17 Januar 2005

Ökospanplatten erobern Außenbereich – stabil und feuchtebeständig dank Tanninen

Dank der Forschungsarbeiten der Lud. Kuntz GmbH tut sich jetzt ein ganz neues Kapitel in der Geschichte der Spanplatten auf. Erdölbasierte Bindemittel sind künftig auch für Hochleistungsspanplatten nicht mehr nötig. Statt Phenolharzen sorgen Tannine und Stärke nicht nur für den nötigen Zusammenhalt, sondern auch für die nach EU-Norm vorgegebene Stabilität. Sogar feuchtestabile und selbsttragende Platten des Typs P5 können jetzt mit Tanninen hergestellt werden.

Vor allem synthetischen Bindemitteln ist es zu verdanken, dass sich Spanplatten als universell einsetzbare Holzwerkstoffe etabliert haben. Harnstoff- oder Phenol-Formaldehydharze verleihen den Platten bislang die nötige Festigkeit für den Innenausbau oder die Außenanwendung. Fossile Rohstoffe sind aber kein Muss bei der Werkstoffherstellung. Denn auch die Natur stellt Substanzen mit starker Bindekraft bereit, beispielsweise Tannine aus den Rinden tropischer Hölzer oder Stärke aus Kartoffeln oder Getreide. Eine tanningebundenen Spanplatte für den Trockenbau war bereits vor einigen Jahren im Handel erhältlich.

Mit Unterstützung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) konnte die Entwicklung jetzt weiter vorangetrieben werden. Zusammen mit der Lud. Kuntz GmbH hat sich das Institut für Holzbiologie und Holztechnologie der Uni Göttingen nicht nur an alternative Bindemittel, sondern auch an Plattenqualitäten für den Feuchtebereich gewagt.

Zunächst galt es, Tannin-Stärke-Leimharze zu entwickeln, die für die Span- und Faserplattenherstellung taugen. Je nach Plattenqualität erwiesen sich Stärkeanteile von 10 bis 40 Prozent in der Praxis als machbar. Auch die ökologischen Qualitäten des neuen Bindemittels überzeugten. Die Formaldehydemissionen der Ökoplatten lagen deutlich unter denen herkömmlicher Platten.

Dem Bauherrn kommt es jedoch in erster Linie auf die physikalisch-technischen Eigenschaften des Baustoffs an. Die europäische Norm für Baustoffe macht daher sehr konkrete Vorgaben bezüglich Dickenquellung, Querzugfestigkeit oder Biegefestigkeit für die jeweilige Produktgruppe. Zwar ließen sich Platten des Typs P3 relativ rasch entwickeln und auf den Markt bringen, die Lud. Kuntz GmbH wollte aber noch weiter. Tatsächlich gelang es im Rahmen des Projekts, tanningebundene Spanplatten der anspruchsvollen Produktgruppe P5 zu produzieren. Die Ökoplatten können auch im Außenbereich für Wände oder Decken eingesetzt werden.

Source: Pressemitteilung Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. vom 2005-01-17.

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