12 Februar 2008

nova-Bericht: Volvo SportsDesign Forum im Rahmen der ISPO

In Zeiten von Ökologie und Nachhaltigkeit sind auch bei Sportartikeln Holz und Biokunststoffe (wieder) gefragt

Auf dem 7. Volvo SportsDesign Forum 2008 präsentierten sich am 29. Januar 2008 während der Sportfachmesse ispo internationale Experten und Redner zum Themenfeld EcoDesign – Form follows Sustainability; die Sportindustrie entdeckt den Trend zur Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit.

“There is no business to be done on a dead planet!” – Dieser lakonische Ausspruch von Rick Ridgeway, Vice-President von Patagonia, auf dem vorjährigen VOLVO SportsDesign FORUM 2007, drückte die Dringlichkeit aus, mit der Themen wie nachhaltige Entwicklung sowie umwelt- und sozialverträgliche Produktion von Waren und Gütern vorangetrieben werden müssen.

Powderdevil_kl.jpgÖkologie, Ökonomie und soziale Aspekte miteinander in Einklang zu bringen – das wird ein Hauptaugenmerk für die Gestaltung und Herstellung von Produkten der Zukunft sein, die gesundheitsverträglich, langlebig, reparierbar, wieder verwendbar, demontierbar, recyclingfähig und schadlos zu beseitigen sein sollen. Ob bei Lebensmitteln, Autos, Bekleidung oder Möbeln: Aus “Alternativ” wird “Avantgarde”, der Verkauf von Sportbekleidung aus wieder verwendbaren und ökologischen Materialien wird immer mehr für die Industrie ein Thema.

Ausgewählte Fachvorträge, Podiumsdiskussionen, Workshops und Ausstellungen informierten die Fachbesucher jetzt in München gezielt über Trends bei Design und Materialien, Marketingstrategien und Zukunftsvisionen von ökologisch hergestellten Sportartikeln und Sportmode. Die Resonanz auf das Forum war enorm: Hunderte interessierte Zuhörer fanden sich im Kongresszentrum ICM der Messe München ein. Große Nachfrage erfuhr die gemeinsam von Material ConneXion Cologne und dem nova-Institut realisierte Ausstellung zum Thema “Werkstoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen”. Hier standen Wood-Plastic-Composites, Biokunststoffe und Naturfasern im Fokus. Im angeschlossenen Design-Workshop konnten insgesamt 50 (Nachwuchs-)Designer ihren Gestaltungsideen zu den insgesamt noch wenig beachteten Biowerkstoffen freien Lauf lassen.

Ausgewählte Statements
Mathilda Tham, Moderatorin der Veranstaltung, Expertin und Professorin für Mode und EcoDesign erläuterte mit ihrer Keynote in der Eröffnungsrede die Definition von ökologischem Design. “Höchste Funktionalität, herausragendes Design, nachhaltige Qualität und bezahlbare Preise sind die größten Herausforderungen für Hersteller und Designer. “Sie können nur mit dem relevanten Wissen und Kompetenz gemeistert werden. Die Sport- und die Modeindustrie ist dabei am Anfang und auf dem richtigen Weg”, so Mathilda Tham.

Stefan Jansson, Jonathan Disley, beides Volvo Designer und Niklas Gustavsson, Volvo Experte für Umwelt und Nachhaltigkeit sind als Team stets gefordert in vielen Aspekten weit in die Zukunft zu blicken und gaben auf der Bühne spannende Einblicke in ihre Ideen und Visionen über das Design der Zukunft.

Dr. Georg Bauer von Atomic/Amer Sports beschrieb den Weg des Programms “We care” von der Zielformulierung des Managements ökologische Verantwortung zu übernehmen und die CO2-Bilanz bei allen Produkten zu verbessern über Analysephase, gemeisterte Herausforderungen und erzielte Ergebnisse in Hinblick auf Profitabilität, Ökologie und Produktionsethik.

Dr. Michael Braungart, Visionär, Materialspezialist, Umweltexperte erklärte seine Vision von “Cradle to Cradle”, mit der er ein System für intelligente Produkte mit einer ökologischen-, sozialen und wirtschaftlichen Dimension entwickelt hat. Ähnlich wie im Dematerialisierungsansatz unterwirft Braungart die Dinge einer genauen Stoffstromanalyse.

Peter Waeber, bluesign, Jill Dumain, Patagonia, Dr. Ali Ansari, Akademieleiter AMD sowie Umweltexpertin Ursula Tischner, econcept, zeigten in einem ecodesign lab live auf der Bühne wie durch Analyse der Produktionskette ökologisch intelligente Sportbekleidung hergestellt werden können. Dabei präsentierte bluesign erstmals den bluefinder™, eine innovative Datenbankanwendung für die Textilindustrie zur Recherche umweltschonender Komponenten und Materialien.

Verleihung des 4. Volvo SportDesign Award 2008 – “EcoDesign – Form follows Sustanability”
Am Abend des 29.01.08 wurden im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung die Gewinner des Volvo SportsDesign Award 2008 zum Thema “EcoDesign – Form follows Sustainability” gekürt. Teilnehmer aus Frankreich, Italien, Österreich, Deutschland, Schweden und USA zählten zu den Preisträgern. Über 300 namhafte internationale Unternehmen und Designer hatten sich mit ihren Arbeiten um den bedeutendsten Preis für SportsDesign mit innovativen Konzepten zum Thema EcoDesign beworben.

Die Gewinner des Volvo SportsDesign Award 2008 “EcoDesign”

  • Outdoor Equipment: Nextec srl., OutDry® Membransystem zur Wasserdichtung von Schuhen, Italien
  • Ski Equipment: Grown Skis, Holzski, Deutschland
  • Board Equipment: Amer-Salomon, Salomon Snowboards, SickStick, Frankreich
  • Apparel: Klättermusen, Einride Jacket, Schweden
  • Wheelers: Essedum, Cycle Caddy Streitwagen, Deutschland
  • Accessoires: Plantaplast, BioGolfTee, Österreich
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  • Concepts: Max Koriath, schöner bootfahren, Weissensee School of Art Berlin, Deutschland
  • Sonderpreis “EcoBrand of the Year”: Patagonia, USA

Resumée
Anhand der Vorträge und der Preisgewinner wird deutlich: Es genügt nicht allein, einen ökologischen Werkstoff (z.B. Holz oder Biokunststoff) einzusetzen, vielmehr müssen auch die Produktionsbedingungen optimiert werden und Lösungskonzepte zur Verwertung nach Ablauf der Lebenszeit existieren: GrownSkis beispielsweise setzt nach eigenen Angaben in der Fertigung der Holz-Ski nur “Grüne Energie” ein, verzichtet auf Glasfasern und auf alle dekorativ eingesetzten Kunststoffe und -folien und schlägt als Zweitnutzung die Verwendung für Bettgestelle vor.

Die Hersteller haben den Zeitgeist erkannt. Das Thema Nachhaltigkeit besitzt für die Sportartikelindustrie und SportsDesign eine hohe Relevanz. Es werden vermehrt recycelbare und natürliche Materialien eingesetzt ohne dabei deren Funktionalität aus dem Auge zu verlieren. Bei der Produktion von Sportartikeln wie Skiern und Snowboards ist die Entwicklung sehr erfreulich. Die Rückbesinnung auf den Einsatz von Naturmaterialien wie Holz oder schnell nachwachsendem Bambus etabliert sich im Markt. Auch der Einsatz von natürlichen und vollständig abbaubaren Werkstoffen, wie etwa Weizenstärke, wird immer mehr Nachahmer finden.

Mit der Ausarbeitung und Veröffentlichung der neuen EcoDesign-Richtlinien für ökologisch nachhaltiges Design durch den Rat für Formgebung ist ein großes Ziel erreicht worden. Designer haben jetzt eine klare Orientierungshilfe und können sich mit den Umwelt- und Materialspezialisten auf den ökologischen Weg zu einem besseren Design machen, das schön ist, die Umwelt schont und gleichzeitig gut für Gewissen und Gesundheit des Konsumenten ist. “Die Sensibilität gegenüber Umwelt- und Gesundheitsthemen nimmt zu.

Bei SportsDesign bedeute Nachhaltigkeit eine Ressourcen schonende Herstellung, eine lange Haltbarkeit und die Möglichkeit der Wiederverwertung zusammen mit einem formschönen ansprechenden Design”, so Andrej Kupetz, Geschäftsführer des Rat für Formgebung. “Die Nachfrage der Verbraucher nach ökologisch bewussten Produkten ist eine große Chance und Herausforderung für Designer und Produktentwickler, in der Sportartikelindustrie verstärkt wieder verwendbare und ökologische Materialien einzusetzen”, erklärte Veranstalter Tobias Gröber, Leiter ispo Group.

Weitere Informationen zum Volvo SportsDesign Forum finden Sie unter www.ispo-sportsdesign.com.

Die Pressemitteilung zur Veranstaltung ist hier als PDF hinterlegt; Hintergrundinformationen zur Veranstaltung finden Sie hier (PDF).

(Vgl. Meldungen vom 2008-01-28, 2007-03-10 und 2005-10-20.)

Source: Volvo SportsDesign Forum, 2008-01-30.

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