16 November 2004

Norm für Rapsöl-Kraftstoff nimmt konkrete Formen an

Bericht von der 6. Tagung zur dezentralen Pflanzenölnutzung

Pflanzenölkraftstoff könnte mit der anstehenden Norm mehr Rückenwind bekommen, erwartet Dr. Edgar Remmele vom Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe in Freising. Wie Remmele auf der 6. Tagung zur dezentralen Pflanzenölnutzung in Aulendorf berichtete, ist bereits im Herbst 2003 ein Normungsausschuss zusammengetreten, dem Hersteller von Dieselmotoren und Landmaschinen, Umrüster, Hersteller und Händler von Rapsöl und Schmierstoffen sowie Behörden, Verbände und Forschungseinrichtungen angehören. Remmele wertet dieses als großen Erfolg, da bisher die Prozessbeteiligten im Bereich Pflanzenöl nicht an einem Tisch gesessen haben.

Zu der bis jetzt geleisteten Arbeit führt Remmele an, dass man sich auf “Rapsöl” anstatt “Pflanzenöl” als Normungsgegenstand geäußert hat. “Mit Raps liegen die meisten Erfahrungen hinsichtlich Herstellung und Qualität vor. Würde man dagegen Pflanzenöle allgemein normieren wollen, müsste die Norm auf sehr viele Pflanzenarten eingehen und entsprechend viele Grenzwerte und Prüfvorschriften enthalten”, begründet er diesen Schritt. Trotzdem sollen auch bei Raps nicht zu enge Grenzwerte festgeschrieben werden, weil sonst die Ölmüller mit den saisonal schwankenden Inhaltsstoffen im Naturprodukt Raps Probleme bekommen könnten. Mit der Entwurfs Norm V 61605 rechnet Remmele ab Februar 2005. Nach einem Jahr könnte sie dann in Kraft treten und den bisherigen RK-Qualitätsstandard ablösen.

Unterdessen steigt das Interesse an Pflanzenöl stetig. “Derzeit werden vor allem in Süddeutschland sehr viele dezentrale Ölmühlen gebaut, allein in Bayern ist die Zahl von 35 im Jahr 1999 auf gegenwärtig über 100 angestiegen”, zeigt Remmele die Entwicklung auf. Aber auch Baden-Württemberg mit 36 und Nordrhein-Westfalen mit 16 Ölmühlen gewinnen an Bedeutung. Er rät dringend dazu, dass sich die 219 dezentralen Ölmüller in Deutschland organisieren, damit es eine zentrale Anlaufstelle zur Informationsübermittlung gibt. “Ob Zollämter oder die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung: Immer wieder gibt es behördliche Informationen, deren Weiterleitung im Moment sehr schwierig ist.” Wie sehr die Mengenerfassung nötig ist, zeigen Zahlen über Biokraftstoffe in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung. “Dort wird von einem Verbrauch von 5.000 Tonnen Pflanzenöl im Jahr ausgegangen. Nach unseren Schätzungen dagegen sind es mindestens 28.000 Tonnen jährlich”, berichtet Remmele.

Er hofft daher weiterhin auf die Unterstützung der Fachagentur Nachwachsender Rohstoffe an der Pflanzenölforschung. “Die Fortführung des Forschungsprojektes zur Qualitätssteigerung war eigentlich schon zugesagt, wurde jetzt aber schon zweimal hinausgezögert. Es wäre im Sinne aller Beteiligten sehr wünschenswert, wenn FNR und das BMVEL zu Ende führen, was sie angefangen haben”, macht er deutlich.

Vgl. Meldung vom 02.06.2004.

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