2 November 2006

Niedersachsen: Biogaserzeugung wird etablierter Betriebszweig

Die Erzeugung von Biogas habe derzeit unter den Möglichkeiten der Bioenergieerzeugung die allergrößte Bedeutung für die Wertschöpfung in der niedersächsischen Landwirtschaft, sie werde sich zu einem etablierten Betriebszweig auf landwirtschaftlichen Betrieben entwickeln. Das sagte Fritz Stegen, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, zur Eröffnung des 7. Unternehmertages der Landwirtschaftskammer und der Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems in Oldenburg.

Das Flächenpotential für die landwirtschaftliche Biogaserzeugung in Niedersachsen liege bei rund 160.000 Hektar (ha) für die Biogaserzeugung und ca. 80.000 ha für die Erzeugung von Biodiesel und Bioethanol, sagte Stegen. Das entspreche knapp zehn Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Schon Ende 2006 werden laut Stegen rund 600 Biogasanlagen in Betrieb sein. Damit werden 40 Prozent der elektrischen Energie, die in der gesamten Bundesrepublik aus Biogasanlagen stammt, in Niedersachsen erzeugt. Stegen: “Wir sind auch beim Biogas das Agrarland Nr. 1.”

Trotz grundsätzlich positiver Perspektiven seien jedoch viele Fragen ungelöst. Aus Sicht der Raumordnung seien Freiräume für den Bau weiterer Anlagen begrenzt. Das Investitionsrisiko sei deutlich höher als bei Investitionen in den herkömmlichen Betriebszweigen der Tier- und Pflanzenproduktion.

Es sei durchaus nicht ausgemacht, dass die Biogaserzeugung langfristig konkurrenzfähig sei. Steigende Preise bei Futter- und Nahrungsmitteln verteuerten auch die Rohstoffbeschaffung für Biogasanlagen. Besonders in viehdichten Regionen bestehen bereits große Konflikte bezüglich der Nutzung der Flächen. Die Auswirkungen seien bereits auf den Pachtmärkten zu beobachten. In viehdichten Regionen seien Pachtpreise von 600 bis 700 EUR/ha keine Seltenheit mehr. Auch Futterbaubetriebe konkurrierten mit den Biogasanlagen um die Maisanbauflächen, was auch die Milchproduktion verteuere.

Bei der grundsätzlichen Entscheidung, ob vor dem Hintergrund des Umweltschutzes, der Energieversorgung und der Flächenkonkurrenz Nahrungsmittel oder Energie erzeugt werden sollen, sei auch die Politik und die Politikberatung gefragt, meinte der Kammerpräsident.

(Vgl. Meldungen vom 2006-07-20 und 2006-06-06.)

Source: DLZ-Agrarmagazin vom 2006-11-01.

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