb der Lehranstalt integriert werden. Durch eine Systemvereinfachung wird zudem die Betriebssicherheit gesteigert und das Ausfallsrisiko minimiert. Die Biogasanlage ist sehr flexibel, was die Inputmenge und Verarbeitungsmenge betrifft. Sie kann effizient von landwirtschaftlichen Betrieben mit einem Viehbestand ab etwa 100 Großvieheinheiten (GVE) eingesetzt werden. Die gewonnene elektrische Leistung reicht von: 20 kW (in der Pilotanlage Rotholz) bis etwa 50 kW.

Landeslehranstalt optimal für Pilotanlage
Mit der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt Rotholz wurde der optimale Standort für die Pilotanlage gefunden. Das Engagement der Schulleitung, der Lehrpersonen und der Schüler für nachhaltige Energieversorgung ist groß. Bereits seit Jahrzehnten betreibt die Schule ein Kleinwasserkraftwerk. Im Vorjahr wurde die Wärmeversorgung der Schule auf Biomasse umgestellt. Mit der neuen Anlage ergänzt man das Konzept. Und integriert die neue Technologie gleich in den Unterricht. Der Direktor der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt DI Josef Norz zur Inbetriebnahme: “Mit Hilfe der Anlage können wir unseren Schülern, die ja die künftigen Bauern im Land sind, nicht nur die Werte von nachhaltiger Energieversorgung vermitteln, sondern auch Wissen, Verständnis und Technik weitergeben.”

Der Geschäftsführer der Tiroler Zukunftsstiftung Dr. Harald Gohm informiert: “Nach zweijähriger Forschungsförderung für das Projekt – im Rahmen des Research Studio BioTreaT – ist die erfolgreich installierte Pilotanlage ein weiterer Meilenstein. Das Zentrum für Erneuerbare Energie hat hier alle Partner zusammengebracht und wird auch den Technologietransfer weiter unterstützen. Wird die Anlage marktfähig, eignen sich allein in Tirol 40 landwirtschaftliche Betriebe für autarke Energieversorgung mit dem Produkt der jetzigen Größenordnung.”

Die zum Patent angemeldete BIO4GAS-Technologie wurde vom Studio BioTreaT, einer F&E Kooperation der Universität Innsbruck und der ARC Seibersdorf, unter der Leitung von Prof. Heribert Insam (Institut für Mikrobiologie), entwickelt. Das Institut für Umwelttechnik rund um Doz. Bernhard Wett war an der Entwicklung wesentlich beteiligt. Der Bau der Pilotanlage wurde von “Energiesysteme der Zukunft“, dem Energieforschungsprogramm des Bundes, gefördert. Das Gründungszentrum CAST berät und begleitet den konkreten Weg zum Markt.

Das Projekt wird weiters unterstützt vom Land Tirol, dem Impulsprogramm Nachhaltig Wirtschaften des BMVIT, dem Zentrum für Erneuerbare Energien der Tiroler Zukunftsstiftung sowie durch eine großzügige Spende aus dem Nachlass von Johann Mariacher, einem Tiroler Biogaspionier. Bennat Consult und etaone energy GmbH sind weitere Projektpartner. Die Bauausführung erfolgte durch Rieser Bau GmbH.

Weitere Informationen
“Projektbeschreibung BIO4GAS im Programm “Energiesysteme der Zukunft”

Kontakt
Universität Innsbruck
Prof. Heribert Insam (Institut für Mikrobiologie)
Bernhard Wett (Institut für Umwelttechnik)
Tel.: 0043-512-507 60 09
E-Mail: [email protected], [email protected]

(Vgl. Meldungen vom 2008-03-10 und 2007-10-25.)

Source: Zukunftsstiftung, 2008-04-03.

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