13 Januar 2005

Naturmedizin boomt – häufig auf Kosten der Natur

Die Natur ist eine einzigartige Apotheke: Etwa 50.000 Pflanzenarten, einige tausend Tierarten und hunderte von Pilz- und Bakterienarten liefern einem Großteil der Menschheit wichtige Substanzen für ihre Gesundheitsversorgung.

Die Heilkraft der Natur wird nicht nur traditionell genutzt (z. B. in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), in afrikanischen Medizinformen, im Ayurveda oder in der europäischen Volksheilkunde), sondern auch in der westlichen Schulmedizin und Naturheilkunde. Die Nachfrage wächst weltweit – mit tragischen Folgen.

Immer mehr Wildpflanzenarten werden übermäßig und unkontrolliert geerntet und gehandelt, und manche Tierarten werden nicht zuletzt durch eine starke Nachfrage seitens der Medizin rücksichtslos und in großem Stil bejagt.

Besonders bedroht sind nach Angaben der Weltnaturschutzunion (IUCN) etwa 4000, nach anderen Schätzungen sogar bis zu 10.000 Arten, von denen im Folgenden einige aufgelistet sind:

  • Tetu Lakha, ein baum in den regenwäldern Sri Lankas, der für europäische Krebsmittel geerntet wird
  • Costus, ein indisches Kraut, dessen Wurzel chronische Hauterkrankungen lindert
  • Tritillaria cirrhosa: gegen Atemwegserkrankungen
  • Ginseng
  • Afrikanische Kirsche (Stinkholz): Prostatamittel aus der Rinde (Population bereits zusammen gebrochen)
  • Gelber Enzian
  • Arnika
  • Schlüsselblume

Der internationale Heilpflanzenhandel hat ein aktuelles Marktvolumen von rund 16 Milliarden EUR und bezieht sein Material (400.000 t/Jahr) zu weniger als fünf Prozent aus Zuchten.
Mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 45.000 t pro Jahr ist Deutschland der viertgrößte Importeur von Heilpflanzen weltweit. Innerhalb der EU nimmt Deutschland sogar Platz 1 ein. Die größten Exporteure sind China, gefolgt von Indien (35.000t/a) und Staaten Südeuropas (8.000-10.000t/a).

Kontakt
WWF Deutschland
Susanne Honnef
Rebstöcker Str. 55
D-60326 Frankfurt/Main

E-Mail honnef@wwf.de
Internet: WWF Deutschland

Source: WWF Deutschland und Umwelt - kommunale ökologische Briefe, Nr.01/05.01.2005.

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