15 Januar 2008

Naturfaser-Preisindex: Preisanstieg bei Hanf- und Flachsfasern ungebrochen

Der Preisentwicklungsindex “N-Fibre-PriceBase” zeigt seit 2003 die Entwicklung der Preise der europäischen Naturfasern Flachs und Hanf in technischen Anwendungen wie Verbundwerkstoffen und Dämmstoffen. Naturfasern wie Flachs, Hanf, Jute und Kenaf sowie Sisal werden seit über zehn Jahren für die Produktion von Naturfaser-Verbundwerkstoffen für die deutsche Automobilproduktion verwendet (etwa 19.000 t im Jahr 2005), wie z.B. für Innentür- und Kofferraumverkleidungen oder die “Hutablage”.

Dem Fahrer des Wagens fallen solche Leichtbauteile nicht auf, da sie mit einem Oberflächenmaterial (Gewebe, Leder, Kunstleder) kaschiert werden. Als hochwertige Produkte werden diese Formpressteile vorwiegend in Fahrzeugen der Mittel- und Oberklasse eingesetzt, teilweise aber auch in Kleinwagen. Ein weiterer wichtiger Absatzmarkt sind ökologische Dämmstoffe im Hausbau.

Der N-Fibre-PriceBase Preisentwicklungsindex wird zweimonatlich aktualisiert und gibt die Entwicklung der durchschnittlichen Preise für technische Flachs- und Hanf-Kurzfasern bei einer Abnahmemenge von 100 t pro Jahr wieder. Hierfür machen die führenden europäischen Unternehmen

auf Anfrage des nova-Instituts ihre Angaben. Alle Angaben werden in einen relativen Preisindex umgerechnet. Hierbei entspricht der Wert 100 dem ungewichteten Durchschnitt der Hanfpreisangaben für den Monat März 2003.

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Aktuell
Auch im Herbst 2007 ist kein Zeichen einer Trendumkehr hin zu niedrigeren Flachs- und Hanffaserpreisen erkennbar. Jedoch hat sich der Preisanstieg bei den Hanffasern verlangsamt bzw. ist auf einem hohem Niveau verharrt (Flachsfasern).

Als Ursachen für derzeitige und zu erwartende weitere Preissteigerungen in 2008 haben sich insbesondere die suboptimalen Witterungsbedingungen in der Wachstumsphase der Pflanzen sowie die Flächenkonkurrenz zum Energiepflanzenanbau als Hauptgründe herauskristallisiert.

Grundtenor bei den Faserexperten ist, dass durch die politische Förderung des Energiepflanzenanbaus eine verschärfte Flächenkonkurrenz zum Anbau nachwachsender Rohstoffe zur stofflichen Nutzung entsteht. Dieses Phänomen ist jedoch nicht nur auf Deutschland beschränkt, sondern tritt zunehmend in den Beneluxländern und Frankreich auf. Der verstärkte Anbau von Energiepflanzen führt zu einer Verknappung der Flächen und damit zu einer Erhöhung des Pachtniveaus.

Flachspreisentwicklung
Hieraus ergibt sich eine ökonomische Zwangslage für Flachsanbauer bzw. die anbauenden Erstverarbeiter, die zu einem radikalen Strukturwandel in der gesamten Branche führen kann:
“Stark steigende Kosten und konstant schlechte bzw. unauskömmliche Preise werden dazu führen, dass die Anbaufläche 2008 in der Größenordnung von mindestens 25% eingeschränkt wird. Dies wiederum führt zu einer verminderten Auslastung der Produktionsanlagen, wodurch deren Kosten auf eine kleinere Produktmenge zu verteilen sind. Im Endeffekt bedeutet dies, dass kleinere Betriebe aufgeben werden und größere Betriebe Ihren Anteil an Fremdkapital erhöhen müssen.” (Natural Fibre Consultants).

Weil aktuell die Pachtverträge für das Anbaujahr 2008 ausgehandelt werden, müssen die Anbauer bzw. die anbauenden Erstverarbeiter einen Gutteil dieses erhöhten Deckungsbeitrages in Gestalt erhöhter Pachtpreise anbieten, um überhaupt noch verpachtungswillige Landwirte zu gewinnen (Natural Fibre Consultants). Bis zu 30 % mehr für das Stroh müssten demnach von den Flachs- und Hanfverarbeitern an die Landwirte gezahlt werden. Faser-Experten gehen deshalb davon aus, dass ein Preisanstieg bei Flachsfasern von mindestens 15-25% nötig wäre, um in diesem Bereich noch wirtschaftlich arbeiten zu können. Eine Realisierung eines solchen Preisanstieges lässt sich jedoch derzeit am Markt nicht durchsetzen.

Hanffaserpreisentwicklung
Deutlich härter noch als der Flachssektor wird der Hanfsektor betroffen sein, da die gestiegenen Flächenkosten auf einen Flächenumsatz von nur rund 40% des entsprechenden Umsatzes bei Flachs umgelegt werden müssen. Die zu erwartenden Preiserhöhungen werden sich insbesondere auf die vliesfähigen Hanffasern auswirken.

(Hinweis: Dieser Text wurde in der Zeitschrift energie pflanzen 6/2007 des Forstfachverlages publiziert.)

(Vgl. Meldungen vom 2008-04-25 und 2008-02-12.)

Source: nova-Institut, 2008-01.

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