27 Januar 2000

Naturfaserprojekte in der Lausitz (Veranstaltungsbericht)

"Naturfasern aus der Lausitz Landwirtschaft und Erstverarbeitung im entstehenden Netzwerk kleiner und mittelständischer Unternehmen zur komplexen Nutzung heimischer Faserpflanzen"

Informationsveranstaltung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Hoyerswerda-Spremberg in Vorbereitung des Hanfanbaus in der Lausitz am 27.01.2000 in Schwarze Pumpe (Klubhaus der LAUBAG).

Der Einladung der Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH Hoyerswerda-Spremberg zur Teilnahme an der Informationsveranstaltung zur Vorbereitung des Hanfanbaus in der Lausitz waren zahlreiche Vertreter von Agrargenossenschaften und landwirtschaftlichen Unternehmen, Lausitzer Bauernverbände und Ämter für Landwirtschaft sowie Landwirte aus den Kreisen Spree-Neiße, Niederschlesien-Oberlausitz, Oberspreewald-Lausitz, Kamenz, Elbe-Elster, Bautzen und Dahme-Spreewald gefolgt.

Naturfasern sind aufgrund ihrer Einbindung in den natürlichen Kreislauf besonders umweltverträglich und liefern der Industrie Rohstoffe mit einem hohen innovativen Potential. Nach einer Zeit der Verdrängung der Fasern aus der heimischen Landwirtschaft durch Baumwolle und Kunstfasern wurden in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen, den Flachs- und Hanfanbau in Deutschland wieder heimisch zu machen. Neue Ernte- und Aufbereitungstechnologien wurden und werden entwickelt und in Verarbeitungsanlagen wird investiert.
Das auf die “Lausitzinitiative für Unternehmensentwicklung, Transfer, Kommunikation und Innovation (LUTKI)” präzisierte Branchenkonzept des Naturfaserverbundes Brandenburg e.V. sieht vor, dieses Innovationspotential durch die stoffliche und energetische Verwertung von Hanf und erneuerbaren Rohstoffen in der Lausitz umfassend zu erschließen. Grundlage dieses zu entwickelnden Netzwerkes bildet die Zusammenführung aller regionalen Akteure aus Südbrandenburg und Nordostsachsen sowie interessierten Partnern aus anderen (angrenzenden) Regionen Deutschlands und Polens, die Anbau, Ernte, Verarbeitung und Vermarktung von Produkten aus und mit heimischen Faserpflanzen betreiben unter aktiver Einbeziehung der regionalen Bildungs- und Forschungseinrichtungen und Technologiezentren.
Die konzeptionelle Grundlinie des Branchenkonzeptes sieht vor den Aufbau von Faseraufschlusszentren und Verwertungsketten in der Lausitz mit der Notwendigkeit, über die industrielle Verwertung eine Sogwirkung für den landwirtschaftlichen Anbau von Faserpflanzen auszulösen. Die bereits im Vorfeld durchgeführten Untersuchungen, Studien, Gutachten und Analysen bestätigen, dass in der Lausitz große Chancen für den Anbau und die Verarbeitung nachwachsender Faserpflanzen bestehen.

Die Aufnahme der Zellstoffproduktion durch die Naturfaser Technologie Ortrand AG (siehe auch Meldung vom
18.11.99) im Sommer diesen Jahres, der Bau einer Pilotanlage zur industriellen Schäbennutzung in Groß-Düben sowie die vorgesehene Realisierung einer ersten Faseraufschlussanlage in Spremberg machen es erforderlich, den landwirtschaftlichen Anbau von nachwachsenden Rohstoffen (speziell den Anbau von Faserpflanzen) in der Lausitz, beginnend mit einem diesjährigen Versuchsanbau, bis zum Jahr 2001 zu organisieren.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden die Vertreter aus der Landwirtschaft umfassend und anschaulich informiert über:

  • das Branchenkonzept zur stofflichen und energetischen Verwertung von Hanf und erneuerbaren Rohstoffen in der Lausitz durch Herrn Dr. Henschke (Geschäftsführer des Naturfaserverbundes Brandenburg e.V.)
    CIT-Guben@t-online.de * www.cit-guben.de,
  • das Konzept zur Realisierung einer Aufschlussanlage für nachwachsende Rohstoffe in Spremberg durch ein Investorenteam,
  • die Entwicklungstendenzen zum Anbau von Faserpflanzen in der EU und in Deutschland sowie zu den künftigen EU-Regularien durch Herrn Karus (Geschäftsführer des nova-Instituts Hürth)
    nova-H@t-online.de * www.nova-institut.de/MIH,
  • die praktischen Erfahrungen beim Anbau von Hanf sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen und eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung durch Frau Lohmeyer (Geschäftsführerin der Erzeugergemeinschaft Faser- und Ölpflanzen im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse – NRW, und Mitarbeiterin im nova-Institut Hürth),
  • die Möglichkeiten zum Anbau von Faserpflanzen aus Sicht des Landkreises Spree-Neiße durch Frau Pfennig (Amt für Landwirtschaft des Spree-Neiße-Kreises),
  • die Versuchsergebnisse und Empfehlungen zum Hanfanbau in der Lausitz durch Frau Dr. Krüger (Dezernatsleiterin in der Landesanstalt für Landwirtschaft des Landes Brandenburg)
    www.brandenburg.de/land/melf/lfl,
  • die praktischen Erfahrungen beim Anbau von Hanf in Baden sowie in der Zusammenarbeit mit der BAFA durch Herrn Sauter (Landwirt und Lohnunternehmer) und Herrn Frank (Geschäftsführer der Badischen Naturfaserverarbeitung GmbH – BAFA – Malsch),
  • die Hanferntetechnik:
  • Hemp Cut 3000 der Firma Wittrock durch Herrn Frank (BAFA)
  • Blücher 02 der Firma Kranemann Gartenbaumaschinen GmbH durch Frau Stezenko.

Die anschließende Diskussion zeigte, dass mit den Landwirten noch viele Fragen zu klären und Probleme zu erörtern sind. Noch immer zeigen sich die meisten Landwirte gegenüber dem Hanfanbau eher zurückhaltend und abwartend. Einige verfügen über gute Erfahrungen mit Öllein, jedoch stellt Hanf für die meisten absolutes Neuland dar.
Gerade unter dem Druck, den die Diskussionen um die EU-Beihilfenregelung, die Agenda 2000, die WTO-Problematik, die Entwicklung der Rohölpreise und der EU-Beitritt osteuropäischer Länder wie bspw. Polen in den nächsten Jahren auf die Landwirtschaft ausüben werden, sollten sich die Landwirte dem Anbau von Hanf und anderen erneuerbaren Rohstoffen mit einer vertraglich gesicherten industriellen Verarbeitung nicht von vornherein verschließen. Unter der Voraussicht, dass in allen landwirtschaftlichen Bereichen die Deckungsbeiträge künftig zurückgehen werden, sollten die augenblicklichen Unwägbarkeiten betreffend den Hanfanbau nicht überbewertet werden. In die Betrachtung müssen noch mehr die Vorteile des Hanfanbaus (wie für die Fruchtfolge, keine erforderlichen Unkrautbekämpfungsmaßnahmen, Pflegeleichtigkeit, Verbesserung der Bodenqualitäten, gesicherte Abnahme des gesamten Erntegutes durch Anbauvertrag mit industriellem Verarbeiter, Risikominimierung auf max. 1 Jahr, etc.) einbezogen werden. Dazu gehört natürlich auch, dass der Landwirt als Rohstoffpartner der Industrie selbst den Mut aufbringt, sich einer neuen Herausforderung zu stellen und das unternehmerische Risiko (für den Verarbeiter besteht es immer, für den Landwirt jeweils nur für 1 Jahr) richtig bewertet.
Als ein erstes Ergebnis kann die Bereitschaft des Biosphärenreservats Spreewald in Lübbenau gewertet werden, noch in diesem Jahr einen Versuchsanbau von Hanf auf ca. 50 ha zu organisieren (dazu soll im Februar mit den Landwirten des Biosphärenreservats und mit weiteren Interessenten in Lübbenau beraten werden). Auch auf das zahlreich vorhandene und ausgelegte Informationsmaterial wurde rege zugegriffen.

Neben der ebenfalls durch die WFG Hoyerswerda-Spremberg eingeleiteten Initiative zur Investorengewinnung für den Faseraufschlus im Raum Spremberg (erstes Ergebnis ist die Präsentation des Konzeptes zur Realisierung einer Aufschlussanlage für nachwachsende Rohstoffe in Spremberg) bildete diese Informationsveranstaltung den Auftakt für zahlreiche weitere Veranstaltungen, Diskussionsrunden und Gespräche mit den Landwirten der Lausitz zur zielgerichteten Vorbereitung eines organisierten Hanfanbaus ab dem Jahre 2001.

Helmut Damisch
Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH
Hoyerswerda – Spremberg
Westbahnstraße 1
03130 Spremberg
Tel.: 03563-95431
Fax: 03563-95443
E-Mail: wfg.hoyspb@t-online.de

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