23 Januar 2007

nova-Messebericht: BAU 2007 – Nachwachsende Rohstoffe bleiben Sympathieträger

WPC-Branche präsentiert sich gestärkt und innovativ

Die BAU 2007 vom 15. bis 20. Januar in München ist die Welt größte Fachmesse für Baustoffe und Baumaterialien. An sechs Messetagen kamen mehr als 206.000 Fachbesucher, um sich über das Angebot der 2.046 Aussteller aus 44 Ländern zu informieren. Damit wurde erstmals in der mehr als 40jährigen Geschichte der BAU die 200.000er Marke überschritten.

Volle Hallen, gute Stimmung bei Ausstellern und Besuchern, intensive Gespräche an den Ständen – das war dasvorherrschende Bild auf dem Messegelände. Viele Aussteller berichteten von qualifizierten Gesprächen mit sehr gut informierten Besuchern, die ganz gezielt Auskünfte einholten. In einigen Fällen mündeten die Gespräche auch in Verkaufsabschlüsse. Quer durch die Gewerke wurde von einer Aufbruchstimmung berichtet.

Energieeffizientes Bauen und Bauen im Bestand waren die herausragenden Themen der BAU 2007. An fast allen Ständen wurden Produkte oder Techniken präsentiert, die eine Energie sparende Bauweise zum Ziel haben oder speziell für Bestandsmaßnahmen entwickelt wurden. Minister Tiefensee eröffnete im Beisein von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs auch den zweitägigen Kongress “Energieeffizienz Bauen”. Rund 500 Teilnehmer informierten sich im Internationalen Congress Center (ICM) über ordnungsrechtliche und förderpolitische Aspekte.

WPC-Neuheiten
In Halle B6 versammelten waren fast alle Akteure der WPC-Branche (Wood-Plastic-Composites) angesiedelt. Jeder Aussteller hatte Innovationen im Petto und präsentierte sich souverän und zufrieden. Im Vergleich zur BAU 2005 sind diese Produkte inzwischen beim Kunden angekommen. Prinzipielle Kritik oder gar feindselige Abneigung war heute fast gar nicht mehr zu hören, statt dessen stieg das Interesse am Produkt und seinen Möglichkeiten, was letztendlich in zahlreichen Abschlüssen, vorrangig mit Händlern, mündete.

Die Innovationen im Detail
Werzalit präsentierte eine quadratische Bodenfliese, die erstmal im Spritzgussverfahren gefertigt wird und sich variabel in das bestehende Decking-System einfügt. Die Dielen des Systems werden – wie fast alle WPC-Anwendungen für die Baubranche – extrudiert.

Die NOVO-TECH GmbH brachte eine extrabreite Diele mit: Abmessungen von 24,5 cm in der Breite sind mit Massivholzdielen kaum zu realisieren; letztere würde unter Witterungseinflüssen rund oder sich “schüsseln”. Die Schildkröte im Logo deutet auf die “tierische Langlebigkeit” dieser Materialien hin. Als Alternative zum Tropenholz verwendet dieser Hersteller nur Holz aus PEFC-zertifizierten Beständen. Mit einer optionalen LED-Beleuchtung können im Außenbereich optische Akzente gesetzt werden.

Das “Wetterholz” von Häussermann ist inzwischen modifiziert worden und ebenfalls (wieder) am Markt angekommen. Hier steht die Splitterfreiheit im Mittelpunkt des Marketings.

Die Kosche-Gruppe behauptet sich weiterhin stark am Markt. Während man sich 2005 noch mit einem kompakten, geschlossenen Stand mehr versteckte als präsentierte, zeigte man sich nun offensiv, hell und aufgeräumt. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen bereit, um die neue Produktgruppe dem Besucher nahe zu bringen.

Während Kosche ausdrücklich mit seinen PVC-freien Produkten wirbt, verfolgt die MÖLLER GmbH & Co. KG aus Meschede genau die gegenteilige Strategie: Ebenso wie Deceuninck wird hier PVC als polymere Matrix eingesetzt, um eine witterungsbeständige Bodendiele zu schaffen, die UV-Strahlungen, Regen, Frost und Schnee standhält.

Im Gegensatz zu den meisten übrigen Akteuren sucht Woodland nicht die Kooperation im Verband, sondern versucht sich als Prämiumanbieter oberhalb eines gemeinsamen Qualitätsstandard innerhalb der VHI-Arbeitsgruppe zu etablieren.

Mit TPS war auch ein Maschinenbauer (Doppelbandpressen, u.a. für WPC-Platten) in Halle B6 vertreten – ungewöhnlich für die BAU.

Neben den Produzenten-Ständen waren WPC-Produkte bereits bei einigen anderen Ausstellern zu sehen: entweder als Handelsware innerhalb der Produktpalette, oder bereits als regulärer Bodenbelag des Messestandes. Alle Akteure betonten die gute Stimmung und nur einzelne beklagten die Doppelbelastung durch die DOMOTEX, auf der sie ebenfalls präsent waren.

Holz
Der ökologisch und ökonomisch wichtigste, nachwachsende Roh- und Baustoff bleibt das Holz. Holz übertrifft unter ökologischen Aspekten alle anderen gängigen Baustoffe. Werkstofftechnisch sind die Potenziale jedoch längst noch nicht abschließend erforscht und genutzt.

Wohin derzeit die Entwicklungen gehen, war in Halle C3 auf dem Gemeinschaftsstand Holzbau der Zukunft eindrucksvoll dargestellt: Der Besucher wandelte in Schluchten zwischen hoch aufgestapeltem Schnittholz und konnte sich über 20 Teilprojekte informieren. Diese beleuchteten die ungenutzten Potenziale des Baustoffs Holz von der Grundlagenforschung im Wald bis zu internetbasierten Datenbanken für Wissenschaft und Wirtschaft.

Dass mit nachwachsenden Rohstoffen auch massives Bauen möglich ist, dafür steht die Bitburger Naturhäuser GmbH. Die Firma wurde 1996 als Tochter der Eifel-Haus GmbH gegründet und stellt in Fertigbauweise Energiesparhäuser aus einem patentierten HolzSpanLeichtBeton (HSB) her, wobei die statisch wirksame Tragkonstruktion innerhalb der Wandelemente weiterhin ein Holzfachwerk ist.

Sonstige NaWaRo
Valentin (Kosche-Gruppe) hatte auf dem Kosche-Stand eine leichte Platte aus Hanfschäben im Gepäck; die STEICO AG zeigte unterschiedliche Dämmstoffe aus Hanffasern und teilweise auch mit Hanfschäben verstärkt. Außerdem gibt es natürlich weiterhin Bodenbeläge aus Linoleum (Leinöl, Holzmehl etc.) oder als stark beanspruchbare Bodenfliese aus Holzmehl mit einem Duroplast (Celenio) oder aus (Natur-)Kautschuk.

Insgesamt hat die BAU gezeigt, dass trotz starker Präsenz von Beton, Stein und Stahl die nachwachsenden Baustoffe weiterhin gefragt sind – und die größten Sympathien der Besucher erhalten.

(Vgl. Meldungen vom 2007-01-21, 2006-04-26, 2004-04-06.)

Source: Eigenrecherche BAU 2007 vom 2007-01-19.

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