2 September 2002

nova-Tagungsbericht: Anbau und Verwertung von Miscanthus in Europa

Vom 26.-28. August trafen sich im Institut für Pflanzenbau in Bonn auf Einladung von Dr. Ralf Pude (Universität Bonn) über 100 Miscanthus-Experten aus ganz Europa zur „2. Internationalen Miscanthus-Tagung“, um sich in Vorträgen, Exkursionen und einer Produktausstellung über die neuesten Entwicklung in Sachen Miscanthus auszutauschen. Der bereits vorliegende Tagungsband dokumentiert umfassend die Inhalte dieser sicher wichtigsten Miscanthus-Tagung diesen Jahres.

Der Schwerpunkt der Beiträge lag bei „Züchtung und Anbau“ von Miscanthus. Wobei „Anbau“ leider meist immer noch Versuchsanbau bzw. Anbau im Rahmen von Projekten meint. Nach den richtigen stofflichen Produktlinien, die das Potenzial dieses interessanten nachwachsenden Rohstoffes wirklich nutzen können, wird immer noch gesucht. Überzeugende industrielle Umsetzungen und dazugehöriger Vertragsanbau sind noch eine Seltenheit.

Am zweiten Tag ging es auch folgerichtig um die Verwertung und Verwendung des Miscanthus-Strohs – hier vor allem um Miscanthus-Leichtbetonsteine sowie in einem Vortrag um Miscanthus-Häcksel als Mulchsubstrat. Die meisten Produktlinien befinden sich dabei noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium. Entsprechend wurden die für eine industrielle Umsetzung zentralen Fragestellungen nach Produktionskosten, Konkurrenzprodukten, Zielmärkten und Marketingkonzepten nur wenig behandelt.

Miscanthus-Leichtbeton
Große Hoffnungen setzen Institute und Unternehmen in „Miscanthus-Leichtbeton“. Das Steinbeis-Transferzentrum für umweltbewusstes Bauen und Baustoffe wurde von der Kooperationsgemeinschaft wbk Betonwerk & Kellerbau Kemberg GmbH, AIS Anlagen- & Industrieservice Kursawe, Kemberg und JOKI Haustechnik GmbH, Wittenberge mit der Untersuchung der bauphysikalisch-mechanischen Eigenschaften von verschiedenen Beton-Probekörpern, die mit Miscanthusstroh/-fasern versetzt wurden, beauftragt. Gesucht wurde das optimale Verhältnis zwischen Miscanthus, Mineralien und Zement, um Festigkeit, Wärmedämmung, Schalldämmung und Diffusionsoffenheit zu erreichen. Die guten Fasern und der Lufteinschluss in seinem Parenchym machen Miscanthus für diese Anwendung besonders geeignet.

Die Ergebnisse sind viel versprechend und schon bald soll der Miscanthus-Leichtbeton als „Kemberger Dämmstein“ die Produktpalette des Betonwerks Kemberg ergänzen. Gute Wärme- und Schalldämmeigenschaften sowie gute Atmungsaktivität (gut für das Raumklima) sollen die Verkaufsargumente werden. Die Bauzulassung als Ausfachungsmauerstein im Innen- und Außenbereich ist bereits beantragt.

Dennoch wird es der „Kemberger Dämmstein“ gegenüber „normalem“ Porenbeton schwer haben. Dieser weist ähnliche oder sogar bessere Eigenschaften auf und wird vermutlich auch preiswerter zu haben sein. Der große Vorteil des Miscanthus-Leichtbeton ist seine anscheinend bessere Energiebilanz, da die Herstellung von Porenbeton sehr energieaufwändig ist.

Miscanthus-Häcksel als Mulchsubstrat zur Bodenabdeckung
Versuche an der Landesanstalt für Pflanzenbau in Forchheim (Baden-Württemberg) haben gezeigt, dass sich Miscanthus-Häcksel gut als Mulchsubstrat eignen. Dipl.-Ing. agr. Kerstin Stolzenburg: „Die Versuchsergebnisse belegen deutlich, dass Chinaschilfhäcksel ein geeignetes Substrat zur Abdeckung von Böden mit Obst- und Gemüsekulturen, aber auch unter Stauden und Gehölzen ist. Vorteile von Chinaschilf ergeben sich vor allem aus den geringen Mineralstoff- und Schwermetallfrachten, die mit der Ausbringung auf die Böden gelangen. Die geringeren Ertragswerte unter Chinaschilfmulch können durch Aufdüngung kompensiert werden. Vor allem im Vergleich zu Rindenmulch, dessen Einsatz lange Zeit kontrovers diskutiert wurde, kann hier eine Alternative als Mulchsubstrat gesehen werden.“

Verglichen wurden die Mulchqualitäten von Miscanthushäckseln, Rindenmulch, Hanfschäben und Roggenstroh. Hanfschäben und Roggenstroh schnitten dabei am Schlechtesten ab.

Tagungsband und Kontakt:
Dr. Ralf Pude
Institut für Obstbau und Gemüsebau
Auf dem Hügel 6
53121 Bonn
Tel.: 0228-73 28 79
Fax: 0228-73 57 64
E-Mail: r.pude@miscanthus.de
Internet: www.miscanthus.de

(Vgl. Meldungen vom 2002-04-22, 2002-05-29 und 2002-05-01.)

Tipp: Einen aktuellen Übersichtsartikel zum Thema Miscanthus findet man in der Zeitschrift “Energiepflanzen”, Ausgabe 5, 2002, S. 24-26. Internet: www.energie-pflanzen.de

Source: Miscanthus-Tagung vom 2002-08-27.

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