17 Juli 2007

Österreich: Biokraftstoffnutzung im Aufwärtstrend

5-Punkte-Aktionsprogramm unterstützt Einführung von E85

Im Jahr 2006 kamen in Österreich 321.000 t Biodiesel zum Einsatz, 288.500 t durch Beimischung zu fossilen Kraftstoffen und 32.500 t pur oder als Mischung mit einem Bioanteil von mehr als 5 Vol.-%. Zusätzlich wurden unter anderem in der Landwirtschaft 10.000 t pures Pflanzenöl als Kraftstoff in Verkehr gebracht. Damit wurden insgesamt 3,54% (gemessen am Energiegehalt) aller im Inland verkauften Kraftstoffe durch Biokraftstoffe ersetzt.

Mit diesem Anteil erfüllte Österreich die Biokraftstoffrichtlinie der EU, die 2006 eine Beimischung von 2,5% vorsah. Österreich setzt sich auf Initiative des Lebensministeriums sogar noch ehrgeizigere Biokraftstoffziele als die EU. Das Lebensministerium strebt dieses Ziel mit einem Maßnahmenbündel aus der Beimischung von Biokraftstoffen zu fossilen Kraftstoffen, gestützt durch ein Anreizsystem durch eine gesplittete Mineralölsteuer sowie durch die Forcierung von anderen alternativen Kraftstoffen. Als Initialzündungen wurde beispielsweise im April 2007 ein 5-Punkte-Aktionsprogramm zur Forcierung von E85 verabschiedet.

Laut ARGE Biokraft, der Vereinigung der Österreichischen Biokraftstoffproduzenten, wurden im Vorjahr 121.665t Biodiesel im Inland produziert. 11.693t davon wurden exportiert, 77.404t wurden dem fossilen Diesel beigemengt und 32.568t wurden als Dieselkraftstoff mit einem Bio-Anteil von mehr als 5 Vol.-% in Verkehr gebracht.

Österreich setzt ehrgeizigere Biokraftstoffziele als die EU
Die EU-Richtlinie zur Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder anderen erneuerbaren Kraftstoffen im Verkehrssektor (Biokraftstoffrichtlinie, RL 2003/30/EG) gibt den Mitgliedstaaten Richtwerte für den Einsatz von Biokraftstoffen vor. So sollen seit 2005 2% (gemessen am Energieinhalt) der gesamten in Verkehr gebrachten Treibstoffe durch erneuerbare Kraftstoffe substituiert werden, im Jahr 2010 erhöht sich der Anteil auf 5,75%.

Die Richtlinie wurde in Österreich im Rahmen einer Novelle der Kraftstoffverordnung im November 2004 in nationales Recht umgesetzt. Gemäß der österreichischen Gesetzgebung müssen seit 01.10.2005 2,5% (gemessen am Energieinhalt) aller in Verkehr gebrachten Otto- und Dieselkraftstoffe durch Biokraftstoffe ersetzt werden. Der Anteil erhöht sich 2007 auf 4,3% und 2008 auf 5,75%, jeweils ab dem 01.10. Bis 2010 will Österreich einen Anteil von 10% erreichen, und mittelfristig formuliert das Regierungsprogramm für 2020 die Marke von 20%.

Substitutionsverpflichtung und Anreizsystem durch gesplittete Mineralölsteuer
In Österreich wird die EU Biokraftstoffrichtlinie durch eine Substitutionsverpflichtung umgesetzt. Ein festgelegter Anteil der fossilen Otto- und Dieselkraftstoffe muss durch Biokraftstoffe substituiert werden. Parallel dazu gibt es eine steuerliche Begünstigung von Kraftstoffen, die schwefelfrei sind und Beimischungen von Biokraftstoffen enthalten, durch eine Spreizung der Mineralölsteuer (MÖST). Biokraftstoffe in Reinform sind von der MÖST befreit, ebenso ist der Bio-Ethanol Anteil im E85-Kraftstoff von der MÖST-befreit. Die gesplitteten MÖST-Sätze gelten bei Diesel ab 01.10.2005, bei Benzin ab 01.10.2007. Das spätere In-Kraft-Treten bei Benzin soll gewährleisten, dass bis dahin entsprechende Produktionskapazitäten vorhanden sind und die Versorgung mit Bioethanol in einer ausreichenden Menge gewährleistet werden kann.

Bisher vor allem Biodiesel verwendet – ab Herbst 2007 startet Bioethanol-Produktion
Biokraftstoffe werden in Österreich seit Oktober 2005 in erster Linie durch eine Beimischung von etwa 4,7 Vol.-% Biodiesel zu Diesel in Verkehr gebracht. Im niederösterreichischen Pischelsdorf entsteht zurzeit die erste großindustrielle Bioethanolanlage Österreichs. Das EUR 125 Mio.-Investment des Zuckerkonzerns Agrana und des Verbandes Die Rübenbauern wird im Herbst 2007 in Betrieb gehen. Die Anlage ist auf eine jährliche Verarbeitungsleistung von insgesamt rund 374.000 Tonnen Weizen, rund 99.000 Tonnen Nassmais und rund 46.000 Tonnen Zuckerrüben-Dicksaft ausgelegt. Die Produktionsanlage in Pischelsdorf wird jährlich 200.000 m[h93 Ethanol zur Vermarktung an die Mineralöl- und petrochemische Industrie erzeugen. Als Nebenprodukt entstehen bis zu 170.000t hochwertiges Eiweißfuttermittel als Ersatz für Sojaimporte. Damit ist auch die Schaffung 60 neuer Arbeitsplätze verbunden.

Weitere Initialzündung: 5-Punkte-Aktionsprogramm zur Forcierung von E85
Lebensministerium, Agrana, Landwirtschaftskammer Österreich, der Verband “Die Rübenabuern”, RWA AG, OMV, Ford, Volvo und General Motors unterzeichneten am 24.04.2007 als weitere Initialzündung ein 5-Punkte-Aktionsprogramm zur Forcierung von Superethanol (E85) als Treibstoff. Superethanol besteht im Mittel zu 75% aus Bioethanol und zu 25% aus Benzin.

Mit dem E85-Aktionsprogramm soll eine zusätzliche Perspektive für Kraftstoffproduzenten und Automobilhersteller geschaffen werden. Ein Beitrag der Regierung ist auch die MÖST-Befreiung vom Bio-Ethanol Anteil im E85-Kraftstoff. Ein wesentliches Ziel ist es, in naher Zukunft ein Netz an Superethanol-Tankstellen aufzubauen. OMV und RWA AG/Genol wollen zunächst jeweils 15 Tankstellen auf Superethanol umstellen. Der Preis für Superethanol soll unter dem von Benzin liegen, da mehr getankt werden muss, um die gleiche Strecke fahren zu können.

Neben den positiven Effekten Wirtschaft und Umwelt liefert Superethanol aber auch positive Fahreigenschaften mit 15 bis 20% höherer Leistung und einem höheren, dieselähnlichen Drehmoment. Bis 2010 sollen alleine von OMV und Genol insgesamt 100 Tankstellen umgestellt werden. Um E85 verwenden zu können, bedarf es spezieller Adaptierungen am Kraftstoffsystem der Autos. Ford, General Motors und Volvo bieten in Österreich bereits sogenannte Flexi-Fuel-Fahrzeuge an, die sowohl mit herkömmlichem Benzin als auch mit E85 betrieben werden können.

Kontakt
Lebensministerium
Gerhard Popp
E-mail: gerhard.popp@lebensministerium.at

(Vgl. Meldungen vom 2007-05-04, 2007-06-04 und 2007-02-05.)

Source: Lebensministeriums, Pressemitteilung, 207-07-17.

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