15 Oktober 2003

nova-Überblick: Technische Textilien, Oktober 2003

In der Oktober-Ausgabe der Fachzeitschrift “Technische Textilien” (ISSN 0323-3243), Verlagsgruppe Deutscher Fachverlag, erschienen folgende Beiträge mit Bezug zu nachwachsenden Rohstoffen:

Zum Start der neuen Aufgabe schreibt Herausgeber Hans-J. Koslowski über “Weltweite Markttrends für Vliesstoffe”. Die Vliesstoffproduktion hat sich in Westeuropa seit Anfang der 70er Jahre permanent erhöht und erreichte im Jahr 2002 mit 1,2 Mio. t (+8%) ein neues Rekordergebnis. Dabei entfielen 50% auf Trockenvlies- und 41% auf Polymer-Technologien (Spinnvliese, Meltblown) und 9% auf Nassvliesstoffe. Besonders zulegen konnte die Verarbeitung von Viskose-Stapelfasern um 44% auf 126.000 t und von Zellstoff/Pulp um 23% auf 115.000 t. Die Verarbeitung von PP-Stapelfasern nahm dagegen nur um 3% auf 189.000 t zu. Allerdings erreichte die Verarbeitung von PP-Polymeren zu Spinnvliesen bereits fast 400.000 t.

Ein ausführlicher Bericht (S. 244-245) beschäftigt sich mit der naro.tech 2003 (vgl. Meldung vom 2003-08-12) “Werkstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen”. Dort findet sich auch eine Übersicht zum Dämmstoffmarkt. Demnach wurden im Jahr 2000 – neuere Daten liegen immer noch nicht vor – insgesamt 34 Mio. m3 Dämmstoffe eingesetzt, davon 4% = 1,4 Mio. m3 natürliche Dämmstoffe. Diese setzen sich wie folgt zusammen:

  • Cellulose 32%
  • Weichholzfaserplatten 28%
  • Schafwolle 4%
  • Leichtbauplatten 20%
  • Flachs/Hanf 9%
  • Sonstige 7%

Auf Seite 248 finden sich aktuelle Informationen zum Flachsanbau in Litauen. Derzeit werden zwischen 8.600 und 9.600 ha Flachs angebaut, also nur noch ca. 10% der Flächen, die Anfang des 20. Jahrhunderts bestellt wurden (50.000 – 90.000 ha). Neun Fabriken produzieren kurze und lange Flachsfasern aus geröstetem Flachsstroh. Die Menge an produzierten Flachs-Langfasern wird mit 4.000 – 5.000 t/Jahr angegeben, die Produktion erfolgt zum Teil unter der Regie italienischer Unternehmen. Zukünftig sollen die Flächen auf bis zu 20.000 ha erweitert werden. Die Regierung unterstützt den Flachsanbau “in geringem Maße”.

Auf den Seiten 254 bis 256 werden neue Entwicklungen vom Thüringischen Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung (TITK), Rudolstadt, vorgestellt. Im ersten Beitrag geht es um “Thermostabilisierte Lyocell-Fasern”. Als Ergebnis der Untersuchungen wurden modifizierte Fasern mit Stabilisierungszusätzen von 2,5 und 5% Behensäureamid und Kieselsäure-Hydrat hergestellt, als Verstärkungsfaser in Verbundwerkstoffen mit PP-Matrix eingearbeitet und die resultierenen Werkstoffeigenschaften bei unterschiedlichen Verarbeitungstemperaturen ermittelt.

Der zweite Beitrag dreht sich um die “Pilotanlage für Natur-Langfasergranulat” für das am TITK entwickelte Pull-Drill-Verfahren, das in Zusammenarbeit mit der Svoboda Umformtechnik (SUT) GmbH, Wien, in die industrielle Anwendung überführt wird. SUT baut Granulatmodule zur Komplettierung vorhandener textiler und Komplettanlagen (vgl. Meldung vom 2002-10-11).

Auf S. 268 finden sich detaillierte Angaben zum “Weltmarkt für Verbundwerkstoffe”, den Owens Corning für 2002 auf 2,2 Mio. t und einen Wert von 3,1 Mrd. US-$ schätzt. Bis 2005 wird mit einer jährlichen Zuwachsrate von 5% gerechnet. Wichtigster Absatzmarkt war Europa (39%) vor Nordamerika (30%), Asien (27%) und Lateinamerika (4%). Interessant ist die Aufteilung nach Produktlinien:

  • Transportwesen (PKW, LKW, Bahn, Flugzeug u.a.) 439.000 t
  • Dachbahnen 381.000 t
  • Bauwesen 360.000 t
  • Elektrotechnik 239.000 t
  • Verbraucherprodukte 220.000 t
  • Korrosion/Rohre 198.000 t
  • Marine 111.000 t
  • Windenergie 46.000 t
  • Sonstige 214.000 t

Auf S. 270-271 geht es um “Neutraladsorbierende Lyocellfasern für Filterprodukte”. Eine mit Aktivkohle modifizierte Cellulosefaser wurde mittels des Lyocell-Prozesses hergestellt. Dazu wurde die Aktivkohle auf eine Partikelgröße von kleiner 25 Mikrometern gemahlen. Die Fasern können mit unterschiedlichen Gehalten an Adsorbern in unterschiedlichen Feinheiten ersponnen werden, diese wurden zu Vliesstoffen verarbeitet und deren Adsorptionskapazität untersucht.

Der Beitrag “Perspektiven naturfaserverstärkter Kunststoffe” auf S. 281 gibt einen aktuellen Überblick über den Stand der Technik und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten. Der Autor J. Mittelmeier geht davon aus, dass der “Anteil Naturfasern für den Einsatz im Automobilinterieur weiter zunehmen wird”. Das größte Wachstumspotenzial sieht er bei Spritzgussanwendungen. Neben technischen Aspekten geht der Autor auch auf politische Rahmenbedingungen ein.

Source: Fachzeitschrift "Technische Textilien" (ISSN 0323-3243), Okt. 2003.

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