9 Juni 2015

Neuer grüner Kraftstoff im Praxiseinsatz

Fraunhofer UMSICHT präsentiert Serienfahrzeug, welches mit Restbiomasse im Biodiesel-Gemisch angetrieben wird

Mit einem Pickup demonstrieren die Forscher von Fraunhofer UMSICHT diese Woche auf der European Biomass Conference and Exhibition EUBCE in Wien die Leistungsfähigkeit neuer grüner Kraftstoffe. Diese werden aus Restbiomasse gewonnen und können im Gemisch mit Biodiesel direkt im Motor des Serienfahrzeugs eingesetzt werden. Das zur Herstellung der Kraftstoffe entwickelte thermo-katalytische Reforming TCR® produziert neben Kraftstoffen auch Gas mit hohem Wasserstoffanteil und nährstoffreiche Biokohle.

»Unser Kraftstoff kann mit Biodiesel im Mischverhältnis von eins zu vier direkt in den Tank«, bringt Professor Dr. Andreas Hornung den entscheidenden Vorteil des Treibstoffes auf den Punkt. »Weitere Veredelungsschritte sind zwar möglich, aber nicht notwendig«, so der Leiter des Institutsteils Sulzbach-Rosenberg von Fraunhofer UMSICHT. Diese einzigartige Qualität erreichen die Forscher bei Fraunhofer UMSICHT mit dem neu entwickelten thermo-katalytischen Reforming TCR®. Als Einsatzstoffe eignen sich beispielsweise Gärreste aus Biogasanlagen, Holzreste und Landschaftspflegematerial, industrielle Biomassereststoffe, Klärschlämme, Stroh und Tierexkremente. Die Restbiomasse wird thermo-chemisch aufgeschlossen und in Öl, Gas und Biokohle gewandelt.

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Der Pickup wird mit grünem Kraftstoff betrieben. - Zoom -

Hochwertige energetische Produkte aus Biomasse

Der ausgestellte Pickup ist mit einem Zusatztank ausgestattet, den die Forscher von Fraunhofer UMSICHT aus Sulzbach-Rosenberg mit ihrem neuen Kraftstoff befüllen und direkt während der Fahrt beimischen können. Im Vergleich mit anderen Biotreibstoffen zeichnet sich das Öl durch seine hohe Qualität aus – beispielsweise ist es nahezu säurefrei. Namhafte Autohersteller aus Deutschland und Italien haben bereits großes Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet.

Auf der Biomasse Konferenz und Ausstellung in Wien präsentieren die Ingenieure vom 1. bis 4. Juni 2015 das Fahrzeug erstmals der Öffentlichkeit. Neben dem Einsatz direkt in Fahrzeugen eignet sich das Öl auch zur Verstromung. Durch die gute Lagerfähigkeit kann es in einem Blockheizkraftwerk zur Stromproduktion eingesetzt werden und beispielsweise zur Bedarfsdeckung in Spitzenlastzeiten beitragen. Die ebenfalls beim TCR®-Verfahren produzierte Biokohle ist besonders nährstoffreich und eignet sich für landwirtschaftliche Zwecke. Aber auch das anfallende Gas ist für die Forscher von besonderem Interesse: zum einen kann es wie auch das Öl in einem Blockheizkraftwerk verstromt werden. Zum anderen eröffnet der Wasserstoffgehalt von bis zu 40 Volumenprozent interessante stoffliche Verwertungswege. Alle Produkte des TCR®-Verfahrens lassen sich ohne weitere Syntheseschritte herstellen, was die hohe Wirtschaftlichkeit der Technologie garantiert.

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Prof. Dr. Andreas Hornung präsentierte in der Plenarsession das Biobatterie-Konzept von Fraunhofer UMSICHT. - Zoom -

Biobatteriekonzept für mehr Energie

Das TCR®-Verfahren ist der wesentliche Baustein des Biobatteriekonzepts der Fraunhofer-Wissenschaftler aus Sulzbach-Rosenberg. Die Biobatterie bietet durch die Kombination verschiedener Energieträger und -prozesse individuelle Systemlösungen an. Diese können mit bestehenden Anlagen kombiniert oder neu installiert werden. Die Technologien von Fraunhofer UMSICHT eignen sich für eine große Bandbreite von festen Biomassen. Das Konzept beruht auf einem optimalen Zusammenspiel verschiedener Komponenten – dazu zählen das thermo-katalytische Reforming TCR® und die zugehörigen Motoren zur Stromerzeugung, Konzepte zur Biogas- und Biomethanproduktion sowie thermische Energiespeicher. Durch das Zusammenwirken dieser Komponenten gelingt mit dem Biobatteriekonzept eine robuste sowie kapitaleffiziente Neuplanung oder Erweiterung dezentraler Anwendungen.

Source: Fraunhofer UMSICHT, Pressemitteilung, 2015-06-03.

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