5 Februar 2003

nova-Interview mit Rolf Luther von Fuchs DEA zu Motorenölen auf Pflanzenölbasis

Zwei von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe geförderte Projekte unter Leitung der Fuchs DEA Schmierstoffe GmbH befassten sich mit Motorenölen auf biologischer Basis (FNR-Fördernr. 96NR168) und der Erprobung eines neuen Verfahrens zur Dieselmotorenschmierung unter Verwendung von Motorenölen auf Pflanzenölbasis (FNR-Fördernr. 96NR169). Projektpartner war u.a. die Bayerische Landesanstalt für Landtechnik, die Versuchsobjekte Diesel-PkW sowie zwei Blockheizkraftwerke.

Der Projektleiter Rolf Luther von Fuchs-Oil war so entgegenkommend, nova einige Fragen zum Fortgang der Entwicklungen hinsichtlich der biogenen Motorenöle zu beantworten.

nova: Herr Luther, Welche Trends/Entwicklungen sind Ihrer Ansicht nach hinsichtlich von Motorenölen auf Pflanzenölbasis im kommenden Jahr zu erwarten?

Rolf Luther: Ganz einfach ist die Beantwortung Ihrer Fragen nicht, da Änderungen im Bereich der Motorenschmierung aus nachvollziehbaren Gründen eher langsam ablaufen. Insofern sind Ihre Fragen nach Marktentwicklungen in diesem Jahr mit “leicht positiver Tendenz” zu beantworten – aber ein gewaltiger Aufschwung ist nicht zu erkennen.

Im Einzelnen: Bei Motorenölen auf Pflanzenölbasis ist zwischen Produkten zu unterscheiden, die unmittelbar z.B. auf Rapsöl basieren, und solchen aus synthetischen Estern, die wiederum zu großen Teilen aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Bei den reinen Pflanzenölprodukten verweisen wir auf unser Ölauffrischungssystem Plantotronic, mit dem in der Tat die Verwendung solcher Motorenöle möglich ist.

Plantotronic-Status: Für dieses speziell für Stationärmotoren (Blockheizkraftwerke!) konzipierte Verfahren liegen mittlerweile diverse Einsatzerfahrungen vor, so dass man jetzt auf eine weitere Verbreitung setzten kann. Das Verfahren ist besonders geeignet für den Betrieb mit biogenen Kraftstoffen, bei deren Einsatz oft von Problemen mit herkömmlichen Schmierstoffen berichtet wird.

nova: Welche Produkte/Anwendungen für biogene Motorenöle können sich Ihrer Meinung nach in diesem Jahr für entsprechende Nischenmärkte durchsetzen bzw. Marktreife erlangen?

Rolf Luther: Bei den umweltverträglichen Motorenölen auf Basis von synthetischen Estern für lange Ölwechselintervalle, die ja für herkömmliche Umlaufschmierung und lange Ölwechselintervalle geeignet sind, zeigt sich ein wachsendes Interesse an den technischen Vorteilen dieser Produkte, z.B. in Hinsicht auf die Verringerung von Emissionen und Kraftstoffverbrauch. Auch die direkten Umwelteigenschaften gewinnen an Bedeutung: Unser Titan GT1 z.B. ist kennzeichnungsfrei bzgl. der neuen EU-Zubereitungsrichtlinie 99/45/EEC, bisher einzigartig.
Aber: Dieses gestiegene Interesse spiegelt sich noch nicht in wachsendem Marktanteil wider – der Preisunterschied zu konventionellen Motorenölen erscheint offenbar vielen Verbrauchern zu hoch. Deshalb appellieren wir an ein erweitertes Verständnis von Kosten: Der Einsatz von Titan GT1 z.B. reduziert den Kraftstoffverbrauch um 3-6% (verglichen mit einem 15W-40 Öl) – damit kann sich jeder die Gesamtkosten aus Motorenöl und Kraftstoff selbst ausrechnen.

Weiterer Vorteil der biogenen synthetischen Motorenöle: Ihre besondere Eignung für den Bio-Diesel-Betrieb. Die speziell auf den Einsatz synthetischer Ester ausgelegte Additivierung des bewährten Bio-Motorenöls Plantomot 5W-40 zum Beispiel hat auch eine besondere Verträglichkeit mit Bio-Diesel zur Folge, denn dieser Kraftstoff ist chemisch gesehen ebenfalls ein Ester: Rapsöl-Methylester (RME). Plantomot 5W-40 war übrigens das erste Bio-Motorenöl am deutschen Markt.

Schließlich ist an dieser Stelle noch ein Universalöl für den kombinierten Einsatz in Motor, Getriebe und Hydraulik zu nennen, das sogenannte Bio-STOU. Dieses Öl der Viskositätsklasse SAE 5W-40 führt natürlich bei allen Kombinationsgeräten zu einer großen Erleichterung bei Handhabung und Vorratshaltung. Auch hier gilt wieder: Erst eine Gesamtkostenrechnung liefert oft die richtige Einschätzung der reinen Schmierstoffkosten.

nova: In welchen Größenordnungen wird sich schätzungsweise der industrielle Einsatz pflanzlicher Motorenöle in 2003 bewegen?

Rolf Luther: Auch 2003 wird der Absatz von Bio-Motorenölen zwar etwas wachsen; der Gesamtabsatz wird aber unter 1.000 t liegen. Besser sieht die Gesamtsituation aus: Auf alle Schmierstoffe gerechnet haben die umweltverträglichen Produkte einen Marktanteil von 4-5% (entsprechend mehr als 40.000 t) erreicht.

nova: Ist in diesem Jahr mit einer Weiterentwicklung oder industriellen Umsetzung für das von Ihnen erprobte Verfahren zur Dieselmotorenschmierung unter Verwendung biogener Motorenöle zu rechnen?

Rolf Luther: Die kontinuierliche Verbesserung von Bio-Schmierstoffen wird sich auf viele Anwendungen erstrecken, zu nennen sind beispielhaft Hydraulik- und Industriegetriebeöle mit verbesserter Leistungsfähigkeit oder auch neuartige Schmierfette für Wälzlager. Die Entwicklung ist hier noch lange nicht am Ende.

nova: Vielen Dank, Herr Luther, für die ausführlichen Antworten!

Rückfragen:
Rolf Luther
FUCHS PETROLUB AG
Corporate Laboratory
Friesenheimer Str.17
D-68169 Mannheim
Tel.: ++49-(621)-3802-120
Fax: ++49 (621)-3802-159
E-Mail: rolf.luther@fuchs-oil.de
Internet: http://www.fuchs-oil.de

Source: E-Mail-Interview mit Rolf Luther von Fuchs DEA vom 2003-02-04.

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