16 Februar 2009

Naturfasern aktuell: Preise und Anbauflächen

Flachspreise leicht rückläufig, Anbauflächen bei Hanf stabil, bei Flachs unsicher

Volle Faserlager in Frankreich und Weißrussland beeinflussen gegenwärtig die Preise sowohl für Langfasern als auch für technisch zu nutzende Fasern aus Flachs. Die Anbauzahlen für Hanf in Europa liegen bisher nur als Schätzungen vor, für Flachs gibt es noch keine offiziellen Zahlen.

Preisentwicklung bei Flachsfasern
Der zögerliche Verkauf von Langfasern vor allem nach China hat zur Bildung eines nicht unerheblichen Faserstocks geführt. Fehlende Liquidität der Schwingereien beschleunigt daher gegenwärtig den Verkauf von Langfasern zu vergleichsweise niedrigen Preisen. Dem entsprechend haben auch die Preise für Werg für Vliesfasern nachgegeben. In Weißrussland wurde in diesem Jahr die seit vielen Jahren beste Ernte eingefahren. Hohe Lagerbestände an Fertiggeweben im Leinenkombinat Orscha und volle Lager an Rohstoffen aus vorherigen Ernten führen zu erhöhtem Exportdruck von Fasern nach Westeuropa. Noch sind die Preise durch die staatliche Kommission nicht festgelegt. Um am Markt konkurrenzfähig zu sein, kann auch hier mit Preisreduzierungen gerechnet werden.

Anbauflächen Hanf und Flachs
Die europäische Anbaufläche für Hanf ist im Jahr 2008 um etwa 10% zurückgegangen, was hauptsächlich durch die starke Flächenkonkurrenz aufgrund der hohen Preise für Getreide und andere Ackerfrüchte verursacht wurde. Für das Jahr 2009 ist eine deutliche Steigerung der Anbauflächen zu erwarten, da einerseits die Preise für Agrarrohstoffe gesunken sind, andererseits eine gute Nachfrage nach Fasern und Schäben herrscht.

Zudem sind die europäischen Verarbeitungskapazitäten deutlich gestiegen. In Großbritannien wurde bei der Fa. Hemcore eine neue Aufbereitungsanlage mit einer Kapazität zur Verarbeitung des Strohertrags von ca. 4.500 ha in Betrieb genommen und in Frankreich betreibt die Fa. Agrofibre ihr neues Werk in ähnlicher Größenordnung. Darüber hinaus plant das niederländische Unternehmen Hempflax nach Optimierungen und Kapazitätserhöhungen an seiner Anlage, in der Kampagne 2009 den Anbau von Hanf auf 1.000 bis 1.200 ha. Weitere Anlagen sollen 2009 bis 2010 in Deutschland, Belgien und Litauen ihren Betrieb aufnehmen. In Deutschland wurde 2008 auf insgesamt 885 ha Hanf angebaut. Damit konnte der Anbau trotz der starken Konkurrenz um Anbauflächen eine minimale Steigerung verzeichnen.

Nach Schätzungen der Marktbeteiligten in Frankreich (AGPL) und Belgien (AVB) verringerte sich die Flachsanbaufläche im laufenden Wirtschaftsjahr gegenüber der Ernte 2007 deutlich. Auf dem Kongress des CELC in Venedig Anfang Oktober wurden Vermutungen geäußert, die in den drei klassischen Anbauländern Frankreich, Belgien und den Niederlanden für die Aussaat 2008 einen Anbaurückgang um bis zu 30% (FR) voraussagen. Ob dieser Rückgang auch unter den rückläufigen Preisen für Agrarrohstoffe zutrifft, die seit Ende Oktober zu verzeichen sind, ist zumindest fraglich. Auch wird der Flachsanbau von der einmalig hohen Verarbeitungsbeihilfe von 200 €/t Langfaser sicherlich positiv beeinflusst.

Die gemeldete Anbaufläche für Flachs betrug bundesweit insgesamt 42 ha und lag damit wieder leicht unter der Vorjahresfläche. Allerdings wurden bei weitem nicht alle Flächen erfasst, so dass von einem deutlichen Anstieg der Flachsanbaufläche in Deutschland auszugehen ist.

Für 2009 ist mit steigenden Anbauflächen für Faserhanf zu rechnen. Da der Faserflachs der Anbauflächen, die im Rahmen des TechnoFlachsprojektes in Sachsen und Brandenburg angebaut wurden nicht entsprechend EU-Marktordnung verarbeitet werden, sind diese Flächen in der BLE-Statistik nicht enthalten.

Preisentwicklungsindex Hanf und Flachs-Kurzfasern
Der Preisentwicklungsindex “Technische Kurzfasern Hanf und Flachs” zeigt seit 2003 die Entwicklung der Preise der europäischen Naturfasern Flachs und Hanf in technischen Anwendungen wie Verbundwerkstoffen und Dämmstoffen. Er wird zweimonatlich aktualisiert und gibt die Entwicklung der durchschnittlichen Preise für technische Flachs- und Hanf-Kurzfasern bei einer Abnahmemenge von 100t pro Jahr wieder. Hierfür machen führende europäische Unternehmen auf Anfrage des nova-Instituts ihre Angaben.

Die Preise für technische Kurzfasern aus Hanf und Flachs bleiben weiterhin stabil. Gegenüber den preislich seit einiger Zeit stark schwankenden Hauptkulturen Mais, Weizen oder Raps erweisen sich Hanf und Flachs damit für die Erzeuger als verlässliche Alternative. Zu den Abnehmern der Kurzfasern zählen die Automobilindustrie (u.a. für Bauteile im Auto-Innenraum), Hersteller von Verbundwerkstoffen und von Spezialpapieren.

09-01_Preise_Hanf-_und_Flachs-Kurzfasern.jpg

Grafik in höherer Auflösung hier (PDF-Dokument, Stand: 2009-01).

Source: nova-Institut GmbH und Sachsen-Leinen GmbH, 2009-01-03 und 2009-01-19.

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