23 März 2005

Neue Pflanzenfarben für die Textilindustrie

Zwiebel auf Wolle

Aus Zwiebelschalen, Rinden, Schwarzteetrester und anderen pflanzlichen Rest- und Rohstoffen können Textilien nun auch industriell gefärbt werden. Was schon seit Jahren als Idee in den Köpfen von Textilfärbern schwelgt, ist jetzt dank einer geschickten Produktinnovation realisiert worden. Im Rahmen der Programmlinie “Fabrik der Zukunft” – einer Initiative des Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) – hat das Österreichische Ökologie-Institut gemeinsam mit dem Institut für Textilchemie und Textilphysik in Dornbirn ein Verfahren entwickelt, mit dem pflanzliche Reststoffe der Lebensmittel- und Holzindustrie wie Zwiebelschalen oder Rinden sowie Färbepflanzen für die Textilfärbung eingesetzt werden.

Mit einem “Färbepflanzenbaukasten”, der Farben aus Kanadischer Goldrute, Schwarzteetrester, Nussschalen, Zwiebelschalen und Eschenrinde, eine Farbmusterkarte, Beispiele von gefärbter Wolle und eine Färbeanleitung enthält, tritt das Projektteam nun an Färberei – und Textilbetriebe mit dem Angebot heran, die neuen Farbstoffe auszuprobieren und sich so ein eigenes Bild zu machen. Und das lohnt sich, denn mit den Pflanzenfarben können schöne Natur-Farbtöne erzielt werden. “Bisher wurden selbst Natur- und Öko- Textilien zum Großteil synthetisch gefärbt, da das Angebot an Pflanzenfarbstoffen den Anforderungen der Textilindustrie nicht genügte.” betont die Projektleiterin Barbara Rappl vom Ökologie-Institut.

Vernetzung von Anbietern und Abnehmern
Bisher scheiterte die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen in der Textilfärbung daran, dass das Angebot an Roh- und Reststoffen und die Nachfrageseite nicht miteinander vernetzt waren. Dieses Hindernis ist charakteristisch für nachwachsende Rohstoffe und ihre stoffliche Nutzung. Das Ökologie-Institut fand die Akteure der Produktnutzungskette und schuf die Basis für eine für alle vorteilhafte Zusammenar- beit: Mit renommierten Textilerzeugern, Zwiebelgroßhändlern, Tee- und Gewürzhändlern, Fruchtsafterzeugern und Sägewerken arbeitete man gemeinsam an der Produktidee. Nach ersten Versuchsfärbungen wurden bereits Arbeiten an Farbstoffprototypen begonnen, die einem festgelegten Standard entsprechen sollen.

Nachhaltig profitieren
Wenn sich das neue Verfahren zumindest als Nischenprodukt durchsetzt, könnten viele nachhaltig profitieren: Lebensmittelbetriebe und Holzindustrie könnten ihre Reststoffe verkaufen, Landwirte mit dem Anbau von Färbepflanzen einen neuen Erwerbszweig aufbauen. Und die Umwelt profitiert mehrfach davon: Abfälle werden wiederverwertet, die Farbstoffe beruhen auf nachhaltigen Rohstoffen und der Energieverbrauch wird reduziert. Das entwickelte Verfahren verzichtet auf den Einsatz von Schwermetallbeizen aus Kupfer, Zinn oder Chrom – als Beizen werden lediglich die auch in der Abwasserreinigung verwendeten Eisen- und Aluminiumbeizen verwendet.

Die Ergebnisse der Studie können hier im PDF-Format (336 KB) heruntergeladen werden.

(Vgl. Meldung vom 2004-11-04.)

Kontakt
Österreichisches Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung
Barbara Rappl
Seidengasse 13
1070 Wien
E-Mail: rappl@ecology.at
Internet: www.ecology.at

Source: Meldung www.oe-journal.at vom 2005-03-18.

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