11 Februar 2016

Neuer Biotreibstoff für eine umweltfreundlichere zivile Luftfahrt

Große Fluggesellschaften wie Lufthansa, SAS und KLM wollen Treibstoff aus Leindotteröl beziehen

Im EU-finanzierten ITAKA-Projekt wurde ein bahnbrechender Biotreibstoff für Strahltriebwerke entwickelt, der am großen internationalen Flughafen in Oslo zum ersten Mal in der Geschichte der zivilen Luftfahrt eingesetzt werden wird.

Der Biotreibstoff wurde am 22. Januar auf einer öffentlichen Veranstaltung freigegeben, die vom norwegischen Flughafenbetreiber Avinor organisiert wurde und an der auch der norwegische Verkehrsminister Ketil Solvik Olsen teilnahm.

Die Vereinbarung, den Treibstoff am Flughafen Oslo-Gardermoen zu verwenden, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen Avinor, Air BP und SkyNRG. Letzteres Unternehmen ist ein Partner des Projekts ITAKA (Initative Towards Sustainable Kerosene for Aviation).

Der im Rahmen des Projekts entwickelte Biotreibstoff für Strahltriebwerke wird aus Leindotteröl hergestellt, das RSB-zertifiziert ist und vom SkyNRG-Ausschuss für Nachhaltigkeit mit einem Gütesiegel ausgezeichnet wurde.

Vorteile am Osloer Flughafen

Der Treibstoff wird direkt in das bestehende Betankungssystem des Flughafens eingespeist, sodass keine eigene Infrastruktur für Speicherung und Verteilung erforderlich ist.

Alle auf dem Osloer Flughafen vertretenen Airlines können den Treibstoff verwenden, und die Lufthansa bestätigte als erste Fluggesellschaft dessen zukünftigen Einsatz.

Nach dieser Ankündigung der Lufthansa verpflichteten sich auch die skandinavische Fluggesellschaft SAS und der Konsortiumspartner KLM Royal Dutch Airlines zum Kauf des Biotreibstoffs. Die ITAKA-Partner hoffen, dass dies den ersten Schritt zu einer großflächigeren Aufnahme von Biotreibstoff durch andere Fluggesellschaften und Flughäfen auf der ganzen Welt darstellen wird.

Früher mussten Fluggesellschaften, die Alternativen zu herkömmlichem Kerosin einsetzen wollten, diese eigens mit einem Tanklastwagen mit Betankungsvorrichtung anliefern lassen, was mit höheren Kosten verbunden war.

Da Biotreibstoff in Oslo nun über den normalen Versorgungsmechanismus bereitgestellt wird, konnte demonstriert werden, dass für diesen Treibstoff die bestehende Infrastruktur genutzt werden kann, was die logistischen Kosten deutlich senkt.

Die Nutzung von Leindotteröl

Die ITAKA-Forscher sehen Leindotteröl als den am besten verfügbaren nachhaltigen Rohstoff, der in Europa leicht in ausreichender Menge produziert werden kann, um die erwartete Nachfrage nach Biotreibstoff zu decken.

Um den Wechsel zu Biotreibstoff attraktiver zu machen, ist es entscheidend, dass an den Luftfahrzeugen keinerlei Nachrüstungen erforderlich sind. Daher besteht der Biotreibstoff aus mit Wasserstoff behandelten Estern und Fettsäuren (hydroprocessed esters and fatty acids, HEFA), die mit herkömmlichem Treibstoff völlig austauschbar sind.

Die Projektmitglieder nutzen vier Leindotterplantagen in Spanien, die durch kleinere Plantagen in Rumänien ergänzt werden. Der Treibstoff selbst wird in Finnland von ITAKA-Projektpartner Neste raffiniert.

Langfristige Vorteile für die Umwelt

Das ITAKA-Projekt soll wesentlich zum Ziel des Luftfahrtindustrie beitragen, die Treibhausgasemissionen zu senken und internationale Klimaverträge einzuhalten.

Bis zum Jahr 2020 möchte die EU den Anteil des Biotreibstoffs am gesamten Treibstoffverbrauch der zivilen Luftfahrt auf 3,5 % steigern. Wenn weitere europäische Flughäfen das in ITAKA entwickelte integrierte System aufgreifen, könnte dieses Ziel durchaus zu erreichen sein.

Source: Cordis news, 2016-02-04.

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