10 Januar 2006

Naturkautschuk: Steigende Nachfrage bei knapper Versorgungslage

Trotz Teuerung verdrängt Naturprodukt Synthesekautschuk

Am Weltmarkt wird der Kautschuk (Latex) knapp. Der inzwischen hochpreisige Rohstoff kann der steigenden Nachfrage nicht mehr gerecht werden. Der Grund ist die knappe Versorgungslage und die politische Situation Südostasiens. Denn nur Thailand, Indonesien und Malaysia decken fast 70 Prozent des weltweiten Bedarfs.

In Thailand, das ansonsten fast 40 Prozent der Latexproduktion bestreitet, wurde der Nachschub zum Jahresende 2005 dünn. Politische Unruhen im Süden Thailands sowie unüblich schwere Regenfälle lassen Saelim Piyaporn, den Chef des Kautschukverbands Thailands, jegliche Positivprognose vergessen: “Wir werden 2005 die drei Millionen Tonnen vom Vorjahr wohl nicht mehr erreichen.”

Auch die Produktion Malaysias ist durch sintflutartigen Monsunregen gebremst. Ein seit 1996 nicht mehr da gewesener Versorgungsengpass droht hierdurch.

“Weltweit wird damit 2005 einem nur um 3,9 Prozent wachsenden Angebot an Naturkautschuk ein Nachfragezuwachs von über sieben Prozent gegenüber stehen”, ist die Londoner Economist Intelligence Unit (EIU) in ihrer jüngsten Marktanalyse überzeugt. “Der Preis ist auf dem besten Weg, 2006 den höchsten Stand seit 21 Jahren zu erreichen”, meint Hiroshi Munakata, Analyst bei der Brokerfirma Asahi Trust an der Terminbörse in Tokio, Tocom. Der Terminpreis für Kautschuk ist dort seit Jahresbeginn um etwa 60 Prozent angestiegen.

Dieser Preisanstieg ist – gerade in diesem Fall – als Ausdruck des Wechselspiels zwischen der Nachfrage Chinas und dem Angebot Thailands zu werten; denn es geht immerhin die Hälfte der thailändischen Produktion in das Riesenreich.

China verarbeitete 2005 rund 22 Prozent des weltweiten Kautschukangebots. Allein die chinesische Reifenproduktion schoss im letzten Jahr um 28 Prozent nach oben. Sumitomo Rubber, zweitgrößter Reifenhersteller der Welt, plant seine Produktion in China bis 2008 sogar zu vervierfachen.

Erst für das zweite Quartal 2005 registrierte der Branchenverband International Rubber Study Group (IRSG), London, ein Produktionsdefizit am Weltmarkt, welches sich auch auf die Produktion synthetischen Kautschuks (SR) aus dem Ölnebenprodukt Butadien bezieht.

Synthesekautschuk war in den Jahren vor der Ölverteuerung billiger als das Naturprodukt und deckte etwa 60 bis 70 Prozent des Gesamtbedarfs. Der Anstieg des Ölpreises hat auch Butadien verteuert. Seit Jahresbeginn haben die Preise um rund 50 Prozent angezogen.

Jetzt setzt die Reifenindustrie wieder verstärkt auf Naturkautschuk und steigerte dessen Anteil von 39 auf 42 Prozent Produktionsanteil. Welcher Kautschuk sich angesichts des momentanen Preiskarussells langfristig als die preiswertere Alternative erweist, können selbst Experten derzeit nicht vorhersagen.

Laut IRSG lag der Durchschnittspreis für Naturkautschuk (Latex) im ersten Halbjahr noch bei etwa 84 Prozent des Preises für Synthesekautschuk. Doch schon im dritten Quartal war das Latexprodukt geringfügig teurer.

Lin Hui, Analyst an der Terminbörse in Shanghai, wagt daher schon diese Prognose: “Die Preise für Naturkautschuk werden auch 2006 hoch bleiben und wahrscheinlich neue Rekorde brechen.” Darauf haben sich die Reifenhersteller wohl schon eingestellt, denn die Preise scheinen bereits den neuen Marktverhältnissen angepasst.

(Vgl. Meldungen vom 2005-03-24 und 2005-02-21.)

Source: Handelsblatt vom 2006-01-02.

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