16 Januar 2003

nova-Interview mit Dr. Ralf Pude: Wie entwickelt sich Miscanthus in 2003?

Anlässlich der interessierten Beteiligung der nova-Geschäftsführung an der 2. Internationalen Miscanthus-Tagung im August 2002 in Bonn und der kurz darauf erfolgten Preisverleihung an Dr. Pude für sein Chinaschilf-Projekt auf dem 8. NRW-Hanftag unter dem Motto “Bauen mit Holz, Hanf und Co.” wollte nova nun erfahren, wie es mit dem nachwachsenden Rohstoff in Deutschland weiter geht. Herr Dr. Pude war so freundlich, unsere Fragen hierzu sehr umfassend zu beantworten.

nova: Welche Trends / Entwicklungen erwarten Sie hinsichtlich des nachwachsenden Rohstoffs Miscanthus?

Dr. Pude: Es werden 2003 sowohl die energetische als auch die stoffliche Nutzung von Miscanthus intensiver erforscht. Bei der energetischen Verwendung wird die Pelletierfähigkeit sowie die Brenneigenschaften von Miscanthus an verschiedenen Forschungseinrichtungen, in NRW an der FH Köln / Haus Düsse, genauer analysiert.

Bei der stofflichen Nutzung werden zwei Wege stärker beschritten: Zum einen die Herstellung und Vermarktung von Einstreu (Pferde, Kleintiere), wo die hervorragende Wasseraufnahme von gehäckseltem bzw. pelletiertem Miscanthus einen großen Vorteil darstellt. Zum anderen wird die Baustoffnutzung intensiv erforscht, hier spielt insbesondere der hohe Siliziumgehalt von Miscanthus für die Festigkeit der Baustoffe eine große Rolle.

Grundlage für diese verschiedenen Verwendungsrichtungen ist aber auch die Auswahl geeigneter Miscanthus-Genotypen. Es könnte fatale Folgen haben, nur einen Miscanthus-Typ zu pflanzen (siehe Negativ-Erfahrung mit Bambus). An der Universität Bonn werden daher seit zwei Jahren die Eigenschaften ausgewählter Genotypen für die vielfältigen Verwertungsmöglichkeiten genau untersucht.

nova: Welche Produkte / Anwendungen können sich Ihrer Meinung nach in diesem Jahr für Miscanthus massgeblich durchsetzen bzw. Marktreife erlangen?

Dr. Pude: In der Schweiz ist die Umsetzung dieser Forschungsergebnisse in die Praxis bereits erfolgt. Erste größere Bauvorhaben sollen dort nun mit Miscanthus entstehen. Auch in NRW wurden vielversprechende Gespräche geführt. In Bayern hat die Verwendung als Einstreu bereits Marktreife erreicht, dies wird nun auch in Rheinland-Pfalz forciert.

nova: Sollen die Anbauflächen für Miscanthus in 2003 in Deutschland/EU ausgeweitet werden?

Dr. Pude: Auf der 2. Internationalen Miscanthus-Tagung im August 2002 in Bonn konnte festgestellt werden, dass die Anbaufläche von Miscanthus in Deutschland von bisher nur ca. 170 ha besonders in Bayern, Rheinland Pfalz und in Nordrhein Westfalen teilweise deutlich zunehmen wird. In der Schweiz sollen die Flächen von derzeit 300 ha in den kommenden Jahren auf etwa 3.000 ha erweitert werden. Dies ist für die Landwirte aufgrund von besonderen Zuschüssen lukrativ. In England, wo Miscanthus als Einstreu und in zunehmendem Maße zur Energiegewinnung benötigt wird, strebt man dieses Jahr knapp 10.000 ha (!) an. Das erforderliche Pflanzgut wurde bereits in Deutschland bestellt.

nova: Herr Dr. Pude, vielen Dank für die ausführlichen Antworten!

Rückfragen an:
Dr. Ralf Pude
Institut für Obstbau und Gemüsebau
Arbeitsgruppe Nachw. Rohstoffe und Arzneipflanzen
Auf dem Hügel 6
D-53121 Bonn
Tel.: 0228-73-2879
Fax: 0228-73-5764
E-Mail: r.pude@miscanthus.de
Internet: www.miscanthus.de

(Vgl. Meldungen vom 2002-09-13 und 2002-09-02.)

Source: E-Mail-Interview mit Dr. Pude vom 2003-01-16.

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