6 Juni 2006

Niedersachsen: Erreicht der Biogasboom seine Grenzen?

Die Anzahl der eingereichten Bauanträge für Biogasanlagen im Dienstgebiet der Bezirksstelle Bremervörde ist weiterhin hoch. In den drei Jahren von 2002 bis heute sind hier insgesamt 51 Bauanträge für Biogasanlagen aus den fünf Landkreisen (Cuxhaven, Osterholz, Stade, Rotenburg (Wümme) und Verden) eingereicht und bearbeitet worden. Diese Anlagen entsprechen einer installierten elektrischen Leistung von etwa 32.700 kW insgesamt.

Unterstellt man eine durchschnittliche Energieausbeute von 2 kW pro Hektar Biomasseanbaufläche, so werden damit rd. 16.350 ha Ackerflächen gebunden. Das sind bereits 7,9% der Ackerflächen im Dienstgebiet.

Aus der Sicht der Fachgruppe 2 (Träger öffentlicher Belange, nachhaltige Landnutzung, ländliche Entwicklung) der Bezirksstelle Bremervörde wird das Gleichgewicht der Veränderungen im ländlichen Raum im Rahmen des allgemeinen Strukturwandels in der Landwirtschaft durch die lukrative Förderung durch das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) nachhaltig beeinflusst.

Die Erzeugung von Biomasse zur Vergärung ist flächengebunden. Sie steht damit in direkter Konkurrenz zu den erforderlichen Grundfutterflächen für das Rindvieh.

Die Anbauflächen werden knapp, was sich bereits in steigenden Pachtpreisen im Umfeld der Biogasanlagen zeigt. Der Silomais lässt sich teurer verkaufen.

Gleichzeitig steigen die Probleme bei der ordnungsgemäßen Verwertung der Gärreste unter Beachtung der Düngeverordnung wegen Nährstoffüberschuss.

Wenn die Obergrenzen der Nährstoffverwertbarkeit erreicht sind, müssten ggfls. die Tierbestände regional verkleinert werden.

Bei der Planung neuer Biogasanlagen sollte immer eine Wirtschaftlichkeitsberechnung durchgeführt werden, die auch steigende Kosten für die Substratanlieferung und Gärresteverwertung bereits berücksichtigt.

Ferner raten wir, sich rechtzeitig Gedanken über den tatsächlichen Verbleib der Gärreste zu machen und Landwirte mit Düngebedarf einzubinden. Wir müssen im Baugenehmigungsverfahren die Nährstoffströme für jede Anlage prüfen und fordern einen qualifizierten Flächennachweis.

Kontakt:
Heino Rotermund
Bezirksstelle Bremervörde
Telefon: 04761 9942-22
E-Mail

(Vgl. Meldung vom 2006-05-18.)

Source: Landwirtschaftskammer Hannover vom 2006-06-06.

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