9 Juni 2008

nova-Buchbesprechung: Stoffliche Nutzung von Baumrinde

Entwicklung von Verfahren zur Herstellung von Dämm- und Werkstoffen aus Fichtenrinde bei Verzicht auf synthetische Bindemittel

Im Rahmen der Holznutzung fallen allein in Deutschland jährlich zirka 4 Mio. m3 Rinde an. Davon können 1 – 1,5 Mio. m3 als technisch verfügbar angesehen werden. Weltweit werden pro Jahr etwa 140-170 Mio. m3 Rinde veranschlagt, wenn man einen durchschnittlichen Rindenanteil von etwa 10% zugrunde legt. Dies war Christian Warnecke Grund genug, die Nutzung dieses Rohstoffs, besonders seine Potenziale in der stofflichen Nutzung, im Rahmen eines Promotionsthemas umfassend darzustellen.

Baumrinde_Cover1.jpgNach allgemeinen Einführungen konzentriert Warnecke seine Untersuchungen auf drei Produktgruppen aus heimischer Fichtenrinde:

  • Werkstoffe mit guter Dämmwirkung (Produktgruppe 1, Rindenplatten),
  • Rindengranulat bzw. Rindenpellets (Produktgruppe 2, Schüttdämmstoff) und
  • Werkstoffe mit hoher Festigkeit und Oberflächengüte (Produktgruppe 3, Dekorative Werkstoffe).

Warnecke legt bei allen Produktgruppen großen Wert auf den Verzicht auf synthetische Bindemittel, um einen “wohngesunden”, ausschließlich biobasierten Baustoff zu erhalten. Er vergleicht die Versuchsergebnisse mit bestehenden, eingeführten Produkten aus Kork und kommt letztendlich zu dem Fazit: “Die prinzipielle Machbarkeit von Dämm- und Werkstoffen aus dem nachwachsenden Rohstoff Fichtenrinde, aber auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Produkte, ist mit dieser Arbeit belegt.”

Klappentext
Der anhaltende Trend zur nachhaltigen und ressourcenschonenden stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe wird dazu führen, das bislang kaum – und wenn, dann nur mit geringer Wertschöpfung – genutzte Potenzial der Baumrinden auszuschöpfen.

Allein in Deutschland fallen jährlich im Rahmen der Holznutzung viele Millionen Kubikmeter Baumrinde an. Die traditionellen Formen der Nutzung können kaum weiter ausgebaut werden: Die Lederindustrie nutzt synthetische Gerbstoffe, der Einsatz als Kompost oder Rindenmulch ist wegen des Stoffinventars begrenzt, die Verbrennung ist ebenfalls wegen der Inhaltsstoffe keine Allzwecklösung.

Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit stofflichen Nutzungsformen. Hierbei wird auf den Einsatz synthetischer Bindemittel verzichtet. Durch geeignete verfahrenstechnische Operationen wird Rinde in einen Grundstoff überführt, aus dem drei verschiedene Produktgruppen mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften unter Bewahrung der Syntheseleistungder Natur mit bewährten Agglomerationsmethoden hergestellt werden können.

Inhaltsverzeichnis

  • Stand der Erkenntnisse
    • Biologie und Eigenschaften der Fichtenrinde
    • Allgemeine Eigenschaften von Baumrinden
    • Ausgewählte Analysenwerte von Fichtenrinde
    • Extraktionsverhalten der Fichtenrinde
    • Verfahrenstechnische Grundoperationen und Wirkprinzipien
    • Bindekräfte und Bindemechanismen
  • Produktgruppe 1
  • Produktgruppe 2
  • Produktgruppe 3
  • Zusammenstellung der erzielten Produktqualitäten und Vergleich mit den selbst gestellten Zielen
  • Wirtschaftliche Betrachtung ausgewählter Verfahren
    • Kostenabschätzung für Rindenpellets
    • Kostenabschätzung für feste Rindenwerkstoffe
  • Thesenhafte Zusammenfassung und wissenschaftliche Erkenntnisse nach der Arbeit

Zum Autor
Die vorliegende Arbeit entstand als Promotionsarbeit von Dr.-Ing. Christian Warnecke (Jahrgang 1979) während seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Agglomerationstechnik und Luftreinhaltung der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (2003-2006). Warnecke arbeitet heute in einem Ingenieurbüro.

Bibliographische Angaben
Christian Warnecke: Stoffliche Nutzung von Baumrinde

  • 200 Seiten, broschiert
  • Verlag: Vdm Verlag Dr. Müller
  • Erscheinungsjahr: (April) 2008
  • ISBN-10: 3639002377
  • ISBN-13: 978-3-639-00237-9

Die Publikation ist über den Buchhandel zum Preis von 68,00 Euro erhältlich.

(Vgl. Meldungen vom 2005-10-12, 2005-03-15 und 2003-01-29, zur energetischen Nutzung von Baumrinde vgl. Meldungen 2006-11-10 und 2006-03-21.)

Source: Verlag Dr. Müller VDM, 2008-05-26.

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