19 August 2009

nova-Bericht Naturfasern: Schäben im Aufwind

Kurzfasern preisstabil – Pleite bei Nesselfasern – weniger Baumwolle

Die einheimischen Hanf- und Flachs-Kurzfasern bleiben preisstabil. Die Ernte läuft gerade, Erntemengen und sich daraus entwickelnde Preisgefüge können Anbauer und Verarbeiter noch nicht abschätzen.

Große Ausschläge sind auch weiterhin nicht zu erwarten – die Preise für die industriell genutzten Fasern bewegen sich in einem engen Korridor, der nach unten von den Produktionskosten der Landwirte und nach oben vom Preis der konkurrierenden exotischen Fasern wie Abaca und Jute begrenzt wird. Die europaweite Verfügbarkeit der Fasern ist ohne Einschränkungen gegeben. Verwendung finden die Kurzfasern bisher vor allem als Verstärkung in Verbundwerkstoffen, in der Automobilindustrie, als Rohstoff für Spezialpapiere und für Naturdämmstoffe. Die Vorteile und Einsatzmöglichkeiten der Hanffaser fasst eine aktuelle Broschüre zusammen, die bei der European Industrial Hemp Association (EIHA e.V.) erhältlich ist. Potenzielle Abnehmer erhalten damit auch einen Überblick der europäischen Produzenten.

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Schäben
Lange Zeit waren die Schäben – holzige Kleinteile, die bei Verarbeitung anfallen, – ein schwierig zu vermarktendes Problemprodukt der Faserhersteller. Inzwischen hat dieses Koppelprodukt einen stabilen Markt als Einstreu und Baustoff erobert. Bei Hemp Technology Ltd (ehemals Hemcore), dem führenden Hanfverarbeiter in Großbritannien, waren die schlichten Pflanzenbruchstücke entscheidend für die Übernahme des Unternehmens durch die Lime Technology Ltd, einem führenden Hersteller kalkbasierter Baustoffe, im Juli 2009. Der Baustoffhersteller sichert sich so den Rohstoff für den ökologischen Baustoff “Hemcrete” aus Hanfschäben und Kalk. Ein Grund für die insgesamt verstärkte Nachfrage bei Hanfschäben ist, dass die Preise für alternative Einstreumaterialien wie Sägespäne durch die energetische Nutzung (Pellets!) stark angezogen haben.

Fasernessel
Vor allem für Textilien verwendet werden die Produkte einer weiteren einheimischen Faserpflanze, der Brennnessel. Ob der Anbau der auch Fasernessel genannten Sorten in Deutschland Zukunft hat, ist nach der Insolvenz der Stoffkontor Kranz AG im Juni 2009 allerdings offen. Der einzige Verarbeiter dieser Nesselfasern hat nach 18 Jahren den Betrieb eingestellt, rund dreißig Vertragslandwirte sind von der Insolvenz betroffen.

Baumwolle
Der traditionelle Platzhirsch unter den Naturfasern, die Baumwolle, erlebt ebenfalls turbulente Zeiten. Die weltweite Baumwollverarbeitungsmenge in diesem Jahr wird vom International Cotton Advisory Committee um 7% geringer als im Vorjahr erwartet. Diese Entwicklung wird zum einen getrieben durch den Rückgang der Verarbeitungsmenge Chinas, des größten Baumwollkonsumenten und –importeurs, um 10% gegenüber 2007/08. Zum anderen ist die Baumwoll-Anbaufläche in den USA nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums um fast 30% auf 3 Mio. ha eingebrochen, insbesondere in Folge der Konkurrenz zum Soja-Futtermittelanbau. Dies ist die niedrigste Fläche seit 1983. Weltweit wächst Baumwolle auf 2,5% der Ackerflächen, ihr Anbau verursacht eine hohe Umweltbelastung. So wird nach Angaben des Pestizid-Aktionsnetzwerks PAN rund ein Viertel aller ausgebrachten Insektizide alleine im Baumwollanbau verwendet.

Source: nova-Institut GmbH, Eigenrecherche, 2009-08.

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