1 März 2010

Naturverträglicher Anbau von Energiepflanzen

Fachverband Biogas e.V. nimmt BfN-Positionspapier unter die Lupe

Am Dienstag, den 09.02.2010, hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sein neues Positionspapier “Bioenergie und Naturschutz – Synergien fordern, Risiken vermeiden” vorgestellt. Das 30-seitige Dokument fasst die Forderungen des BfN nach einer naturverträglichen Bioenergienutzung zusammen. Der Fachverband Biogas e.V. unterstützt viele Punkte in diesem Papier, so z.B. die Aussage, dass “beim Ausbau der Bioenergienutzung stets die unterschiedlichen standörtlichen und landschaftlichen Ausgangsbedingungen des jeweiligen Raumes bzw. der Landschaft berücksichtigt werden sollten”. Auch nach Auffassung des Fachverbandes Biogas sollte “das Spektrum der energetisch nutzbaren Biomasse möglichst breit gestaltet werden”.

“Die Biogasnutzung macht natürlich nur Sinn, wenn der Energiepflanzenanbau umweltverträglich erfolgt”, betont der Präsident des Fachverbandes Biogas e.V., Josef Pellmeyer, selbst Landwirt und Biogasanlagen-Betreiber. Beim Umbruch von Dauergrünland beispielsweise würde so viel Treibhausgas freigesetzt, dass die Klimabilanz beim späteren Anbau von Energiemais kaum positiv ausfalle. Eine derartige Nutzungsoption sei daher kritisch zu bewerten. In einigen Bundesländern ist in den letzten Jahren vermehrt Grünland umgebrochen worden. Gerade in Regionen mit einer hohen Viehdichte, wie in Teilen von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind neben Biogasanlagen auch viele neue Schweine- und Milchviehställe beantragt und gebaut worden. Der Grünlandumbruch kann daher nicht allein der Biogasnutzung angelastet werden. Dass hier die bestehende Auflage von Cross-Compliance (CC) und damit das landwirtschaftliche Fachrecht greift, zeigt die Tatsache, dass in Schleswig-Holstein im Frühjahr 2008 die Dauergrünlanderhaltungsverordnung erlassen worden ist und somit seit beinahe zwei Jahren ein Grünlandumbruchverbot besteht. Seit 22.10.2009 gilt dies auch für Niedersachsen.

Der im BfN-Papier teilweise dargestellte Zusammenhang, dass die Intensivierung in der Landwirtschaft überwiegend der Bioenergienutzung mit ihrem verstärktem Maisanbau zuzuschreiben ist, wird der Realität jedoch nicht gerecht. Für die Biogaserzeugung werden in Deutschland derzeit ca. 0,5 Millionen Hektar Acker- und Grünlandflächen genutzt. In 2009 wurde Mais für Biogasanlagen auf rund 380.000 Hektar angebaut. Zwar ist die Fläche für Energiemais damit im Vergleich zu 2008 gestiegen, insgesamt aber hat sich die Maisanbaufläche in Deutschland in 2009 gegenüber 2008 sogar verringert (von 2,083 auf 2,081 Mio. ha.). Darüber hinaus stellt die Ausweitung der Energiemaisanbauflächen noch kein Kriterium für die Intensität des Ackerbaus dar. Im Gegenteil: da, wo im Vorhinein klar ist, dass der Mais in der Biogasanlage genutzt wird, werden durch den Einsatz der Gärprodukte und die höhere Wildkrauttoleranz weniger synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel eingesetzt als in andern Maiskulturen.

Der regionale Anstieg an Maisflächen ruft derzeit Kritik hervor, vor allem von Seiten der Naturschutzverbände. Der Mais hat sein schlechtes Image heute jedoch zu Unrecht. Der moderne Maisanbau hat mit überdüngten Flächen aus den 70er Jahren nichts mehr zu tun. Mais ist eine sehr ressourceneffiziente Pflanze, die aus der gleichen Menge Dünger beispielsweise doppelt so viel Biomasse aufbauen kann, wie ertragreiche Grasarten. Allerdings sieht auch der Fachverband Biogas wie das BfN noch viel Forschungs- und Entwicklungsbedarf, um langfristig Alternativen zum Mais zu schaffen und die Fruchtfolgen damit weiter zu öffnen.

Kurzfristig lässt sich durch Mischkulturen (z.B. Mais mit Sonnenblumen), durch Randstreifenbegrünungen oder so genannte “Lerchenfenster” sowie Untersaaten das Landschaftsbild und die Biodiversität beim Maisanbau verbessern. Entsprechende Programme werden vom Fachverband Biogas befürwortet und von vielen Landwirten bereits umgesetzt. Wie das BfN richtig feststellt, bestehen gerade beim Energiepflanzenanbau noch große Chancen, mehr Artenvielfalt auf den Feldern zu etablieren, sowohl was die Kulturpflanzen – als auch die Tierarten angeht, die in der Kulturlandschaft leben. Die Entwicklung neuer Energiefruchtfolgen mit neuen bzw. alten reaktivierten Pflanzenarten steht zwar nicht mehr am Anfang, aber es wird noch dauern, bis praxisrelevante Ergebnisse vorliegen. Allerdings sollte sich sowohl die Bevölkerung als auch die Politik darüber im Klaren sein, dass Naturschutz etwas kostet. Eine Extensivierung der Landwirtschaft bedeutet für den Landwirt Einnahmeausfälle, die kompensiert werden müssen. Dies gilt gleichermaßen für die Nahrungsmittel- wie für die Energiepflanzenerzeugung.

“Grundsätzlich fordert der Fachverband Biogas eine Gleichbehandlung der Biogas-Bauern mit den Nahrungsmittel-Erzeugern”, unterstreicht Pellmeyer. Es könne nicht sein, dass es zwei unterschiedliche Standards zur Erzeugung von Pflanzen in der Landwirtschaft gebe. Oftmals sei bei der Aussaat der Feldfrüchte noch gar nicht festgelegt, in welchen Verwertungsweg die Biomasse geht. Die Landwirte entscheiden kurzfristig nach Marktlage und erzielbaren Preisen, ob z.B. die “Biomasse” Getreide im Nahrungs-, Futtermittel- oder Bioenergiebereich verwertet wird. Und auch die Nachhaltigkeitsverordnungen beziehen sich in der Regel nur auf die Erzeugung von Energiepflanzen.

Der Forderung des BfN, die “landwirtschaftliche Beratung zum Thema Erweiterung von Fruchtfolgen zu stärken” kann sich der Fachverband Biogas nur anschließen. “Nur gemeinsam mit unseren 3.700 Mitgliedern kann eine naturverträgliche Bioenergienutzung umgesetzt werden – und damit das Ziel, mit Biogas den Klimaschutz und die regionale Wertschöpfung voranzutreiben, realisiert werden”, so Pellmeyer.

Weitere Informationen
Positionspapier des BfN: Bioenergie und Naturschutz – Synergien fordern, Risiken vermeiden (PDF-Datei)

Source: Fachverband Biogas, Pressemitteilung, 2010-02-11.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email