12 März 2008

NRW: Stoffliche Nutzung mit großem Potenzial

Fachforum und Broschüre

Wenn es um das Thema nachwachsende Rohstoffe geht, bestimmt aktuell die energetische Nutzung die öffentliche Diskussion. Doch im Windschatten dieser Entwicklung entsteht ein Feld mit großen Potenzialen – die stoffliche Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe, also die Verwendung in Produktionsprozessen oder Produkten. Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zeigten am 05. März auf einer Veranstaltung der Effizienz-Agentur NRW in Bad Sassendorf, welche Potenziale in der stofflichen Verwertung schlummern. Eine von der Effizienz-Agentur NRW mit Beteiligung des nova-Instituts erstellte Broschüre beschreibt das Marktumfeld und zeigt anhand von Praxisbeispielen auf, wie nachwachsende Rohstoffe bereits heute erfolgreich stofflich genutzt werden.

final.jpgDie Chancen der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe werden noch zu wenig beachtet. Dass viele Experten diesen Anwendungsbereich als “schlafenden Riesen” bezeichnen, kommt nicht von ungefähr. Weiter steigende Preise für die endlichen Ressourcen wie z.B. Öl machen die nachwachsenden Rohstoffe fast täglich ein Stück mehr zu einer ernsthaften Alternative auch in Produktionsprozessen und Produkten. Oft sind die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten nicht bekannt oder werden als “unwirtschaftlich” angesehen. Doch dieses (Vor-)Urteil stimmt für viele Bereiche nicht – oder nicht mehr.

Deutlich wurde dies im Infoforum der Effizienz-Agentur NRW (EFA), in dem NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg die Position der Landesregierung beschrieb, bevor Experten aus der Wissenschaft die aktuelle Marktlage vorstellten.

Die stoffliche Nutzung hat im Vergleich zur energetischen noch Nachholbedarf. Uhlenberg betonte, dass die Breitenwirkung wichtig sei, um die stoffliche Nutzung voranzubringen, und deshalb entsprechende Unterstützung auch von Seiten der Politik nötig sei. Der Minister verschwieg nicht, dass die Diskussion um die Nachhaltigkeit des weltweiten Anbaus und die Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion deutlich zugenommen habe, weshalb das Thema nicht allein unter Umweltaspekten angegangen werden dürfe, sondern eine integrierte Betrachtung voraussetze.

Produzenten sowie Anwender der nachwachsenden Rohstoffe berichteten über ihre Erfahrungen und Erfolge, aber auch Hemmnisse bei der Nutzung nachwachsender Rohstoffe in der Produktion und in Produkten.

Aus Kunststoffgranulat, Naturfasern als Träger und Wasser als Treibmittel produziert das Bielefelder Unternehmen möllertech GmbH den sogenannten AquaCell-Kunststoffschaum, der gegenüber herkömmlichen Produkten Material und Gewicht spart. Eingesetzt wird dieses Material beispielsweise als Verkleidungsteil in Automobilen. Mit der Verwendung von Wasser als Treibmittel geht möllertech einen völlig neuen Weg.

Die unitech Kühlschmierstoffe GmbH aus Attendorn nutzt nachwachsende Rohstoffe bei der Herstellung von Kühlschmierstoffen, je nach Anwendungsbereich entweder als Zusatz oder als Basisflüssigkeit. Zum Einsatz kommen dieses Schmierstoffe z.B. beim Bohren, Drehen und Fräsen auf CNC-Maschinen. Vorteile sind besseres Spülverhalten, geringere Ölnebelbildung, kühlere Werkstücke, weniger Gesundheitsrisiken und natürlich die Umweltentlastung.

“Steigende Preise für fossile Rohstoffe und die zunehmende Rohstoffverknappung werden dazu führen, dass auch die stoffliche Verwertung nachwachsender Rohstoffe eine stärkere Bedeutung erfahren wird”, so Dr. Peter Jahns, Leiter der auf Initiative des NRW-Umweltministeriums gegründeten Effizienz-Agentur NRW. “Wir bieten den Unternehmen Unterstützung bei der Prüfung an, ob und in welchen Bereichen der Einsatz nachwachsender Rohstoffe wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll ist”, so Jahns weiter. Dazu habe die EFA eine Reihe von Methoden entwickelt, die von den Unternehmen genutzt werden können.

Parallel zur Veranstaltung veröffentlichte die EFA eine Broschüre, die einen Überblick zur Marktsituation der stofflichen Verwertung gibt und anhand von sechs Praxisbeispielen aufzeigt, wie nachwachsende Rohstoffe in Produktion und Produkten bereits heute erfolgreich eingesetzt werden.

Inhalt der Broschüre

  • Herausforderungen: Vorwort (NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg)
  • Rohstoffwende: Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen werden marktfähig
  • Perspektiven: Unternehmer nutzen ihre Zukunftschancen
    • Wood Plastic Composites – Ein Werkstoff auf Wachstumskurs
      Praxisbeispiel: Kosche Profilummantelung GmbH vermarktet WPC-Produkte unter dem Namen Kovalex
    • Naturfaserverstärkte Kunststoffe – Ein Material mit zahlreichen Einsatzmöglichkeiten
      Praxisbeispiel: möllertech GmbH produziert Handschuhkästen aus Hanf
    • Biokunststoffe und Verpackungen – Produkte mit Zukunft
      Praxisbeispiel: von Meer KG stellt Verpackungsmaterial aus Weizen her
    • Bioschmierstoffe – Anwendung ausbaubar
      Praxisbeispiel: unitech Kühlschmierstoffe GmbH produziert biologisch abbaubare Schmierstoffe
  • Erste Schritte: Nachwachsende Rohstoffe sichern nachhaltigen Erfolg
  • Informationen:
    Mit der Effizienz-Agentur NRW Ressourceneffizienz steigern
    Das Zentrum für nachwachsende Rohstoffe in der Landwirtschaftskammer NRW
    Ansprechpartner

Weitere Informationen
Broschüre “Erfolgsstoff – Nachwachsende Rohstoffe in Produktion und Produkten: Marktpotenziale der stofflichen Nutzung für den Mittelstand in NRW.” Effizienz-Agentur NRW, 2008: Hier als PDF-Dokument herunterladen oder per E-Mail unter efa@efanrw.de kostenfrei bestellen.

(Vgl. Meldungen vom 2008-02-26 und 2007-12-07.)

Source: Broschüre "Erfolgsstoff - Nachwachsende Rohstoffe in Produktion und Produkten: Marktpotenziale der stofflichen Nutzung für den Mittelstand in NRW.", 2008-03.

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