1 November 2001

nova-Messebericht: Bio-Kunststoffe auf der K 2001 in Düsseldorf

Vom 25. Oktober bis zum 01. November fand in Düsseldorf die weltführende Kunststoffmesse, die “15. Internationale Messe für Kunststoff + Kautschuk”, kurz “K 2001″ genannt, statt. Ca. 2.655 Aussteller zeigten ihre Produktpalette und ihre neuesten Entwicklungen. Der computergestützte Messeführer wies dabei 12 Aussteller mit “biologisch abbaubaren Kunststoffen” aus, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen. Auch wenn der Anteil der Bio-Kunststoffproduzenten unter den Ausstellern mit 0,5% noch verschwindend klein war, war ihnen Aufmerksamkeit gewiss. So präsentierte die Messezeitung, Ausgabe Nr.2, das Thema Bio-Kunststoffe seitenfüllend auf der ersten und dritten Seite als Titelthema “Kompostierbare Kunststoffe kommen”. Die zwei wichtigsten Höhepunkte unter den Bio-Kunststoffen zeigten auf der Messe Cargill Dow und TECNARO.

Das US Joint Venture Cargill Dow Polymers LLC (CDP) hat die weltweit erste großtechnische Produktion des PLA-Bio-Kunststoffs (Polylactic acid = Polymilchsäure) “NatureWorks TM” am 01. November 2001 in den USA in Betrieb genommen. In der letzten Ausbaustufe soll die Anlage in Blair/NE 140.000 t PLA/Jahr produzieren; Ausgangsmaterial ist vor allem Maisstärke. PLA wird vorwiegend im Verpackungsbereich eingesetzt und kann universell in Spritzguss und Extrusion eingesetzt werden. Die Fast-Food-Kette McDonalds soll bereits Interesse bekundet haben, NatureWorks TM für ihre Verpackungen zu verwenden. (vgl. auch Meldung vom 2000-03-01)

Der zweite Höhepunkt war die Präsentation des Produktes ARBOFORM® des jungen, deutschen Unternehmens TECNARO, das aus einer Entwicklung am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) stammt. Über das hochwertige Thermoplast aus Zellulose und Lignin, auch anschaulich “Flüssiges Holz” genannt, schreibt TECNARO: “Mischt man Lignin mit Naturfasern (Flachs, Hanf oder anderen Faserpflanzen), so erhält man einen unter Temperaturerhöhung verarbeitungsfähigen Faserverbundwerkstoff, der auf herkömmlichen Kunststoffverarbeitungsmaschinen wie ein synthetisch hergestellter Thermoplast zu Formteilen, Tafeln oder Platten verarbeitet werden kann.” Die aus den Naturstoffmischungen hergestellten Granulate tragen den Namen ARBOFORM (Arbor, lateinisch = der Baum). TECNARO hat die Technik- und Produktentwicklung so weit, dass nun das Marketing des hochwertigen Konstruktionswerkstoffs in verschiedensten Anwendungen wie Automobilinnenraum, Computer- und Handygehäuse im Fokus steht. (Vgl. auch Meldungen vom 2001-09-05 und 2000-02-11)

Eine gute Anlaufstelle für Interessenten von Bio-Kunststoffen war der Stand der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR). Aktuelle Informationsbroschüren der FNR geben einen Überblick über den Markt der biologisch abbaubaren Werkstoffe (BAW). Auf einer Sonderveranstaltung wurden aktuelle Entwicklungen im Bereich der BAW-Verpackungen von Experten der Branche präsentiert (“Technische Erfahrungen mit Herstellung und Verarbeitung”, “Kompostierbare Verpackungen: Ein Ausflug in die Praxis”). Einen besonderen Schwerpunkt stellte der Großversuch in Kassel dar (“BAW-Modellprojekt Kassel: Der Kreislaufgedanke im Praxiseinsatz”) (vgl. auch Meldungen vom 2001-10-09 und 2001-05-14).

Weitere Aussteller, die Bio-Kunststoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe präsentierten:

  • Novamont aus Italien: Novamont zeigte seinen gut bekannten Bio-Kunststoff “Mater-Bi”, der bereits in zahlreichen Anwendungen zu finden ist. Eine 8-seitige Farbbroschüre zeigt das breite Anwendungsspektrum: Hygiene und Kosmetik (Folien für Windeln und Intimhygiene, Wattestäbchen etc.), Einwegartikel (Teller, Bestecke etc.), Verpackung (Verpackungsfolien), Land- und Gartenbau (Blumentöpfe, Mulchfolien etc.), Schreibwaren (Kugelschreiber, Spitzer etc.) und Sonstiges (Spielzeug, Tragetaschen, Bioabfallsäcke etc.).

    Zum Produkt schreibt Novamont: “Aus Mais-, Weizen- und Kartoffelstärke, natürlichen und synthetischen Polymeren gewonnen, können Mater-Bi-Produkte als thermoplastische Materialien mit den selben Maschinen verarbeitet werden wie konventionelle Thermoplaste. Die physikalisch-mechanischen Eigenschaften sind denen herkömmlicher Kunststoffe sehr ähnlich, aber die Abbaubarkeit einiger Mater-Bi-Typen in unterschiedlichen Milieus gleicht der reiner Zellulose.” In nur drei Jahren hat sich die Produktionskapazität aufgrund steigender Nachfrage auf 20.000 t/Jahr verdreifacht. In dieser Kapazität ist bereits die neue Produktionslinie für Mater-Bi-Folien in Terni (Italien) mit 12.000 t/Jahr enthalten, die im November 2001 in Produktion gehen soll.

  • AUSTEL Research + Development GmbH / IFA Tulln aus Österreich: AUSTEL und IFA zeigten das Spritzgussgranulat fasal® aus nachwachsenden Rohstoffen, das es in verschiedenen Varianten gibt. Laut Entwickler ist fasal® ein Holzspritzgussgranulat, das hauptsächlich aus den nachwachsenden Rohstoffen Holz und Mais hergestellt wird. Die Zusatzstoffe wie Naturharze und geringe Mengen Verarbeitungshilfsmittel sind ebenfalls natürlichen Ursprungs. Auch das Schwesterprodukt fasalex® besteht zu 60% aus Holzabfällen, 20% Mais und 20% Naturharzen, es “vereint die positiven Eigenschaften von Holz mit den vielfältigen, rationellen Verarbeitungsmethoden der Kunststofftechnologie”. Anwendungen sind vor allem: Innenausbau von Wohnungen/Häusern, Möbel und technische Profile.
  • FKuR Forschung und Entwicklung GmbH aus Deutschland: FkuR bieten eine Reihe verschiedener Bio-Kunststoffe an wie Copolyester (in Produktion), Modifizierte Zellulose (in Produktion), Polymilchsäure (PLA) (in Entwicklung) und naturfaserverstärkte Polymere (mit Copolyester). Das Produkt Fibrolon ist auf Basis von Holzmehl seit knapp 5 Jahren in der Automobilindustrie in der Serienproduktion. Fibrolon ist ein naturfaserverstärktes Compound auf Basis von Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE). Es verbindet “auf einzigartige Weise die Vorteile von Holz mit denen von Kunststoff”.
  • Biomer aus Deutschland: Biomer Thermoplaste sind Polyester aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Produkte haben ein ansprechendes Aussehen, sind wärmebeständig, wasserfest und biologisch vollständig abbaubar. Die Granulate können auf Standardmaschinen verarbeitet werden. Zwei Produkte werden unterschieden: (1) PHB ist ein isotaktischer, absolut linearer, thermoplastisch verarbeitbarer Polyester mit 3-Hydroxybutyrat als Monomer-Einheit, (2) PLLA ist ein thermoplastisch verarbeitbarer Polyester mit 2-Hydroxypropionat (Milchsäure) als Monomer-Einheit.
  • Thüringisches Institut für Textil- und Kunststoff-Forschung e.V. (TITK) aus Deutschland: Am TITK werden unterschiedliche biologisch abbaubare Werkstoffe entwickelt. Ein besonderer Schwerpunkt sind naturfaserverstärkte Verbundwerkstoffe mit synthetischer und auch natürlicher Matrix. Entwickelt wurden verschiedene Verfahren zur Naturfaser-Granulatherstellung, die nun für die automobile Spritzguss-Serienproduktion zur Verfügung stehen.

Andere Hersteller, insbesondere große Chemiekonzerne, zeigten biologisch abbaubare Kunststoffe auf Mineralölbasis, vor allem Co-Polyester:

  • Eastman Chemical Company aus USA: “Eastar Bio copolyester” ist ein aliphatisch-aromatisches Copolyester, seit 1995 patentiert und 1997 am Markt eingeführt, verarbeitbar wie Polyethylen, bio-abbaubar nach DIN. In Form von “Golf-T’s” erobert das Produkt laut Eastman die internationalen Golfplätze.

    SK Chemicals aus Süd-Korea: “Skygreen BDP”, ebenfalls ein aliphatisch-aromatisches Copolyester. Auch in Süd-Korea verschärfen sich die Probleme mit Kunststoffabfällen, weshalb das Interesse an abbaubaren Kunststoffen stark wächst. “Skygreen BDP” wird in vielfältiger Weise vor allem in der Verpackungsindustrie eingesetzt (Einkaufstüten, Shampoo-Flaschen, aber auch Einweg-Rasierer und -Geschirr).

  • BASF AG aus Deutschland: Der biologisch abbaubare Kunststoff Ecoflex® ist fester Bestandteil der Produktpalette von BASF geworden (vgl. auch Meldung vom 2001-02-28). Ecoflex® eignet sich laut BASF optimal für Lebensmittelverpackungen: “Premiumprodukte und ökologisch erzeugte Produkte, auch Tiefkühlware und Konsumenten-Agrarprodukte, können dem Kunden in einer vollständig biologisch abbaubaren Verpackung präsentiert werden.” Ecoflex® wird insbesondere für Beschichtungen eingesetzt, z.B. zur Beschichtung von Stärkeschaumverpackungen (aus Mais- oder Kartoffelstärke), die dadurch gegen Bruchschäden und Risse geschützt werden. Chemisch ist Ecoflex® aus den Bausteinen Adipinsäure, Butandiol und Terephtalsäure zusammengesetzt.
  • Bayer AG aus Deutschland: Für Bayer scheint der biologisch abbaubare Kunststoff “BAK” zur Sackgasse geworden zu sein (vgl. auch Meldung vom 2001-05-01). Gegenüber der Presse hieß es, dass sich biologisch abbaubare Werkstoffe (BAW) mehr und mehr zu einem Spezialgeschäft entwickeln. In der strategischen Ausrichtung von Bayer sei aber kein Platz für solche Spezialitäten. Geplant ist daher, das Produkt einschließlich der entsprechenden Technologie und aller Patente abzugeben. Als wesentlichen Grund für die unbefriedigende Akzeptanz von “BAK” sieht man im Hause Bayer die aktuelle Fassung der sog. Bio-Abfallverordnung, die die Vermarktung biologisch abbaubarer Produkte auf synthetischer Basis, im Vergleich zu solchen auf nachwachsender Rohstoffbasis, behindere.

Autor: Michael Karus (nova)
Endredaktion: Marion Kupfer (nova)
Quellen: Eigenrecherche auf der Messe und “Die Messe, Ausgabe Nr. 2″.

© nova-Institut 2001

Source: Eigenrecherche auf der Messe und "Die Messe, Ausgabe Nr. 2".

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