26 Mai 2008

nova-Bericht: Sonderschau “Bioplastics in Packaging”

Biokunststoffbranche präsentiert sich mit fast 40 Ausstellern auf der Interpack 2008 – starkes Wachstum gegenüber 2005

interpack1.jpgDie vom Industrieverband European Bioplastics und der Verpackungsmesse Interpack gemeinsam veranstaltete Sonderschau “Bioplastics in Packaging” vom 24. bis 30. April 2008 verschaffte zahlreichen Besuchern in Düsseldorf einen hervorragenden Überblick über die Entwicklungen und Trends innerhalb der Biokunststoffbranche. Rund 40 Aussteller präsentierten auf ca. 1.000 m2 ihre Produkte und Dienstleistungen. Die Verdreifachung der Ausstellungsfläche sowie die fast verdoppelte Ausstelleranzahl gegenüber der letzten Interpack im Jahr 2005 verdeutlichte die Expansions- und Zukunftsperspektiven dieser Branche.

Neue Highlights und Anwendungsgebiete
interpack2.jpgAuf der Sonderschaufläche wurden einige neue Anwendungsgebiete für Biokunststoffe präsentiert: So hat Tianan Biologic auf Grundlage von PHBV Badutensilien entwickelt, die in Kürze auf dem deutschen Markt erhältlich sein werden, beispielsweise Zahnbürstenhalter oder Seifenspender. Nach Ablauf der Gebrauchsdauer sind diese unter definierten Bedingungen vollständig biologisch abbaubar. Innerhalb des Jahres 2007 verdoppelte die Firma ihre PHBV-Produktion von 1.000 auf 2.000 t am Standort in Ningbo, China. In weiteren Schritten soll die Produktion bis 2011 auf 50.000 t ausgebaut werden, so die Firmenaussage.

Die FKuR Kunststoff GmbH in Willich hat in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut UMSICHT in Oberhausen eine lichtdurchlässige, kompostierbare PLA-Mischung für Folienapplikationen entwickelt: Bio-Flex 467F. Die Besonderheiten dieser Entwicklung sind die hohe mechanische Widerstandsfähigkeit sowie eine erhöhte Dehnbarkeit. Durch die Möglichkeit der Co-Extrusion mit anderen Bio-Flex-Werkstoffen kann es zu hervorragenden Materialverbunden kommen, die beispielsweise für Gefrierverpackungen genutzt werden können.

Einen Biokunststoff für Lebensmittelverpackungen, bestehend aus drei Schichten, hat nun die maag GmbH aus Iserlohn im Programm. Die äußere Schicht besteht aus Temperatur stabiler NatureFlex NVR, während die mittlere Schicht aus Stärke produziert wird. Der innere Film wird schließlich aus Ceramis (SiOx) beschichteter PLA-Folie hergestellt, so dass die jeweilige Schicht perfekt an die jeweiligen Gegebenheiten und Bedürfnissen angepasst ist. Dieser neuartige Werkstoff wurde zusammen mit BAM consulting entwickelt.

Neue Kapazitäten
Die Stimmung innerhalb der Biokunststoff-Branche ist durchweg positiv, wie sich in vielen Fachgesprächen bestätigte; demnach planen einige Ausstellerfirmen in den nächsten Jahren eine erhebliche Steigerung ihrer Produktion. Beispielsweise beabsichtigt die Firma Biostarch aus Singapur, ihre Produktion von biologisch-abbaubarer Biopolymer-Folie, zum Großteil auf Maisstärke basierend, von heute 50 t innerhalb der nächsten sechs Monate auf 1.000 t auszubauen. Biostarch produziert vor allem Einkaufstaschen und Folien für den Einzelhandel und die Verpackungsindustrie.

Des Weiteren ist die australische Firma Plantic Technologies dabei, in Thüringen eine neue Anlage für die Produktion stärkebasierter Biokunststoffe zu bauen. “Die derzeit in Australien produzierten 1.500 t reichen nicht aus für den sich ausweitenden europäischen und amerikanischen Markt”, so Plantic Technologies. Zudem sei der australische Markt bereits gesättigt, was die Ausweitung des Absatzmarktes ohnehin erforderlich mache. Die neue Anlage ist explizit für die Märkte in Europa und den USA bestimmt und soll eine Kapazität von 5.000 t erreichen. Zu den Produkten der Firma gehören unter anderem Lebensmittelverpackungen und –folien auf Basis von Maisstärke.

Aber auch die schon vorhandenen Standorte innerhalb Europas verfügen über ein hohes Expansionspotenzial: So werden von der niederländischen Firma Rodenburg Biopolymers derzeit ca. 4.000 t biologisch-abbaubarer Biokunststoffe hergestellt. “Diese Produktion kann auf bis zu 40.000 t ausgebaut werden”, so die Aussage eines Firmenmitarbeiters. Die Produkte der dort hergestellten Biokunststoffe reichen ganz konkret von Blumentöpfen über Bumerangs bis hin zu Sprinkleranlagen für Straßenreinigungsfahrzeuge und weiteren, dauerhaften Produkten.

DuPont Awards for Packaging Innovation gehen an Biokunststoffe
Ohne_Titel_4.jpgDu Pont stellte die sieben Gewinner sowie drei weitere innovative Ideen des “20. DuPont Awards for Packaging Innovation” vor. Dazu zählen unter anderem biologisch-abbaubare Weichverpackungen für Lebensmittel (Alcan Packaging), neue Kosmetikverpackungen auf Basis von PLA (Nature Works LLC) sowie gepresste Obst-Verpackungsschalen aus Palmfasern (EarthCycleTM) mit Biofolie (Innovia Films), die normalerweise als Restprodukt verbrannt worden wären.

Insgesamt waren Hersteller aus einer Vielzahl von Nationen bei der diesjährigen Messe vertreten: Arkhe Will Co. aus Japan, Novamont aus Italien, Mirel aus den USA oder Permapack aus der Schweiz, um nur eine Auswahl zu nennen, nutzten die Gelegenheit, um sich auf der Messe zu präsentieren und neue Kontakte zu knüpfen.

Laut einer Umfrage des Industrieverbandes European Bioplastics waren 96% der Aussteller zufrieden mit der Messe und der Großteil will auch in drei Jahren wieder dabei sein. Somit kann man sich anhand dieser deutlich sichtbaren Aufbruchstimmung der Branche auf eine weiter wachsende Ausstelleranzahl und -fläche für Biokunststoff-Verpackungen auf der nächsten Interpack (und auf eine weitere Belebung des Marktes insgesamt) freuen.

(Vgl. Meldungen vom 2008-03-10 und 2008-03-06.)

Source: nova-Institut GmbH, Eigenrecherche, 2008-05-08.

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