24 März 2015

Neues Verbundmaterial soll Importe überflüssig machen

Oscar Valdemoros, Koordinator des Projekts LIMOWOOD, spricht über das von seinem Team entwickelte Verbundmaterial und dessen künftige Vermarktung

Dank eines neuen Verbundmaterials, entwickelt im Rahmen des Projekts LIMOWOOD, sind hochwertige Möbel vielleicht schon bald zu niedrigeren Preisen zu haben.

Die meisten standen mindestens einmal bereits vor diesem Dilemma: Kann ich mir die luxuriösen Möbel für mein neues Bad oder die neue Küche leisten, oder sollte ich mich mit dem billigen Produkt abfinden, auch wenn es weniger lange hält? Diese bereits auf individueller Ebene knifflige Frage ist für die Zukunft der europäischen Wirtschaft ebenso wichtig. Bei unserer Wahl zwischen hochwertigen und minderwertigen Produkten entscheiden wir häufig darüber, ob wir europäische Hersteller unterstützen oder nicht.

Um der EU-Industrie dabei zu helfen, mit hoher Qualität gegenüber billigeren Angeboten zu bestehen, setzt das EU-finanzierte Projekt LIMOWOOD (Advanced wood plastic composite material for the production of bath furniture resistant to moisture and free of coatings) auf ein brandneues Verbundmaterial aus Holz und Kunststoff. Das Produkt eignet sich für ein Vielzahl von Anwendungen für Möbel oder auch in der Automobilindustrie und soll als bezahlbare Lösung Importe von außerhalb Europas ersetzen.

Das neue Material ist widerstandsfähiger gegen mechanische Kräfte und Feuchtigkeit, lässt sich vollständig recyceln, produziert keine Emissionen flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) und bietet optische Möglichkeiten wie Laminat. Dabei kostet es in der Produktion ähnlich wenig wie billige Holzfaserplatten (MDF). Dank eines EU-Patents hofft das Team auf Einsparungen für die europäische Industrie in Höhe von rund 120 Mio. EUR und auf viele neue Jobs.

Oscar Valdemoros, Koordinator von LIMOWOOD, spricht über die Erfolge des Konsortiums, die Stärken des neuen Materials und seine künftige Vermarktung.

Sind Sie zufrieden mit den Erfolgen des Projekts?

Tatsächlich haben wir mehr erreicht als erwartet. Eigentlich wollten wir mittels Extrusion Bretter fertigen, aber wir konnten das sogar im Heißpressverfahren machen, was viel mehr Anwendungen ermöglicht. Auch unsere Ziele hinsichtlich Preis und Qualität konnten wir erfüllen.

Wie lässt sich Limowood mit anderen Materialien vergleichen?

Wir wollten uns sowohl mit billigen als auch mit hochwertigen Werkstoffen messen. Unser Material lässt sich gut mit hochwertigen Schichtpressstoffplatten (HPL, High Pressure Laminate) vergleichen, wobei die Produktionskosten eher denen von preiswerten Holzfaserplatten gleichen. Außerdem lässt sich die Oberfläche beliebig veredeln, von Holzmaserung bis hin zu dekorativen Mustern, sodass es eine perfekte Alternative zu derzeit verfügbaren Materialien bietet. Bisherige Verbundstoffe ließen sich nur für Nischenprodukte wie Zäune verwenden, nicht für Küchen oder Badezimmer. Diese Lücke konnten wir nun füllen.

Muss man für Limowood viel in Werkzeuge und Maschinen investieren?

Das ist das Schöne an Limowood. Hat man einmal das Brett, braucht man in nichts weiter zu investieren. Limowood lässt sich mit den bestehenden Maschinen sowohl durch Extrusion als auch im Heißpressverfahren fertigen, die einzige Einschränkung besteht hinsichtlich der Plattengröße bei der Extrusion.

Gibt es schon Anfragen von Unternehmen?

Ja, wir stehen im Kontakt mit großen Herstellern aus Europa und darüber hinaus, sogar aus der Automobilindustrie. Unsere Verbreitungsaktivitäten wie die Teilnahme an internationalen Messen waren bislang sehr erfolgreich.

Wann soll Ihr Werkstoff auf den Markt kommen?

Die Prototypen sind fertig, wir haben in die Fertigung investiert… es kann also nicht mehr lange dauern. Allerdings braucht die Vermarktung eines solchen Produkts seine Zeit und wir müssen noch Vereinbarungen mit verschiedenen Zulieferern unterschreiben. Ich weiß nicht, ob Limowood noch dieses Jahr auf den Markt kommen wird, aber mit Sicherheit so schnell wie möglich. Nächste Woche kommen wir mit den Partnern zusammen und werden diese Punkte besprechen.

Mit welcher Strategie wollen Sie das größtmögliche Interesse der Industrie wecken?

Zuerst wollen wir die verschiedenen Anwendungen zertifizieren lassen und die Rezeptur vielleicht auf die Bedürfnisse und Anforderungen der Märkte anpassen, beispielsweise für die Automobil- oder Bauindustrie.

Wie sehen die Eigenschaften des Materials hinsichtlich der Nachhaltigkeit aus?

Eines der Ziele des Projekts war die Verwendung von möglichst viel recyceltem Material ohne Emission flüchtiger organischer Verbindungen, um die europäischen Vorschriften einzuhalten. Jetzt kommen 90 % der Materials für Limowood aus nachhaltigen Quellen: das Holz stammt aus nachhaltigen Wäldern und die Kunststoffe sind recycelt.

Sie wollen unter anderem Importe ersetzen. Wie wollen sie das erreichen?

Limowood ist preislich sehr konkurrenzfähig, bietet aber dieselbe Qualität und Eigenschaften wie hochwertige, meistens teure Materialien.

Wird diese Technologie patentiert werden?

Ja, die entsprechenden Schritte haben wir bereits eingeleitet.

Haben sie schon Folgepläne für die Zeit nach Abschluss des Projekts?

Die Folgepläne bestehen in der schnellstmöglichen Vermarktung. Wir wollen vielleicht auch unter Horizon 2020 weitermachen, aber das ist noch nicht entschieden. Wir stehen in Kontakt mit großen europäischen Unternehmen, die die Fertigung übernehmen könnten, sodass wir keine Förderung durch die EU mehr benötigen.

Source: Cordis news, Pressemitteilung, 2015-03-17.

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