16 Februar 2007

NRW beschließt umfassendes Programm zur Steigerung der Energieeffizienz, zur Nutzung erneuerbarer Energien und zur Energieforschung

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat heute wenige Tage nach Vorlage der bisher umfangreichsten Studie zum Klimawandel im Auftrag der Vereinten Nationen (IPCC) – ein detailliertes Programm zur Energieeinsparung, zum Klimaschutz, zum Stellenwert erneuerbarer Energien, zur Energieforschung und zur Nutzung von Biomasse vorgelegt. Das Kabinett hat entsprechende Konzepte des Wirtschafts-, Umwelt- und Innovationsministeriums beschlossen.

Zudem hat das Kabinett den Beitritt Nordrhein-Westfalens zur “Montréal-Deklaration” gebilligt. Nordrhein-Westfalen beteiligt sich damit an der internationalen Kooperation zum Klimaschutz in Regionen. Die Deklaration soll im Vorfeld der Sonder-Umweltministerkonferenz am 22. März unterzeichnet werden.

“Energie muss sauber, sicher und wettbewerbsfähig sein. Das ist die zentrale Herausforderung an uns alle. Nordrhein-Westfalen als mit Abstand wichtigster Energiestandort in Deutschland will und muss eine Vorreiterrolle einnehmen: bei der Steigerung der Energieeffizienz, bei der wirtschaftlichen Nutzung von Energien sowie bei Forschung und Entwicklung. Nicht erst die IPCC-Studie sagt uns, dass wir keine Zeit zu verlieren haben”, erklärte der stellvertretende Ministerpräsident, Innovationsminister Andreas Pinkwart, nach der Kabinettsitzung.

Ziel der heute beschlossenen Programme: Nordrhein-Westfalen will die Vorgaben der EU und des Bundes schnell und konsequent umsetzen. Danach soll durch die Steigerung der Energieeffizienz der Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 um mindestens 20 Prozent gesenkt werden. “Geredet worden ist bei diesen Themen mittlerweile genug. Es ist an der Zeit, die vorhandenen und bewährten Instrumentarien einzusetzen und so den Primärenergieverbrauch konsequent zu senken”, so Wirtschafts- und Energieministerin Christa Thoben.

Mit der Energieeffizienzoffensive “NRW spart Energie” will die Landesregierung eine Optimierung von Produktionsverfahren, Energieeinsparung in Gebäuden durch die Aktion “Mein Haus spart” und die Entwicklung innovativer und energieeffizienter Technologien und Verfahren sicherstellen. Die konkrete Beratung von Unternehmen, Handwerkern und Hausbesitzern übernimmt die neue Energie-Agentur NRW. Sie betreut auch die Netzwerke aus Betrieben, Forschung- und Entwicklung in Hochschulen. Ziele sind die Schaffung von Arbeitsplätzen im Handwerk und die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der nordrheinwestfälischen Wirtschaft, die durch Effizienzsteigerung unempfindlicher gegen Preissteigerungen werden kann.

Derzeit entfallen 35 Prozent des Brennstoffverbrauchs und 39 Prozent des Stromverbrauchs auf den produzierenden Sektor. Auch bei der Sanierung des Gebäudebestandes bestehen erhebliche beschäftigungspolitische Chancen: Derzeit wird rund 1 Prozent des Altbaubestandes in Nordrhein-Westfalen modernisiert, nur ein Drittel dieser Maßnahmen dient der Verbesserung der Energiebilanz. Fachleute schätzen, dass bei einer Verdoppelung dieser Quote 50.000 Arbeitsplätze entstehen können.

Mit dem Konzept “Erneuerbare Energien” will die Landesregierung durch die Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Energiemix einen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten. Außerdem sollen die industriepolitischen Chancen der erneuerbaren Energietechniken für die exportstarke Wirtschaft des Landes genutzt werden. “Produkte aus NRW haben beste Exportchancen auf den Weltmärkten, das gilt für die moderne Kraftwerks- und Netztechnik ebenso wie für die Solarenergie, die Brennstoffzelle, die Nutzung von Grubengas oder moderner hochleistungsfähiger Windkraftanlagen”, so die Energieministerin.

Das Konzept “Erneuerbare Energien” umfasst 12 Einzelmaßnahmen, die bis zum Jahr 2020 unter Beteiligung der zuständigen Ressorts der Landesregierung umgesetzt werden sollen. Derzeit werden in der regenerativen Energiewirtschaft in NRW rund 16.500 Beschäftigte gezählt, sie erzielen 2005 bereits 4,2 Milliarden Euro Umsatz. Durch die jetzt beschlossenen Maßnahmen soll der Umsatz der regenerativen Energiewirtschaft auf 15 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 gesteigert werden, die Zahl der Arbeitsplätze soll dann bei 40.000 liegen.

Das Innovationsministerium hat in seinem Konzept “Energieforschung in NRW” die Leitlinien der Forschungsförderung für den Energiebereich festgelegt. Die Energieforschung ist einer von vier Bereichen, auf die das Land seine Forschungsfördermittel konzentriert. “Nordrhein-Westfalen ist Energieland Nr. 1 – wir wollen bis 2015 auch Energieforschungsland Nr.1 werden”, sagte Innovationsminister Pinkwart. “Wir brauchen neue, umweltschonendere Energiequellen. Aber auch bei den vorhandenen müssen wir uns verbessern: Wie kann ich Energie besser speichern, wie kann ich ihre Wirkung erhöhen? Auf diese Fragen können nur Forschung und Entwicklung eine Antwort geben”, sagte Pinkwart.

Schwerpunkte im Forschungskonzept der Landesregierung sind: Speichersysteme, CO2-arme Kraftwerkstechnik im fossilen und nuklearen Bereich, Kernfusion, Rohstoffe der Zukunft, Wasserstoff, Solarthermik, Photovoltaik und Einspartechnologien. Die Förderung der Grundlagenforschung konzentriert sich auf Materialforschung, Simulation an Supercomputern und das Zusammenbringen von Forscherteams über bisherige Fächergrenzen hinweg. In Nordrhein-Westfalen wird Energieforschung an über 20 Standorten betrieben.

“Wir wollen so attraktiv wie möglich sein – sowohl für die besten Forscher als auch für die Industrie, von der ich mir künftig ein größeres Engagement in unserem Land erhoffe”, sagte Pinkwart. Beispielhaft seien das neue Energieforschungsinstitut von E.ON und der RWTH Aachen oder die Initiative des Forschungszentrums Jülich, das führende Wasserstoffzentrum in Deutschland zu werden. Entscheidendes Förderkriterium für das Land sei, so Pinkwart, die Qualität der Institute: “Wir investieren zielgerichtet in Spitzenforschung.”

Nur international sichtbare Forschung habe die Möglichkeit, sich erfolgreich an den hochdotierten EU- und Bundesprogrammen zu beteiligen. Einen zentralen Beitrag zu dem heute vorgelegten Gesamtprogramm leistet die vom Umweltministerium erarbeitete Strategie zur Biomassenutzung. Umweltminister Eckhard Uhlenberg betonte, die Biomasse als heimischer und erneuerbarer Energieträger könne noch viel stärker genutzt werden. Die Landesregierung habe sich das Ziel gesetzt, die Leistungserzeugung bei Strom und Wärme bis 2010 zu verdoppeln.

“Ob zur dezentralen Wärmebereitstellung in privaten Haushalten oder in zentralen Heizwerken, ob für den Einsatz in dezentralen Kraftwärme-Kopplungsanlagen oder in zentralen Stromerzeugungsanlagen sowie zur Bereitstellung von Kraftstoffen kann Biomasse, im Unterschied zu allen anderen regenerativen Energien, praktisch jede Nachfrageart nach Wärme, Elektrizität und Kraftstoffen befriedigen”, erläuterte Umweltminister Eckhard Uhlenberg.

Die Produktion von Biomasse in Nordrhein-Westfalen sollte für alle energetischen Nutzungsformen (Wärme, Strom oder Treibstoffe) verwendet werden können.

Biomassestrategie NRW als PDF-Download.

Source: Gemeinsame Pressemitteilung des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Energie, des Ministeriums für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie, 2007-02-13.

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