1 Dezember 2006

nova-Institut: Studie zum Einsatz von Naturfasern in Verbundwerkstoffen für die Automobilproduktion in Deutschland

Seit 1996 erhebt das nova-Institut Daten zum Einsatz von Naturfasern (NF) in der Automobilproduktion in Deutschland. In einer umfassenden Recherche per E-Mail-Fragebogen und Telefoninterviews wurden im Sommerhalbjahr 2006 die Daten für die Jahre 2004 und 2005 erhoben.

Dabei standen wie in den Vorjahren die Angaben der in Deutschland tätigen Zulieferer im Fokus, die fast vollständig erhoben werden konnten. Zusätzliche exemplarische Befragungen von Mitarbeitern der Automobilkonzerne, NF-Mattenproduzenten, Maschinenbauer und Rohstofflieferanten dienten zur weiteren Absicherung der Daten. Jetzt wurden die Ergebnisse der Erhebung in einer Studie veröffentlicht.

Nur noch abgeschwächtes Wachstum in den letzten zwei Jahren – neue Produktionsverfahren treten in Erscheinung

Es zeigt sich, dass der Einsatz von Naturfasern (NF) in der Automobilproduktion in Deutschland auch in den Jahren 2004 und 2005 weiter zugenommen hat – wenn auch nur noch mit abgeschwächten Wachstumsraten von unter 3%. Dieses Wachstum basiert primär auf dem wachsenden Einsatz der – für Naturfasern neuen – Verfahren Fließpressen und Spritzgießen, während das etablierte Formpressen stagniert.

Im Jahr 2005 fanden erstmalig 19.000 t Naturfasern (ohne Holz und Baumwolle) ihre Anwendung in automobilen Verbundwerkstoffen. Gleichzeitig haben sich die Anteile der eingesetzten Naturfasern verändert. Während die exotischen Naturfasern – Jute & Kenaf, Sisal, Kokos und Abaca – zwischen den Jahren 2000 und 2003 prozentual (und auch absolut) erheblich zulegen konnten, trat seitdem eine Stagnation ein.

Dies steht im direkten Zusammenhang mit den Preisen europäischer Flachsfasern, die im selben Zeitraum relativ hoch lagen und erst seit 2004 wieder sinken; gleichzeitig kam es in den letzten Jahren zu deutlichen Preiserhöhungen für Jute und Kenaf auf dem Weltmarkt. Entsprechend konnte Flachs seine Marktposition in den Jahren 2004 und 2005 wieder ausbauen. Die Anteile von Hanf sind vor allem durch das knappe Angebot bestimmt. Durch den Ausfall eines großen Produzenten ging der Einsatz im Jahr 2004 zurück, um sich dann wieder zu erholen.

Aussicht auf die zukünftige Entwicklung

In Bezug auf die zukünftige Marktentwicklung naturfaserverstärkter Verbundwerkstoffe gibt es aktuell keinen eindeutigen Trend. Die Einschätzungen gehen in der Automobilbranche weit auseinander. So gibt es sowohl Meinungen, dass die Naturfasern ihren Peak bereits überschritten haben und ihre Anwendungen zurück gehen werden, als auch Meinungen, die eine Stabilisierung mit (leichtem) Marktwachstums und mittelfristig interessanten Potenzialen sehen. “Keine klare Richtung für NF-Werkstoffe: Erfolge in der Vergangenheit, aktuelles Schwächeln und eine interessante Zukunft” – so fasste ein Insider die aktuelle Situation im Sommer 2006 zusammen.

Die komplette frei verfügbare Fassung der Studie (12 Seiten, pdf, 1,2 MB) steht zum Download zur Verfügung:
Einsatz von Naturfasern in Verbundwerkstoffen für die Automobilproduktion in Deutschland von 1999 bis 2005

Source: nova-Institut vom 2006-11-30.

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