17 Oktober 2003

Oberhaching setzt auf Biowärme

In Europa einzigartiges Heizwerk wurde der Bestimmung übergeben

Am Samstag, den 11. Oktober wurde in Oberhaching bei München das neue Biomasse-Heizwerk seiner Bestimmung übergeben. Ab 9.00 Uhr waren alle Beteiligten und die Bevölkerung im Rahmen eines Bürgertages zur offiziellen Übergabe geladen.

Oberhachings erster Bürgermeister Stefan Schelle dankte allen Projektbeteiligten, die es seiner Gemeinde ermöglicht haben, bei der zukünftigen Beheizung auf Nachwachsende Rohstoffe zu setzen. Das Projekt “Biowärme auf dem Kyberg”, das neben Holz auch auf Pflanzenöl und Solarenergie setzt, bezeichnete Schelle als richtungsweisend und einmalig in Europa. Dr. Ruth Brökeland von der bayerischen Koordinierungsstelle für Nachwachsende Rohstoffe, C.A.R.M.E.N. e.V., beglückwünschte die Gemeinde zu ihrem neuen Heizwerk. Als Projektbegleiterin überreichte sie an die Betreiber des Heizwerks eine Holzlokomotive. “Diese Zugmaschine symbolisiert ein Projekt, das die Nutzung Nachwachsender Rohstoffe voran bringt und dem hoffentlich viele weitere folgen werden”, so Dr. Brökeland.

Das Herzstück der Anlage bildet ein 845 kW Biomasse-Kessel, der pro Jahr bis zu 1.700 Tonnen Holzhackschnitzel aus der heimischen Forstwirtschaft und Landschaftspflege weit gehend Kohlendioxid-neutral verbrennt. Müsste diese Leistung mit fossilem Erdgas erreicht werden, würden dazu jährlich 378.100 Liter dieses Brennstoffs benötigt und der Atmosphäre zusätzliche 920 Tonnen fossiles Kohlendioxid zugemutet. Der Reserve- und Spitzenlastkessel wird mit Rapsöl aus der Region versorgt. Auf dem Dach des Heizwerks liefern Solarzellen den für die technischen Anlagen benötigten Strom.

Vom Heizwerk aus gelangt nun die Nutzwärme in Form von Warmwasser (70 bis 95°C) über ein Nahwärmenetz zu den Abnehmern. Angeschlossen sind die Hauptschule, das Gymnasium mit Sporthalle, das Rathaus, die Gemeindebücherei, der Kindergarten Kastanienallee, das Feuerwehrgerätehaus und der Gemeindesaal sowie private Abnehmer entlang der Trasse. Die Gesamtinvestitionen beliefen sich auf gut 1,6 Millionen Euro und wurde mit 477.600 Euro vom Freistaat Bayern bezuschusst. C.A.R.M.E.N. hält eine kostenfreie Broschüre zum Biomasse-Heizwerk Oberhaching bereit.

In Bayern ist Biomasse inzwischen schon vor der Wasserkraft der bedeutendste regenerative Energieträger. 2,4 Prozent des Primärenergieverbrauchs kommen hier aus fester Biomasse, im Wesentlichen aus Holz, 0,5 Prozent aus Biodiesel, Pflanzenöl, Biogas sowie Klär- und Deponiegas und 0,8 Prozent aus Biomasse im Müll. Damit setzt kein anderes Bundesland soviel Biomasse zur Energiegewinnung ein wie Bayern! Auch der Kohlendioxid-Ausstoß pro Einwohner und Jahr ist in Bayern mit sieben Tonnen deutlich geringer als der Bundesdurchschnitt (11 Tonnen).

Weitere Informationen:
C.A.R.M.E.N.
Dr. Ruth Brökeland
Schulgasse 18
94315 Straubing,
Tel.: 09421-960-300
E-Mail: rb@carmen-ev.de
Internet: www.carmen-ev.de

Source: Pressemitteilung des C.A.R.M.E.N. e.V. vom 2003-10-16.

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