15 Oktober 2004

nova-Konferenzbericht: “Biogene Treibstoffe – Vom Acker in den Tank”

Am 13.10.2004 veranstaltete die Landwirtschaftskammer gemeinsam mit der Landesinitiative Zukunftsenergien NRW, der ZNR Haus Düsse und der Agenda 21–Initiative des Kreises Steinfurt die Fachtagung “Biogene Treibstoffe – Vom Acker in den Tank” im Transferzentrum für angepasste Technologien GmbH (TAT) in Rheine. Sie eröffnete einen Überblick zur Erzeugung bzw. Nutzung von Rapsöl, Biodiesel (RME) und Bioethanol als Kraftstoff.

Die Mineralölsteuerbefreiung für Biokraftstoffe und die EU-Richtlinie zur Förderung von Biokraftstoffen bilden die Grundlage für die verstärkte Verbreitung und Nutzung von Rapsöl, Biodiesel und Bioethanol. Darauf wies Landwirtschaftskammer-Präsident Karl Meise hin. Der Mindestmengenanteil für Biokraftstoffe am Gesamtkraftstoffmarkt ist für 2004 auf 2% festgesetzt. Der Mindestmengenanteil soll sich pro Jahr – laut Dr. Griese (Staatssekretär im Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, NRW) – um 0,75% erhöhen, so dass für 2010 insgesamt 5,75% Beimischungen vorgesehen sind.

Laut einer Studie von Daimler Chrysler könnten langfristig sogar 40% des gesamten Kraftstoffverbrauches aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen werden (vgl. Meldung vom 2004-09-24.). Aufgrund der so genannten Beimischungsregel kann die erwartete Absatzmenge von Biodiesel für dieses Jahr einen Höhepunkt erreichen, wenn (bis zu 5%) Biodiesel mit herkömmlichem Diesel vermischt und an Tankstellen verkauft wird. Entgegen der zeitweise vorherrschenden Kontroversen bzgl. der Beimischung von Biodiesel (vgl. Meldung vom 2004-07-27.) konnte Dr. Walter (British Petroleum, BP) hierzu keine gravierenden negativen Folgen bestätigen. Dr. Walter ist zuständig für die Kraftstoffqualitätssicherung bei BP.

Laut Dr. Griese sollen in diesem Jahr bundesweit bereits 1 Mio. Tonnen Biodiesel abgesetzt werden, von denen allein NRW mit ca. 235.000 Tonnen rund ein Viertel der gesamten Produktionskapazität stellt. Zur Erzeugung dieser Biodieselmenge ist eine Anbaufläche von 100.000 ha Raps erforderlich. In diesem Jahr wurde in NRW auf 57.000 ha Raps angebaut. Rund 200 dezentrale Ölmühlen zur Rapsölherstellung und rund 120 Tankstellen bieten derzeit deutschlandweit auch Rapsölkraftstoff zum Literpreis von 60-70 Cent an.

Kritisch steht Dr. Griese der Agrardieselsubventionierung gegenüber, da diese sich als kontraproduktiv zur Generierung von Biokraftstoffen darstellt. Aber trotz der Steuersubventionierung für fossilen Diesel gilt Biokraftstoff nicht zuletzt durch die Aufnahme von Biodieselanlagen, Bauernhoftankstellen und Ölpressen in das Agrarinvestitionsförderprogramm konkurrenzfähig.

Biodiesel ist nur ein kleiner Baustein zur Substituierung fossiler Treibstoffe. Laut Herrn Kemper (Beiratsmitglied der Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen e.V. (UFOP, Lage) findet Biodiesel derzeit insbesondere Einsatz in umgerüsteten kommunalen Fahrzeugflotten und in landwirtschaftlichen Fahrzeugen. Insbesondere für den Einsatz in biosensiblen Räumen sind Rapsöltreibstoffe und Biodiesel prädestiniert, da im Falle einer unplanmäßigen Umwelteinbringung negative Folgen fast ganz ausgeschlossen werden können. Unabdingbar ist in diesem Zusammenhang auch die DIN-Zertifizierung von Biodiesel (DIN EN 14214), welche eine gleich bleibende Kraftstoffqualität garantiert.

Die Entwicklung des Absatzes von Bioethanol oder Ethyltertiärbutylether (ETBE) wird von Dr. Griese ähnlich positiv gesehen wie der Biodieselabsatz. Ohne Probleme sei es möglich, herkömmlichem Ottokraftstoff (Benzin) einen Anteil von bis zu 5% Bioethanol und sogar bis zu 15% ETBE beizumischen. Durch die Beimischung wird in beiden Fällen die Oktanzahl, die ein Maß für die Klopffestigkeit darstellt, erhöht, bei Zumischung von ETBE ist zusätzlich ein sinkender Dampfdruck als positiv zu bewerten. Zumischungen von Ethanol steigern jedoch der Dampfdruck. Außerdem müsse der O2-Gehalt überprüft werden, da ein zu hoher O2-Anteil zu erhöhtem Verbrauch führe, so Dr. Walter.

Nach Angaben von Dr. Griese sei jedoch aufgrund der verstärkten finanziellen Förderung in Ostdeutschland hinsichtlich der Förderbedingungen von Bioethanol eine gewisse Marktverzerrung zwischen Ost- und Westdeutschland festzustellen.

Die globale Ethanolproduktion lag 2003 bei 380 Mio. Tonnen, so Dr. Block (ZNR, Haus Düsse). Dies zeigt auf, welche Dimensionen dieser Markt hat, der vornehmlich von Brasilien (37%), USA (30%) und Asien (18%) bedient wird, wohingegen die bisherigen EU-Produktionen sich mit ca. 6% noch auf den hinteren Plätzen bewegen. In Deutschland dürfen Brennereien aufgrund des Branntweinmonopols überschüssigen Ethanol, der für den Brennstoffsektor produziert wurde, nicht im Food-Sektor anbieten (Herr Pilz, Bund dt. Edelkorn-Brenner, Dortmund). (Vgl. Meldungen vom 2004-03-17 und 2003-02-24.)

Aufgrund der sinkenden Agrarsubventionen für Zuckerrüben hat die Ethanolgewinnung aus Getreide für die EU-Staaten eher eine Zukunft. Aus 100 kg Getreide können 37-42 Liter Bioethanol gewonnen werden. Auf einen größeren Maßstab übertragen, so Dr. Block, wäre somit der Ertrag eines 1 ha großen Getreidefeldes (80dt) rund 2.800-3.400 Liter Ethanol. (Vgl. Meldung vom 2004-08-18.)

Eine nachhaltig ökonomische Lösung für die Landwirtschaft sei jedoch nur dann sichergestellt, wenn die Landwirte künftig an der gesamten Wertschöpfungskette beteiligt werden (z.B. auch Rapsölproduktion – und -verarbeitung) und nicht nur als Rohstofflieferanten für die Biodieselproduktion auftreten.

(Vgl. Meldung vom 2004-10-14.)

Source: nova-Konferenzbericht vom 2004-10-13.

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