5 April 2010

nova-Buchbesprechung: Anbausysteme für Energiepflanzen

Optimierte Fruchtfolgen & effiziente Lösungen

Die Wunschliste für den Energiepflanzenbau der Zukunft, der die rapide wachsende Anzahl an Biogasanlagen versorgen soll, ist lang: Weniger Biogasmais in der Fruchtfolge, mehr Vielfalt auf dem Acker, erhöhte Biomasseerträge von der Fläche, effiziente Anbau-, Ermte-, Konservierungs und Nutzungsverfahren, nährstofferhaltende Ausbringung der Gärreste und dabei positive Ergebnisse in puncto Humusbilanz, Klimawirkung, Biodiversität und Landschaftsästhetik. Der Sammelband “Anbausysteme für Energiepflanzen” fasst den Stand von landwirtschaftlichem Versuchswesen und angewandter Agrarforschung in Deutschland zusammen.

Anbausysteme-Energiepflanzen_dlg-verlag.jpgAuf vielen Standorten wird mit Mais auf absehbare Zeit auch weiterhin das kostengünstigste Substrat für Biogasanlagen erzeugt werden können. Zahlreiche Alternativen jedoch sind je nach Standort, Voraussetzungen und Rahmenbedingungen geeignete Ergänzungen oder Ersatzfrüchte. So bilden Ganzpflanzensilage aus Getreidepflanzen, Grasschnitt oder Zuckerrüben bereits jetzt die Basis der Energieerzeugung in einer Reihe von Anlagen. Neue Enrgiepflanzen – viele von ihnen bereits früher als Futterpflanzen angebaut – müssen für einen ertragssicheren Praxiseinsatz noch weiter getestet oder auch züchterisch bearbeitet werden.

Mit diesem 336 Seiten starken Werk – aufwändig komplett in Farbe veröffentlicht – bietet die Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) unter anderem dem komplexen länderübergreifenden Verbundprojekt “Entwicklung und Vergleich von optimierten Anbausystemen für die landwirtschaftliche Produktion von Energiepflanzen unter den verschiedenen Standortbedingungen Deutschlands” (EVA) eine Plattform, um die komplexen Ergebnisse der mehrjährgen Versuchsreihen einem breiten Publikum darzustellen. Weitere Versuche vor allem der Landesanstalten fließen in die Darstellung ein. Neben pflanzenbaulichen Fragestellungen werden rechtliche und politische Ramenbedingungen sowie die ökologische Bewertung angesprochen. Ökonomische Aspekte stehen vor allem unter dem Vorzeichen der Flächenkonkurrenz und werden meist im Vergleich konkurrierender Substrate (Referenz: Mais) oder konkurrierender Nutzungsformen (z.B. bei Gras: Mulchen) dargestellt.

Deutlich wird: Der Energiepflanzenbau für Biogasanlagen ist ein zu junges Feld, um in einem klassischen Lehrbuch abgebildet zu werden. Zwischenzeitlich bietet dieser Band Informationen in Fülle, um in der Beratung oder von spezialisierten Ackerbauern immer wieder zur Hand genommen zu werden.

Buchvorstellung des Verlags
Anbau und Verwertung nachwachsender Rohstoffe haben sich als Einkommens- und Energiequelle für den ländlichen Raum etabliert. Die Nutzung von Biogas in der Energieerzeugung wird in der Zukunft eine noch wichtigere Funktion einnehmen: Aus ökologischen und ökonomischen Gründen wird man auf diese neue Technologe nicht verzichten können.

Allerdings stellt sich die Frage, welche Einsatzstoffe künftig bevorzugt in Biogasanlagen genutzt werden. Für den Einsatz steht u.a. ein weites Spektrum potenziell geeigneter Pflanzen zur Verfügung. Deren richtige Auswahl, Anbau, Ernte, Transport und Lagerung müssen nach vertretbaren betriebswirtschaftlichen und umweltgerechten Gesichtspunkten erfolgen.

Biomasseerzeuger haben immer höhere Ansprüche an optimierte Fruchtfolgen, um sicher und preiswert Biomasse und damit eine hohe Gasausbeute zu erzeugen. Regional wird dieses Ziel mit unterschiedlichen Kulturarten, Sortenmischungen und Fruchtfolgen erreicht. Je nach Standort erbringen Mais oder Getreide-GPS, Zweifruchtnutzungen, eine Kombination aus mehreren Kulturarten oder diversen Sorten effiziente Lösungen. Heutige Energieerzeuger legen großen Wert auf robuste Pflanzen mit angepasster Abreife und hervorragenden Zellwandverdaulichkeiten, benötigen aber auch maximale Flexibilität und ideale Partner für verschiedene Früchte.

Das Handbuch zeigt die Möglichkeiten der optimalen Artenwahl und deren Einordnung in Fruchtfolgen, indem es erklärt, welche Frucht auf welchem Standort regionale Wasser- und Nährstoffvorräte ausnutzt. Darüber hinaus gibt es Empfehlungen, wie die Logistik im Betrieb, Erntezeitpunkt, Transport und Silierverfahren zu optimieren sind. Wie sind Energiepflanzen in den Betriebsablauf einzuordnen? Wie erfolgt eine optimale Gärrestverwertung, damit diese zu einer ausgeglichenen Nährstoff- und Humusbilanz führt? Nicht zu kurz kommen die rechtlichen Rahmenbedingungen, damit auch in Zukunft die Biogasanlage das Betriebsergebnis positiv beeinflussen kann. Auch ökologische Aspekte finden Berücksichtigung.

Das Buch vermittelt Denkanstöße, vor allem aber praktische Hinweise für einen effizienten und umweltgerechten Energiepflanzenanbau. Es wendet sich damit v.a. an Praktiker und Berater.

Inhalt

  • Klimapolitik und Bioenergieerzeugung
  • Grundlagen der Biogaserzeugung und des Aufbaus einer Biogasanlage
  • Anforderungen an die Substrate
  • Produktionstechnik (Einfluss von Klima und Boden, Fruchtarten)
  • Ernte, Transport, Silierung und Lagerung
  • Anbausysteme für Energiepflanzen (Fruchtfolgen, Pflanzenschutz, Beregnung)
  • Gärresteanfall und Verwertung inkl. rechtl. Einordnung
  • Ökologische Bewertung
  • Ökonomie (Wirtschaftlichkeit, Flächenkonkurrenz, Logistikkosten, Betriebszweiganalyse)
  • Rechtliche Rahmenbedingungen für Genehmigung, Errichtung und Betrieb von Biogasanlagen
  • Perspektiven und politische Rahmenbedingungen

Bibliographische Angaben
Armin Vetter, Monika Heiermann u. Thore Toews (Hrsg.): Anbausysteme für Energiepflanzen – Optimierte Fruchtfolgen, effiziente Lösungen. 1. Aufl. 2009, 336 Seiten, ISBN 978-3-7690-0701-5, € 29,90.

Source: DLG-Verlag, 2010-02-15.

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