26 Mai 2014

TOP Vorschläge für eine Reform der Richtlinie für erneuerbare Energien (RED) hin zu einer Richtlinie für erneuerbare Energien und Materialien (REMD)

Einen Schritt weiter: Bio-basierte Chemikalien und Materialien in das Anreizsystem integrieren

English version: www.bio-based.eu/news/nova-paper-4-remd

 Michael Carus (nova-Institut), Lara Dammer (nova-Institut), Andreas Hermann (Öko-Institut) und Roland Essel (nova-Institut)

Das nova-Paper #4 „Proposals for a Reform of the Renewable Energy Directive to a Renewable Energy and Materials Directive (REMD)“ ist ein Reformvorschlag, der die Gleichbehandlung von biobasierten Chemikalien und Materialien mit Bioenergie und Biokraftstoffen erreichen will. Der Vorschlag unterscheidet sich fundamental von anderen momentan diskutierten Reformen der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie, weil er den Blick nicht allein auf das Thema Energie, sondern auch auf die stoffliche Nutzung richtet.

Der Vorschlag beruht auf der Analyse, dass die Förderung von Bioenergie und Biokraftstoffen durch die EE-Richtlinie und die entsprechenden nationalen Gesetzgebungen einer der wichtigsten Faktoren ist, welche die Entwicklung der stofflichen Nutzung von Biomasse und somit der gesamten bio-basierten Wirtschaft behindern.

Dabei sollte beachtet werden, dass die EE-Richtlinie aus einer Zeit stammt, in der Biomasse in Hülle und Fülle vorhanden und es sinnvoll war, einen solchen Rahmen zu schaffen. Heute jedoch ist Biomasse ein wertvoller Rohstoff, der möglichst effizient genutzt werden sollte. Mehrere Unternehmen berichten, dass die aktuelle Gesetzgebung zu schweren Marktverzerrungen für bio-basierte Rohstoffe führt. Investoren schrecken aufgrund ungünstiger Rahmenbedingungen in Kombination mit hohen Biomasse-Preisen davor zurück, in bio-basierte Chemie und Materialien zu investieren.1

Darüber hinaus wurden in den letzten Jahren mehrere Probleme in Zusammenhang mit den aktuellen Rahmenbedingungen deutlich. Zum Beispiel können einige Mitgliedstaaten voraussichtlich ihre Quoten nicht erfüllen und es kommt zu Rohstoffengpässen durch die erhöhte und unausgeglichene Nachfrage nach Biomasse.

Der vorliegende Reformvorschlag soll Lösungen für all diese Fragen bieten und gleichzeitig zu mehr Wertschöpfung, Beschäftigung, Innovation und Investitionen in Europa beitragen. Alle diese Kriterien können besser durch die stoffliche Nutzung von Biomasse als durch die energetische Nutzung (der gleichen Menge an Biomasse) erfüllt werden. Die Stärkung des stofflichen Sektors wird auch zur gewünschten industriellen Renaissance beitragen, wie sie kürzlich von der Europäischen Kommission angekündet wurde. Darüber hinaus trägt sie weiter zur Minderung von Treibhausgas-Emissionen und einer starken EU-Klimapolitik bei. Außerdem soll so die Abhängigkeit von öffentlichen Subventionen verringert werden, während gleichzeitig die bestehenden Strukturen für Bioenergie und Biokraftstoffe erhalten, genutzt und ausgebaut werden.

Die Forderung dieses revolutionären Vorschlags ist die Öffnung des Anreizsystems, so dass auch bio-basierte Chemikalien und Materialien in der Quote eines jeden Mitgliedsstaats angerechnet werden können. Der Grundgedanke ist es, die RED in eine REMD umzuwandeln, also eine “Richtlinie für erneuerbare Energie und Materialien”. Dieser Vorschlag bedeutet nicht, eine neue Quote für die Chemische Industrie einzuführen. Stattdessen soll die Nutzung bio-basierter Chemikalien und Materialien in gleicher Weise auf die Quote angerechnet werden, wie es z.B. bei der energetischen Verwendung von Bioethanol oder bio-basiertem Methan als Kraftstoff der Fall ist. Andere Plattformchemikalien, wie Bernsteinsäure, Milchsäure usw. könnten auf der Basis einer Umrechnung in Bioethanol-Äquivalente nach ihrem Brennwert angerechnet werden werden. Die Verminderung der Treibhausgas-Emissionen könnte ebenfalls Grundlage für eine solche Umrechnung sein.

Sechs weitere evolutionäre Vorschläge ergänzen diese umfassende Idee einer REMD. Sie konzentrieren sich vor allem auf Ressourceneffizienz durch die Beschränkung des Anteils der Bioenergie an der RED-Quote, die Stärkung der Solar- und Windenergie und die Inklusion von mehr CO2-basierten Kraftstoffen in der Quote. Es wird vorgeschlagen, Mehrfachanrechnungen innerhalb der Quote abzuschaffen, mit Ausnahme von Rohstoffen, die aus Kaskadennutzung oder Recyclingverfahren stammen. Ferner sollten künftig Vertreter der stofflichen Nutzung in jede Reform über Energie aus Biomasse einbezogen werden.

Schlussendlich befasst sich dieses Reform-Papier mit der aktuellen Debatte über Nachhaltigkeitszertifizierungen für Biomasse, die zu unterschiedlichen Zwecken genutzt wird. Die Nachhaltigkeitszertifizierungen für den Energiesektor wurden nur in Kombination mit erheblichen Anreizen umgesetzt. Dieser Aspekt wird in der Diskussion oft vergessen. Das Papier schlägt vor, der stofflichen Nutzung von Biomasse die gleichen Nachhaltigkeitskriterien aufzuerlegen wie sie für die energetische Nutzung erforderlich sind, wenn zur selben Zeit auch die gleichen Anreize für den stofflichen Sektor eingeführt werden. In diesem Zusammenhang wäre eine Erweiterung der heutigen Nachhaltigkeitsregelungen für den Biokraftstoffsektor um weitere Kriterien begrüßenswert.

Zwei Anhänge runden das Papier ab: Der erste enthält Aussagen von Unternehmen, die die negativen Auswirkungen der Marktverzerrung für Biomasse durch die EE-Richtlinie bereits zu spüren bekommen; der andere präsentiert umfassende Hintergrundinformationen zu allen Aussagen des Hauptpapiers sowie Details zu spezifischen Aspekten der stofflichen Nutzung von Biomasse.

Das nova-Paper #4 „Proposals for a Reform of the Renewable Energy Directive to a Renewable Energy and Materials Directive (REMD)“ kann auf folgender Seite kostenlos heruntergeladen werden: www.bio-based.eu/nova-papers

Wir möchten diesen Reformvorschlag und andere politische Ideen mit Experten der bio-basierten Wirtschaft diskutieren! Auf einem eintägigen Workshop in Brüssel am 26.06.2014 werden wir Ideen und konkrete Vorschläge austauschen, wie der politische Rahmen für die stoffliche Nutzung von Biomasse verbessert werden kann. Kreative Lösungsansätze und Denken „außerhalb der Box“ sind herzlich willkommen!

Wenn Sie Interesse an dem Workshop haben, dieses Papier unterstützen oder kommentieren möchten, können Sie dies auf der folgenden Seite tun und sich in die Liste der Unterstützer eintragen: www.bio-based.eu/remd.

 

1: Eine vor kurzem veröffentlichte Studie prognostiziert eine globale Verdopplung der bio-basierten Kapazitäten auf 13,2 Mio. t bis 2017, wovon Europas Anteil jedoch von 37% im Jahr 2005 auf 14% im Jahr 2017 fallen wird. (www.biobasedpress.eu/2014/03/biobased-chemicals-european-share-drop-sharply)

Diese Pressemitteilung als PDF: 14-05-26 PM nova-paper 4 Reformvorschlag von RED zu REMD

 
 

Über das nova-Institut

Die nova-Institut GmbH wurde 1994 als privates und unabhängiges Institut gegründet und ist im Bereich der Forschung und Beratung tätig. Der Fokus liegt auf der bio-basierten und der CO2-basierten Ökonomie in den Bereichen Rohstoffversorgung, technisch-ökonomische Evaluierung, Marktforschung, Ökobilanzen (LCA), Öffentlichkeitsarbeit, B2B–Kommunikation und Politik. Mit einem Team von mehr als 20 Mitarbeitern erzielt das nova-Institut einen jährlichen Umsatz von rund 2 Mio. €.

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Source: nova-Institut GmbH, Pressemitteilung, 2014-05-26

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