7 Juli 2003

nova-Interview mit Hubert Honecker (BMVEL) zur Reform der GAP

Anlässlich der kürzlich erfolgten abschließenden Agrarministerkonferenz zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) war Herr Honecker vom Bundesverbraucherministerium so freundlich, nova eine Stellungnahme hinsichtlich der Konsequenzen der beschlossenen Reformen auf den Bereich der Nachwachsenden Rohstoffe abzugeben.

nova: Welche Auswirkungen erwarten Sie hinsichtlich der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für nachwachsende Rohstoffe? Rechnen Sie mit Auswirkungen auf die Konkurrenzsituation zwischen Anbauern von Food- und Non-Food-Pflanzen?

H. Honecker (BMVEL): Der Anbau nachwachsender Rohstoffe kann wie zuvor sowohl auf stillgelegten als auch auf anderen Flächen erfolgen. Damit steht grundsätzlich das gleiche Flächenpotenzial wie vor der Reform zur Verfügung. Da in Zukunft auf den Flächen, die für die Geltendmachung der Prämienansprüche herangezogen werden können, alle Kulturen außer Obst, Gemüse und Speisekartoffeln angebaut werden können, werden nachwachsende Rohstoffe zunehmend auf anderen Flächen angebaut.

Soweit es sich um Energiepflanzen handelt, erhält der Anbau auf diesen anderen Flächen ab 2004 durch eine Energiepflanzenprämie von 45 EUR/ha einen zusätzlichen Anreiz. Eine wesentlich zunehmende Konkurrenz zwischen Non-Food- und Food- Erzeugung ist dadurch nicht zu erwarten. Entscheidend für die Konkurrenzkraft des Non-Food-Anbaus ist letzlich, ob kostendeckende Preise bei einer Verwertung als nachwachsender Rohstoff erzielt werden.

Dazu ist es wichtig, die in der Gesellschaft teilweise noch nicht hinreichend bekannten Vorteile von Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen zur Erschließung weiterer Absatzpotenziale zu nutzen und zugleich Kostensenkungspotenziale bei diesen Produkten zu erschließen.

nova: Sind innerhalb des Spektrums der nachwachsenden Rohstoffe Verschiebungen zwischen den unterschiedlichen Non-Food-Pflanzen zu erwarten?

H. Honecker (BMVEL): Verschiebungen zwischen den einzelnen nachwachsenden Rohstoff-Pflanzen sind möglich. Die Nachfrage bei nachwachsenden Rohstoffen hat bisher im Wesentlichen die Anbauzusammensetzung bestimmt. Daran wird sich auch zukünftig nichts Grundsätzliches ändern.

Die Energiepflanzenprämie von 45 EUR/ha setzt jedoch ein Signal zur verstärkten Energiepflanzenproduktion. Sie könnte zunächst den Ölpflanzen zugute kommen, die überwiegend im Biokraftstoffsektor Verwendung finden, da hier die Erschließung des Marktes bereits am weitesten fortgeschritten ist. Sie könnte daneben den Anbau von Pflanzen verstärken, die etwa als Cosubstrate zur Biogaserzeugung eingesetzt werden können. Mittelfristig dürfte die Energiepflanzenprämie den Anbau weiterer Pflanzen zur direkten energetischen Nutzung im Wärme- und Strombereich unterstützen.

nova: Könnte die Agrarreform Folgen für den Öko-Anbau von nachwachsenden Rohstoffen zeitigen?

H. Honecker (BMVEL): Die beschlossene Entkopplung der Direktzahlungen begünstigt tendenziell eine eher extensive Wirtschaftsweise. Dies gilt für den Food- wie für den Non-Food-Anbau. Zusätzlich werden im Bereich des Ökolandbaus neue Fördermöglichkeiten eröffnet. Ob dadurch der Öko-Anbau von nachwachsenden Rohstoffen an Bedeutung gewinnt, bleibt abzuwarten.

(Vgl. Meldung vom 2003-06-28.)

Source: E-Mail-Interview – Antwort von H. Honecker vom 2003-07-07.

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