1 Dezember 2003

Normung biogener Festbrennstoffe künftig ohne deutsche Interessenvertretung?

Der Ausbau der energetischen Nutzung von Biomasse ist im Sinne von Ressourcenschonung und Klimaschutz eines der wichtigen Ziele der Europäischen Union (EU). Für die Entwicklung eines für eine weitergehende Nutzung unbedingt notwendigen funktionierenden überregionalen Marktes für biogene Festbrennstoffe und deren umweltverträgliche Nutzung zur Energieerzeugung ist deren Normung von essenzieller Bedeutung.

Die EU hat daher das Europäische Komitee für Normung (CEN) mit der Erarbeitung von Normen für biogene Festbrennstoffe beauftragt. Im Jahr 2000 wurde deshalb in Stockholm das Technische Komitee “Solid Biofuels” (CEN-TC 335) gegründet. Entsprechend der identifizierten Normungs-Notwendigkeiten wurden innerhalb dieses Technischen Komitees 5 Arbeitsgruppen eingerichtet, in denen die jeweiligen Normen erarbeitet werden:

- Terminologie, Definition und Beschreibung (1 Norm)
- Brennstoffspezifikationen, -klassen und -qualitätssicherung (2 Normen)
- Probenahme und Probenreduktion (2 Normen)
- Physikalisch-mechanische Tests (10 Normen)
- Chemische Tests (9 Normen)

Über so genannte “Spiegelkomitees” werden die Normenvorschläge mit den Wirtschaftschaftsbeteiligten in den einzelnen CEN-Mitgliedsstaaten, zu denen auch Deutschland gehört, abgestimmt.

In Deutschland wurde hierfür am Deutschen Institut für Normung (DIN) der Normenausschuss NMP 582 “Feste Biobrennstoffe” eingerichtet. Hersteller von Maschinen zur Biobrennstoffbereitstellung und von Feuerungsanlagen, Brennstoffproduzenten und -händler sowie Anlagenbetreiber und weitere Wirtschaftsbeteiligte haben hier die Möglichkeit, ihre berechtigten kommerziellen Interessen einzubringen und über dieses Spiegelkomitee Einfluss auf die europäische Normensetzung zu nehmen.

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. hat die Vorbereitung und Durchführung der Normungsarbeiten in den vergangenen Jahren durch die anteilige finanzielle Förderung der EU-Projekte “Standardisation of Solid Biofuels in Europe” und “Pre-Normative Work on Sampling and Testing of Solid Biofuels for the Development of Quality Assurance Systems (BioNorm)” unterstützt und Experten wie Dr. Hans Hartmann, Technologie- und Förderzentrum Straubing, und Prof. Dr.-Ing. Martin Kaltschmitt, Institut für Energetik und Umwelt gGmbH, Leipzig, dadurch eine Mitarbeit im Normungsausschuss ermöglicht. Damit konnte sichergestellt werden, dass die Interessen der deutschen Biomasse-Industrie zumindest ansatzweise berücksichtigt werden.

Mit großem Bedauern wird daher die Mitteilung des DIN zur Kenntnis genommen, dass das o.g. nationale Spiegelkommitee voraussichtlich zum Jahresende 2003 die Arbeit – zumindest teilweise – wird einstellen müssen. Als Grund dafür wird die unzureichende finanzielle Unterstützung durch die Wirtschaftsbeteiligten – und damit die deutsche Biomasse-Industrie – angeführt.

Sollte sich hier in den kommenden Wochen keine Lösung ergeben, werden die Normen für biogene Festbrennstoffe zukünftig vollständig ohne deutsche Beteiligung und ohne Berücksichtigung der Interessen der deutschen Biomasse-Industrie erstellt. In Deutschland wird man sich dann den CEN-Normen, die formaljuristisch nach einer Annahme durch CEN auch für Deutschland bindend sind, fügen müssen. Es kann deshalb nicht ausgeschlossen werden, dass sich hieraus im wachsenden europäischen Biomasse- und Bioenergiemarkt Nachteile für den deutschen Biomasse-Brennstoffhandel und den entsprechenden Maschinen- und Anlagenbau ergeben.

Firmen und Verbände der deutschen Biomasse-Industrie sind daher – in ihrem eigenen Interesse – aufgerufen, den Normenausschuss “Feste Biobrennstoffe” finanziell zu unterstützen und darin aktiv mitzuwirken. Sollten sie dies nicht tun, ist zu erwarten, dass sich die Rahmenbedingungen, unter denen die deutsche Biomasse-Industrie agieren muss, weiter verschlechtern werden. Und dies sollte nicht im Sinne der deutschen Biomasse-Industrie sein.

Interessenten wenden sich bitte an den Vorsitzenden des Spiegelkomitees, Herrn Prof. Dr.-Ing. Martin Kaltschmitt (e-mail: [email protected]) oder Frau Dipl.-Ing. Margarete Otto vom DIN (e-mail: [email protected]).

Source: Pressemitteilung der FNR vom 2003-11-27.

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