5 Februar 2003

Öko-Tex: nicht immer Standard

Bio-Siegel auch für Naturtextilien?

Der deutsche Textilhilfsmittelkatalog benennt tausende diverser Chemikalien, die keiner Deklarationspflicht unterliegen. Der Endverbraucher kann sich dann lediglich z.B. am Umweltsiegel “Öko-Tex Standard 100″ orientieren. Dieses weit verbreitete Siegel erregte jedoch jüngst nicht nur wegen der Zulässigkeit von Chemiefaser-Zusätzen den Unmut des Internationalen Verbandes der Naturtextilwirtschaft (IVN). Auch die nicht ausreichende Kontrolle der Herstellungsprozesse wurde moniert, die dem Anspruch der Umweltverträglichkeit nicht gerecht würden.

“Es ist bekannt, dass Baumwolltextilien aus der ökologisch schwer belasteten Aralsee-Region und mit Hilfe giftiger Substanzen aus Südindien nur durch chemische Wäsche auf das Siegel getrimmt werden. Auch das Kriterium der Kinderarbeit spielt keine Rolle”, beklagt VN-Vorsitzende Rolf Schauwecker die Festsetzung von Schadstoff-Grenzwerten lediglich im Fertigprodukt. Der Verband strebt nun mit einem Schreiben an Verbraucherschutzministerin Renate Künast an, das für Lebensmittel geltende “Bio-Siegel”, das nur unter strengen Auflagen vergeben wird, auch auf geprüfte Naturtextilien auszuweiten.

Dem halten die Hohensteiner Test-Institute in Bönnigheim (Kreis Ludwigsburg) entgegen, dass z.B. das Zeichen “Öko-Tex Standard 1000″ für eine umweltfreundlichere Produktion sowie die Überprüfung der einzelnen Herstellungsschritte wie Energieverbrauch, Lärm- oder Staubbelastung und Kinderarbeitsverbot garantiere, strenge Herstellerauflagen bzgl. der Abwasser- und Abluftreinigung eingeschlossen.

Wer noch mehr „Öko“ will, dem bieten die Institute mit dem Label “Öko-Tex Standard 100plus” die Gewähr für alle Kriterien der beiden anderen Labels. Hierfür muss vom Produzenten bewiesen werden, dass die gesamte Produktionskette und somit alle an der Herstellung eines Produktes beteiligten Betriebe umfangreichen Anforderungen genügen, die oftmals über gesetzliche Vorgaben hinaus gehen.

(Vgl. Meldung vom 2003-01-27.)

Source: Stuttgarter Zeitung vom 2003-02-04.

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