12 September 2008

Ökologische und ökonomische Bewertung nachwachsender Energieträger

KTBL-Tagungsbericht zur Fachtagung in Aschaffenburg

In Deutschland spielt neben der Windkraft die Energieerzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen eine wichtige Rolle. Die Vorteile der Bioenergieträger sind allerdings umstritten. Hauptkritikpunkt sind die erhöhten Treibhausgasemissionen, die beim Anbau und bei der Verarbeitung der Kulturen entstehen. Zudem konkurrieren sie auf dem Acker mit dem Anbau von Nahrungsmitteln. Auf der KTBL-Tagung “Ökologische und ökonomische Bewertung nachwachsender Energieträger” am 8. und 9. September in Aschaffenburg haben 150 Teilnehmer Standpunkte zur Bioenergieerzeugung diskutiert und methodische Aspekte der Nachhaltigkeitsbewertung von Bioenergieträgern erörtert. Das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL) und die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) hatten nationale und internationale Experten eingeladen, um den aktuellen Wissensstand vorzustellen.

Ursula Heinen, Staatssekretärin beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) begrüßte die Tatsache, dass das KTBL und die FNR kontroverse Themen aufgreifen und so zur Versachlichung der Diskussion beitragen. Die Bundesregierung setzt weiterhin auf einen Ausbau der Nutzung der Bioenergie. Unverständlich sei für Frau Heinen, dass Beimischungsquoten in Deutschland ein technisches Problem darstellen, obwohl in Brasilien seit Jahren mit Ethanol gefahren wird.

Zu Beginn der Tagung im Aschaffenburger Schloss wurden verschiedene Standpunkte verdeutlicht. Dazu gehörten neben den Potenzialen und Chancen der Bioenergieerzeugung auch die bekannte “Tank oder Teller”- Diskussion.

Dr. Steffen Daebeler von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) wies auf die steigende Bedeutung der Erneuerbaren Energien für die Energieversorgung in Deutschland hin, von denen ca. 70% aus Biomasse stammen. Zwar sei die Bioenergie kein Allheilmittel für Energieversorgung und Klimaschutz, sie könne jedoch zum Umwelt- und Ressourcenschutz sowie der Versorgungssicherheit beitragen und Wertschöpfungsketten im ländlichen Raum aufbauen. Herausforderungen sieht er in der Erhöhung des Ertragspotenzials von Energiepflanzen, in der Umsetzung neuer ackerbaulicher Konzepte, der ökologischen und ökonomischen Bewertung der Bioenergieproduktion sowie der Entwicklung neuer Konversionstechnologien.

Prof. Dr. Jürgen Zeddies von der Universität Hohenheim weist darauf hin, dass die derzeit hohen Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte nicht auf die gestiegene Herstellung von Biokraftstoffen zurückzuführen ist, sondern auf die stark steigende globale Nahrungsmittelnachfrage. Weltweit werde aber spätestens im Jahr 2020 keine Fläche mehr für die Bioenergieproduktion zur Verfügung stehen, es sei denn, dass weltweit hohe Ertragssteigerungen auf der begrenzt verfügbaren Fläche entwickelt und umgesetzt werden.

Dr. Ludwig Leible vom Forschungszentrum Karlsruhe plädierte dafür, die energetische Nutzung von Biomasse verstärkt auf die Nutzung von biogenen Rest- und Abfallstoffen auszurichten. Der Wärmbereitstellung oder der gekoppelten Strom- und Wärmproduktion solle hierbei der Vorzug gegeben werden, um die höchste Effizienz der energetischen Nutzung zu erreichen.

Schon jetzt profitieren die Landwirte von der Bioenergie. Dr. Thomas Breuer von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Eschborn zählt vor allem Marktfruchtbetriebe zu den Gewinnern. “Die Förderung der Bioenergie in Deutschland führt tendenziell zu steigenden Preisen für land- und forstwirtschaftliche Rohstoffe.”

Dr. Yelto Zimmer vom Johann Heinrich von Thünen-Institut in Braunschweig sieht den Anbau nachwachsender Energieträger sehr kritisch. Die Umwidmung von Agrarflächen durch Rodung oder Umbruch und die Intensivierung der Produktion stelle ein großes Risiko für den Klimaschutz dar. Nur in wenigen Ländern sei noch landwirtschaftliche Fläche für die Bioenergieerzeugung verfügbar. Daher müssen Bioenergieerzeuger mit steigenden Rohstoffkosten rechnen. Die Potenziale der Energieeinsparung müssten besser genutzt, die Kraft-Wärme-Kopplung intensiviert werden und ein größerer Schwerpunkt auf die Solarenergie gelegt werden, die nicht mit der Nahrungsmittelproduktion konkurriere.

Methodik und Parameter der Bewertung
Führende Experten auf dem Gebiet der Systemanalyse stellten methodische Aspekte der ökologischen und ökonomischen Bewertung von Bioenergieträgern vor. Im Mittelpunkt standen Treibhausgasbilanzen, CO2–Minderungskosten und Flächenkonkurrenz, aber auch Aspekte der Bodenqualität und Biodiversität.

“Die Landwirtschaft trägt mit etwa 13% zu den Klimagasemissionen Deutschlands bei” erläuterte Helmut Döhler vom KTBL in Darmstadt, das gemeinsam mit dem Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei (Johann Heinrich von Thünen-Institut) die Emissionsberichterstattung im Bereich Landwirtschaft im Auftrag der Bundesregierung übernommen hat.

Laut Prof. Dr. Alois Heißenhuber von der Technischen Universität München in Freising gebe es für die Bewertung der Bioenergieerzeugung mehrere Kenngrößen. “Da aus politischer Sicht die Reduzierung der klimawirksamen Gase im Vordergrund steht, ist die Bioenergieerzeugung anhand ihrer CO2- Vermeidungskosten zu bewerten”. Die Vermeidungskosten für Biotreibstoffe liegen auf einem deutlich höheren Niveau als für Verfahren der Wärmegewinnung aus Biomasse. Er befürwortete die direkte Energieeinsparung und Effizienzsteigerung.

Prof. Dr. Gerhard Breitschuh, Leiter der Abteilung Landwirtschaft, Markt, Ernährung des Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt in Erfurt stellte die Bewertung von Nachhaltigkeitsparametern durch Betriebsbewertungssysteme vor, die neben ökologischen und ökonomischen auch soziale Indikatoren berücksichtigen. Für die Ausweitung des Energiepflanzenanbaus auf landwirtschaftlichen Betrieben zeigen die Szenarien, dass die “energetische Verwertung von Ab- und Nebenprodukten uneingeschränkt zu fördern” sei. “Darüber hinaus”, erklärte Breitschuh, “kann die Nutzungseffizienz der eingesetzten Betriebsmittel und die Kulturartendiversität durch eine moderate Ausweitung des Energiepflanzenanbaus verbessert werden”.

Susanne Köppen vom Institut für Energie und Umweltforschung in Heidelberg stellte die in Ökobilanzen verwendete Methodik vor, die eine Vielzahl von Parametern betrachtet. Am Beispiel der Biogasproduktion zeigte sie, dass diese im Bezug auf Energieeinsparung und Treibhauseffekt positiv zu bewerten sei, während ihre Wirkung auf Nährstoffeinträge und Versauerung eher negativ sei. Uneingeschränkt positiv schneidet in ihrer Ökobilanz die Vergärung von Gülle ab. Dies bestätigte auch der Vortrag von Jaqueline Daniel vom Deutschen BiomasseForschungsZentrum in Leipzig, die Treibhausgasbilanzen der Biogaserzeugung unter verschiedenen Rahmenbedingungen betrachtete. Sie zeigte außerdem, wie mit zunehmender Wärmeauskopplung Klimagasemissionen eingespart werden können.

Grundsätzlich problematisch bei Treibhausgasbilanzen von Bioenergieträgern sei die Abschätzung der Lachgasemissionen. “Hier gibt es sehr große Differenzen in den Berechnungsansätzen”, betonte Prof. Dr. Klaus Butterbach-Bahl vom Forschungszentrum Karlsruhe und forderte eindringlich dazu auf, diesem Aspekt in der Beurteilung von Bioenergieträgern mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Tagungsband:
Dieser Veranstaltungsbericht gibt nur eine Auswahl der Tagungsbeiträge wieder. Die Beträge aller Referenten sind im Tagungsband zusammengestellt, den Sie ab sofort bestellen können.

Bestellservice Tagungsband:
“Ökologische und ökonomische Bewertung nachwachsender Energieträger”
Darmstadt, 2008, 230 S., 25,00 Euro, ISBN 978-3-939371-68-7, Best.-Nr. 11468
Tel.: (06151) 70 01 189
Fax: (06151) 70 01 123
E-Mail: vertrieb@ktbl.de oder im Online-Shop

Source: Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft e.V. (KTBL), Pressemitteilung, 2008-09-12.

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