20 Oktober 2004

nova-Tagungsbericht: 11. Internationale Chemnitzer Tagung

"Stoffliche Verwertung nachwachsender Rohstoffe"

Am 14. und 15. Oktober fand die 11. Internationale Chemnitzer Tagung im Chemnitzer Wasserschloss Klaffenbach statt.

Hier einige Zusammenfassungen zu den interessantesten Vorträgen der Veranstaltung:

Dr.-Ing. Peter Böttcher von der STFI Chemnitz präsentierte innovative Mobiltextilien und verwies darauf, dass die Automobilzulieferer zunehmend F&E sowie die Modulfertigung von den Autoherstellern übernehmen.

Interessant für die Zukunft naturstoffhaltiger Verbundwerkstoffe dürfte sein, dass UV-blockende Autoglasscheiben die Anforderungen an die UV-Beständigkeit der Automobiler senken könnten – diese seien z.B. für die Einführung von Kork eine erhebliche Machbarkeitsschwelle.
Zudem vertrat er die Meinung, dass die Textilien im Automobil für ein Recycling ungeeignet seien – bei 40% Recyclingausbeute müssten 1,80 bis 4 EUR je kg Recyclingmaterial bezahlt werden, doch für die Recyclate seien noch keine Märkte vorhanden.

Dipl.-Ing. Pecenka vom Institut für Agrartechnik Bornim stellte in seinem Vortrag “Verminderung der Faserkosten durch Einsatz einer Faseraufschlussanlage mit Prallaufschluss” die Entwicklung einer Faseraufschlussanlage mit Sichtermühle statt Brecherstufe vor, welche eine Effizienz unter 2% Schäbenrestanteil und eine optimale Verarbeitungskapazität von 3 t/h für Hanf, Flachs und Öllein verspricht. Eine Pilotanlage mit 1,5 t/h Kapazität ist bereits in Betrieb. (Vgl. Meldungen vom 2004-10-18 und 2004-01-05.)

Prof.Dr.-Ing. P. Haller von der TU Dresden stellte die Holzverdichtung und das Rollen von verdichtetem Holz zu runden, hohlen Bauelementen vor. Diese Bauteile wurden auch erfolgreich mit Armierungen aus Kohlefaser, Glasfaser, Aramidfaser sowie Betonverbund getestet. Die Festigkeitssteigerung der Werkstoffe korreliert hierbei proportional zur Holzverdichtung und Holz als Rohstoff hat seiner Meinung nach noch große Leistungs- und Anwendungsreserven. (Vgl. Meldungen vom 2004-06-09, 2004-02-02 und 2002-08-22.)

Dipl.-Phys. Jochen Aderhold vom Fraunhofer-Institut für Holzforschung in Braunschweig stellte die passive und aktive Thermographie als zerstörungsfreie Materialprüfung für Konstruktionswerkstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe vor. Bei der Wärmefluss-Thermographie stören Blasenbildung und ähnliche innere Defekte den Wärmefluss, was in Abhängigkeit von Defektgröße und -tiefe in Echtzeit sichtbar gemacht werden kann. Zudem ist es möglich, innere Strukturen – z.B. von Sandwichs mit gewollten Hohlräumen – sichtbar zu machen.

Dipl.-Ing. Robert Richter von der FILK GmbH in Freiberg stellte Lederfaser-Verbundwerkstoffe vor, woraus sich im Compound mit Lederverschnitt aus der Schuhindustrie Material für Schuhsohlen herstellen lassen. Das Leder fungiert hierbei als Füllstoff.

Prof. Dr.-Ing. Andrè Wagenführ vom Institut für Holz- und Papiertechnik der TU Dresden berichtete davon, dass die Mitnahme-Möbelkultur einen neuen Trend zum Leichtbau auch in diesem Markt generiert habe und stellte hierfür neue Sandwichkonzepte vor (Verfahren zum Verkleben von Pflanzenfasern zu Möbelplatten oder Dämmstoffen. Ein natürliches Enzym – das Lignin – regt dabei Fasern zum Verkitten auf ganz natürlichem Wege an. Chemische Kleber fehlen völlig.).

Dr. Gerhard Pohl stellte seine Versuche und Ergebnisse zu PP-NF Spritzgießgranulaten vor und bemängelte dabei die Qualität heimischer Hanffasern – bei seinem Verfahren zeigten sich Kenaf und Sisal als die geeigneteren Naturfasern.

Dipl.-Ing. Klaus Philipp der Fa. Findlay Industries in Geretsried berichtete über Praxisanwendungen im Automobilbereich. Interesse an der so genannten “Dampfexplosions-Aufschlusstechnik” für Naturfasern konnte er mit Demonstrationen wecken, in denen Compounds mit so aufgeschlossenen Fasern einem Schlagtest vollständig stand hielten, während herkömmliche NF-Compounds Risse bekamen. Zudem berichtete er über Versuche, NF-PP Thermoplasten zu Pellets (verdünnt mit zusätzlichem PP) zu recyceln, welche im Anschluss zur Extrusion von Plattenware oder zum Spritzgießen verwendet werden können.

Source: Tagungsbericht zur 11. Internationalen Chemnitzer Tagung vom 2004-10-20.

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