24 August 2007

nova-Interview mit Heinrich Kranz zu Anbau und Verarbeitung von Fasernesseln

Unter dem Markennamen Nettle World vertreibt die Stoffkontor Kranz AG Stoffe mit Brennnesselfaseranteilen zwischen 10 und 40 Prozent. Das Unternehmen ist auf mehreren Stufen der Erzeugung aktiv – vom Anbau durch Vertragslandwirte über die Verarbeitung der Faser, dem Weben und Konfektionieren bis zur Vermarktung als Bettwaren und Kleidungsstücke. Die nova-Redaktion befragte Firmenvorstand Heinrich Kranz.

nova: Herr Kranz, Ihre Rohstofflieferanten warten auf Erntewetter?

Heinrich Kranz: Ja, bei den Beständen der Fasernessel ist jetzt – 14 Tage später als üblich – die Faserreife erreicht. Trotz der Trockenheit im April haben sich die Bestände sehr gut entwickelt. Sobald Erntewetter einsetzt, kann die Ernte beginnen.

nova: Welchen Umfang hat der Fasernesselanbau?

Kranz: In diesem Jahr bauen Landwirte in den Anbaugebieten Wendland, Soltau, Nienburg, Minden, Hildesheim, Dortmund und Mainz rund 250 Hektar für uns an. Gegenüber 2006 ist das ein Zuwachs um fast 100 Hektar.

nova: Welche Bedingungen bieten Sie den Anbauern?

Kranz: Wir garantieren die Abnahme und zahlen 750 Euro je Tonne Nesselstroh bei einer Vertragslaufzeit von sieben Jahren mit Verlängerungsoption. Die Pflanzen werden von uns geliefert und bleiben auch auf dem Feld unser Eigentum. Für jeden Hektar Anbaufläche muss der Landwirt 3.000 Euro junge Aktien der Stoffkontor Kranz AG zeichnen.

nova: Wo findet die Verarbeitung statt?

Kranz: Wir verarbeiten den Rohstoff bis auf das Verspinnen vollständig selbst. Seit sechs Wochen läuft unser eigenes Entholzungswerk. Damit bekommen wir eine deutlich höhere Faserqualität und können die Produktion besser planen als bei der Lohnverarbeitung in Fremdbetrieben.

nova: Was bringt die Zukunft?

Kranz: Unser Ziel ist es, den Fasernesselanbau in Deutschland bis 2012 auf über 1.000 ha auszudehnen. Auf der Vermarktungsseite wollen wir bereits 2008 eine umfangreiche Bekleidungskollektion anbieten. Wir konzentrieren uns auf den Premium-Markt, bei ausschließlicher Fertigung in Deutschland.

nova: Herzlichen Dank für die Auskünfte.

Anmerkung der Redaktion: Die genannten Auszahlungspreise für Nesselstroh liegen deutlich über den Marktpreisen für das Rohmaterial anderer Naturfasern wie Flachs- oder Hanfstroh. Eine Voraussetzung, um Auszahlungspreise in dieser Höhe dauerhaft zu ermöglichen ist es, die verarbeiteten Produkte als Premium-Erzeugnisse zu vermarkten. Auf diesen Sektor konzentrieren sich die Marktaktivitäten der Stoffkontor Kranz AG. Einen entscheidenden Faktor für eine erfolgreiche Ausdehnung des Fasernesselanbaus sieht das nova-Institut darin, dass wachsende Mengen der Premiumprodukte mit Brennnesselfaseranteil abgesetzt werden können.

(Vgl. Meldungen vom 2006-08-11, 2003-03-19 und 2003-09-24.)

Source: E-Mail-Interview mit H. Kranz vom 2007-08-20.

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