21 Februar 2007

Niedersachsen: Zunehmende Flächenkonkurrenz durch Bioenergieproduktion?

Durch die wachsende Produktion von Biodiesel, Bioethanol und vor allem Biogas werden in Niedersachsen immer mehr landwirtschaftliche Flächen für die Bioenergieproduktion in Anspruch genommen.

Niedersachsen hat mit einer installierten elektrischen Leistung von ca. 300 MW die Spitzenposition bei der Biogasnutzung in Deutschland und Europa inne. Bisher werden in Niedersachsen etwa 8 % der Ackerflächen für die Produktion von Energiepflanzen benötigt, und die Konkurrenz um Flächen hat regional bereits spürbare Auswirkungen auf die Pachtpreise.

Vor diesem Hintergrund hatte das Niedersächsische Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Studie über die Auswirkungen der steigenden Nachfrage auf den Energie- und Agrarrohstoffmärkten auf die landwirtschaftlichen Bodenmärkte in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse gestern dem Minister vorgestellt wurden.

Prof. Dr. Enno Bahrs und Dr. Jobst-Hendrik Held vom Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen kommen in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Biogasproduktion für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum ein erhebliches Wertschöpfungspotential berge. Gut geführte Biogasanlagen erzielen hohe Arbeits- und Flächenentlohnungen, so dass Pachtpreise von 700 €/ha und sogar mehr gezahlt werden.

Die Bandbreite des wirtschaftlichen Erfolgs oder Misserfolgs ist in der Biogasproduktion allerdings sehr groß. Wichtige Erfolgsfaktoren sind die Anschaffungskosten, die Laufzeit des BHKW, die Substratkosten, die Pachtpreise sowie die Verwertungsmöglichkeiten des Gärsubstrates.

Die Biogasproduktion sei auf regional angebaute Rohstoffe angewiesen und stelle einerseits eine Konkurrenz zu herkömmlichen landwirtschaftlichen Produktionsverfahren dar, könne diese aber andererseits auch sinnvoll ergänzen, so die Wissenschaftler. Dabei sind die Bedingungen in Ackerbauregionen grundsätzlich anders zu beurteilen als in Veredelungs- oder Futterbauregionen.

Im gegenwärtigen und künftigen Energiemix müsse die Biogasproduktion ein wichtiger Baustein sein. Das Förderspektrum setze auch an den richtigen Hebeln an, müsse aber dynamisch an die aktuellen Entwicklungen, auch auf den Boden und Rohstoffmärkten, angepasst werden. Nur so könne einer drohenden Übersteuerung der Rohstoff- und Bodenmärkte entgegengewirkt werden.

Minister Hans-Heinrich Ehlen begrüßte, dass in der Studie die komplexen Ursachen der zunehmenden Konkurrenz um landwirtschaftliche Rohstoffe und Flächen klar herausgearbeitet wurden. Der Biogasboom in Niedersachsen berühre viele landwirtschaftliche Märkte und Betriebe. Zurzeit überwögen die Vorteile der zusätzlichen Wertschöpfung durch Biogas allerdings eindeutig. Die weitere Entwicklung werden wir aber genau beobachten, so Ehlen.

Bei der anstehenden Überprüfung der Förderbedingungen im Rahmen des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes sollten die agrarstrukturellen Auswirkungen und die Aspekte Wärmenutzung und Biogasaufbereitung stärker im Fokus stehen. Die energetische Effizienz und die gesamtwirtschaftlichen Vorteile der Biogasnutzung können dadurch weiter verbessert werden.

Kontakt
Dr. Gert Hahne
Nds. Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Pressesprecher
Calenberger Str. 2
30169 Hannover
Tel: (0511)1202138
Fax: (0511)1202382

Source: Nds. Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, 2007-02-20.

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