16 Dezember 2011

Nicolaus August Otto Preis 2011 für umweltfreundliche Gerbung

Kohlendioxid spart beim Gerbschritt Abwasser, Chemikalien und Zeit

Helmut Geihsler erhielt den “Nicolaus August Otto Preis” der Stadt Köln für Innovation. Mit dem zweiten Platz wurden der Kölner Gerbmeister und seine Miterfinder, Manfred Renner und Prof. Eckhard Weidner von Fraunhofer UMSICHT, für die abwasserfreie und chemikalienreduzierte Gerbung von Leder ausgezeichnet. Das preisgekrönte Gerbverfahren nutzt verdichtetes Kohlendioxid anstelle von Luft. Das spart im Gerbschritt Abwasser, Chemikalien und Zeit.

Die Lederherstellung ist eine prozessintensive, zeitaufwändige und umweltbelastende Technologie. Bis zu 70 Arbeitsschritte sind notwendig, um aus dem Rohstoff Tierhaut haltbares Leder für Schuhe, Möbel oder Autos zu produzieren. Pro Tonne Leder entstehen 60 Tonnen Abwasser. Das muss nicht sein. Fraunhofer UMSICHT hat in Kooperation mit dem Kölner Gerbmeister, Helmut Geihsler, ein Verfahren zur Gerbung von Leder entwickelt, das die Umwelt schont, die Prozesszeit enorm verkürzt und Geld spart. Die Erfinder tauschen Luft durch verdichtetes Kohlendioxid aus. Das spart beim Gerbschritt Abwasser, Chemikalien und Zeit.

Ziel des Gerbprozesses ist es, hochgradig fäulnisanfällige rohe Häute oder Felle zu einem haltbaren Material, dem Leder, zu verarbeiten. Das Gesamtverfahren beinhaltet zahlreiche komplexe chemische Reaktionen und mechanische Bearbeitungsschritte. Der Gerbschritt bildet dabei die grundlegende Prozessstufe, durch die das Leder haltbar wird und seine wesentlichen Merkmale erhält. Bei der Gerbung gelangen Gerbstoffe in die Haut, die für eine Brückenbildung zwischen den Hautkollagenen sorgen. Auf diese Weise vernetzt sich die Haut noch stärker als im Ursprungszustand und wird haltbar und stabil.

Umweltfreundliches Gerbverfahren nutzt verdichtetes Kohlendioxid
Bei der konventionellen Gerbung werden die Häute in rotierenden Gerbfässern in einem Zeitraum von 12 bis 24 Stunden mit einer Wasser-Chrom(III)-Salz-Lösung in intensiven Kontakt gebracht. Zuvor müssen die Häute im Prozessschritt “Pickel” mit Säuren behandelt werden, um den Gerbstoff optimal aufnehmen zu können. Das Gerbfass ist im konventionellen Prozess zur Hälfte mit Gerblösung und Häuten gefüllt. Das halbe Fassvolumen ist mit Umgebungsluft gefüllt. Diese Luft wird in dem ausgezeichneten Gerbverfahren durch verdichtetes Kohlendioxid (CO2) ersetzt.

Durch den hohen resultierenden Druck gelangt bei dem neuen Gerbverfahren der Gerbstoff Chrom in kürzerer Zeit in die Fibrillarstruktur der Haut und vernetzt sich dort. Dadurch ist es möglich, die Gerbdauer um den Faktor vier bis zehn zu senken, über 95 Prozent chrombelastetes Abwasser einzusparen und den Gerbstoffeinsatz (Chrom) um bis zu 50 Prozent zu senken. Grund genug für die Expertenjury aus Wissenschaft, Handwerk und Industrie die Erfinder des Gerbverfahrens mit dem zweiten Platz des Nicolaus August Otto Preises der Stadt Köln für Innovation auszuzeichnen.

Der als “Kölner Innovationspreis” bekannte Preis wird von der DEUTZ AG und der Stadt Köln vergeben. Er soll Ansporn sein, mit neuen Ideen auf den Markt zu gehen und kreative Ergebnisse in Produkte, Dienstleistungen und Verfahren umzusetzen. Außerdem soll er die Wettbewerbsfähigkeit Kölner Firmen stärken und zu Firmengründungen anregen.

Source: Fraunhofer UMSICHT, Pressemitteilung, 2011-12-16.

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