8 Oktober 2008

Öko-Schuhe als Trend

Europäisches Umweltsiegel im Schuhmarkt: Von Naturgerbstoffen und umweltverträglicher Färbung

Wer sein Naturmode-Outfit mit nachhaltig produzierten Schuhen komplettieren will, kann heute aus einer großen Vielfalt auswählen. Pflanzlich oder mineralisch gegerbtes Leder, umweltfreundliche Färbungen und individuelles Design stehen bei den ökologischen Herstellern im Vordergrund. Was aber heißt hier eigentlich ökologisch? Die grüne EU-Blume, das europäische Umweltsiegel, ist auf dem Schuhmarkt eine echte Rarität. Schuhe, die den Anforderungen dieses Gütesiegels entsprechen, gibt es bislang nur in Italien, Portugal und Spanien.

“Camper”, ein spanisches Unternehmen mit Sitz auf Mallorca, ist eine dieser Ausnahmen. Für sein Modell “Cameleón” erhielt Inhaber Lorenzo Fluxa 1999 als erster Schuhproduzent in Europa das EU-Umweltsiegel. Er kopierte die selbstgebastelte Fußbekleidung der Insel-Bauern und vernähte grobe Leinwand- und Lederstücke mit Resten alter Autoreifen. Heute sind Schuhe von Camper weltweit in über 70 Ländern erhältlich.

Modellschuhe von Inga Thomas, Foto: Justin Winz
Modellschuhe von Inga Thomas, Foto: Justin Winz

Für das EU-Umweltsiegel gelten festgelegte Kriterien. So sind Obergrenzen für chemische Rückstände wie Chrom, Arsen und Blei definiert. Der Einsatz von Formaldehyd und flüchtigen Lösemitteln, wie man sie zum Beispiel in Klebern findet, ist eingeschränkt. Azo-Farbstoffe und Krebs erregende Konservierungsmittel wie Pentachlorphenol sind nicht erlaubt. Auch müssen die Abwässer der Gerberei aufbereitet werden, die Schuhe einer Mindestbelastbarkeit standhalten, und die Schuhkartons aus Recyclingmaterial hergestellt sein.

Das Feinste, was die Natur zu bieten hat
Die gesundheitlichen und ökologischen Vorteile von Naturtextilien sind im Bewusstsein breiter Bevölkerungsschichten weitestgehend angekommen. Für ökologische Schuhe gilt das bislang nicht. Gesundheitsaspekte spielten bei den Schuhen in der Vergangenheit eindeutig die Hauptrolle – vor allem bei den Kinderschuhen. Mit dem Import billiger Massenware aus Asien hat auch die Qualität der Schuhe gelitten. Laut Einschätzung von Christian Löwe, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich nachhaltiger Konsum beim Umweltbundesamt in Dessau-Rosslau, mangelt es – wie Studien der letzten Jahre belegen – zunehmend bei vielen Kinderschuhen an fußgerechter Gestaltung und Passgenauigkeit. Zusätzlich kommt das Problem hinzu, dass Kinder bei der Anprobe keine verlässlichen Angaben machen können, ob der Schuh wirklich passt. Folge dieser Entwicklung: Kinder würden deshalb viel zu oft zu kleine Schuhe tragen. Die daraus resultierenden Gesundheitsschäden und erheblichen Folgekosten sind abzusehen. Mit ökologischen Schuhen, die viel Wert auf gute Passformen, qualitativ hochwertiges natürliches Material und individuelles Design legen, soll sich das ändern.

Wesentlich für Öko-Schuhe ist, dass sie im Gegensatz zur herkömmlichen Chromgerbung aus pflanzlich gegerbtem Leder produziert werden. Die Ecopell GmbH ist Deutschlands größter Hersteller. Ihre Lederrichtlinien für weiche, pflanzliche gegerbte Leder gelten laut eigener Aussage als die konsequentesten und diejenigen mit den niedrigsten Schadstoffwerten weltweit. Dafür kommen nur die feinsten Materialien aus der Natur in Frage: rein pflanzliche Gerbstoffe wie Tara (aus den Fruchtschoten des peruanischen Tarabaumes), Valonea (Fruchtbecher von Eichenarten) und Rhabarber. Mit Letzterer können auch Farbstoffe in Currygelb, Braun und Rot erzeugt werden.

Lohas erreicht den Schuhmarkt
Seit der letzten Diskussion in der Schuhindustrie um die Einführung der Kriterien des EU-Umweltzeichens in den Jahren 2003/04, hörte man in dieser Sache wenig. Jetzt aber tut sich wieder etwas. Die “Lohas-Bewegung”, die inzwischen fast branchenübergreifend Wirkung zeigt, hat den Schuhmarkt erreicht. Erstmals wurde auf der internationalen Schuhmodemesse in Düsseldorf im September ein Extra-Bereich für nachhaltige Schuhe geschaffen.

Unter dem Namen “urban spirit labels” präsentierten sich Unternehmen, die sich mit ihren Marken dem Respekt gegenüber Mensch und Natur verschrieben haben, darunter Labels wie El naturalista aus Spanien, Terra Plana aus Großbritannien, Simple aus Kalifornien. Aber auch im deutschsprachigen Raum gibt es Schuhhersteller, die – teilweise schon seit vielen Jahren – konsequent eine nachhaltige Unternehmenspolitik betreiben. Dazu gehören beispielsweise das kleine Schweizer Schuhatelier Vabene, Grand Step Shoes in Hessen oder Haflinger in Niedersachsen.

Auch konventionelle Schuhhersteller haben den Lohas-Konsumenten für sich entdeckt. Die Marc Shoes GmbH in Hessisch-Oldenburg hat mit “Marc nature” zusätzlich eine ökologische Schuhlinie entwickelt. “Um im ökologischen Schuhsegment erfolgreich agieren zu können, ist aus unserer Sicht Konsequenz unabdingbar”, ist Ursula Homm, verantwortlich für Kommunikation bei der Marc Shoes GmbH, überzeugt. “Für unsere natürliche Linie haben wir eigens eine neue Designerin eingestellt.” Die Futterleder sind pflanzlich gegerbt, die Textilstoffe ökologisch. Gefertigt wird in Rumänien. Anschließend werden die Schuhe in Kartons aus Naturpapier verpackt. Der Fachhandel wurde geschult, um anspruchsvolle Öko-Kunden kompetent beraten zu können.

Modellschuhe ohne tierische Rohstoffe
Konsequent ökologisch sind auch die Modellschuhe der Schuhdesignerin Inga Thomas. Für ihre nachhaltige Geschäftidee wurde sie 2005 mit dem Existenzgründerpreis der Hamburger Wirtschaftsjunioren prämiert. Ihre Materialien kommen ohne tierische Rohstoffe aus, sind atmungsaktiv, biologisch abbaubar und für direkten Hautkontakt geeignet. Die Modelle zeigen einmal mehr, dass “Öko-Schuhe” alles andere als langweilig sind. Das Design ist raffiniert und hat Anlehnungen an die Couture. “Bräute finden bei ihr drei Farben weiß, Entdeckerinnen ein Sortiment an originellen Accessoires und Highheel-Fans die Qual der Wahl.”

Source: eco-world.de, 2008-10-02.

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