10 Mai 2007

Naturfaser-Preisindex N-Fibre-PriceBase

Der Preisentwicklungsindex “N-Fibre-PriceBase” zeigt seit 2003 die Entwicklung der Preise der europäischen Naturfasern Flachs und Hanf in technischen Anwendungen wie Verbundwerkstoffen und Dämmstoffen.
Naturfasern wie Flachs, Hanf, Jute und Kenaf sowie Sisal werden seit über zehn Jahren für die Produktion von Naturfaser-Verbundwerkstoffen für die deutsche Automobilproduktion verwendet (etwa 19.000 t im Jahr 2005), wie z.B. für Innentür- und Kofferraumverkleidungen oder die “Hutablage”.

Dem Fahrer des Wagens fallen solche Leichtbauteile nicht auf, da sie mit einem Oberflächenmaterial (Gewebe, Leder, Kunstleder) kaschiert werden. Als hochwertige Produkte werden diese Formpressteile vorwiegend in Fahrzeugen der Mittel- und Oberklasse eingesetzt, teilweise aber auch in Kleinwagen. Ein weiterer wichtiger Absatzmarkt sind ökologische Dämmstoffe im Hausbau.

Der N-Fibre-PriceBase Preisentwicklungsindex wird zweimonatlich aktualisiert und gibt die Entwicklung der durchschnittlichen Preise für technische Flachs- und Hanf-Kurzfasern bei einer Abnahmemenge von 100 t pro Jahr wieder. Hierfür machen die führenden europäischen Unternehmen

Der N-Fibre-PriceBase Preisentwicklungsindex wird zweimonatlich aktualisiert und gibt die Entwicklung der durchschnittlichen Preise für technische Flachs- und Hanf-Kurzfasern bei einer Abnahmemenge von 100 t pro Jahr wieder. Hierfür machen die führenden europäischen Unternehmen

auf Anfrage des nova-Instituts ihre Angaben. Alle Angaben werden in einen relativen Preisindex umgerechnet. Hierbei entspricht der Wert 100 dem ungewichteten Durchschnitt der Hanfpreisangaben für den Monat März 2003.
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Aktuell
Bei den Flachspreisen ist seit dem Jahreswechsel 2007 eine deutlich steigende Tendenz zu beobachten. Dahingegen zeigt die Hanfpreisentwicklung einen recht konstanten Verlauf, wobei aktuell ein minimaler Preisanstieg zu verzeichnen ist.

Flachspreisentwicklung
Die im Spätherbst 2006 am Markt kursierenden Gerüchte, dass die Preise für Flachs wieder ansteigen werden, haben sich bewahrheitet. Die Flachspreiskurve zeigt seit einigen Monaten einen stetig steigenden Verlauf. Die Gründe für den Flachspreisanstieg liegen insbesondere in der qualitativ und quantitativ schlechten Ernte im Jahr 2006 und den zurückgehenden Anbauzahlen begründet.

Der Preisanstieg bezieht sich sowohl auf den Kurzfaser- als auch auf den Langfasermarkt. “Statt der im Vorjahr von ca. 120.000 ha geernteten 160.000 t Langflachs sind in 2006 von ca. 100.000 ha Anbaufläche kaum mehr als 110.000 t Langflachs zu erwarten,” so Herr Heger von der Holstein Flachs GmbH. Eine vergleichsweise moderate Preisentwicklung zeigt sich beim Kurzfasermarkt, da hier noch von einem Kurzfaseraufkommen von etwa 90.000 t ausgegangen werden kann.

Ein weiterer Grund für den Preisanstieg spielt der Bioenergieboom: Auch am Flachsmarkt sind die unmittelbaren Auswirkungen der Flächenkonkurrenz zwischen energetischer und stofflicher Nutzung landwirtschaftlicher Flächen nicht spurlos vorüber gegangen: Es ist ein Rückgang der Flachsanbaufläche im Frühjahr 2007 zu verzeichnen. Der Grund hierfür ist einfach: Viele Flachsanbauer sehen derzeit im gut bezahlten Getreide- oder Energiepflanzenanbau ökonomisch interessante Alternativen zu Flachs.

Hanffaserpreisentwicklung
Bei der Hanffasermarktentwicklung stellt das Markteinführungsprogramm (MEP) der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) eine wichtige Einflussgröße dar. Das Markteinführungsprogramm hat eine Markt und Preis stützende Funktion, da es die Nachfrage nach Hanffasern maßgeblich beeinflusst.

Nach neuesten Informationen wird die Förderung von Naturdämmstoffen im Jahr 2007 weitergehen, so Dr. Peterek (FNR, Abteilungsleiterin MEP). Rückwirkend zum 1. Januar nimmt das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) das Markteinführungsprogramm “Einsatz von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen” wieder auf. Bis zum 31.12.2007 können nun wieder Anträge bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) eingereicht werden.

Im Jahr 2007 werden die Hanfaufschlusskapazitäten in Großbritannien und Südfrankreich erweitert. Hemcore in Großbritannien baut seine Kapazitäten aus, das spanische Unternehmen Agrofibre zieht von Spanien nach Südfrankreich um, da dort eine bessere Wasserversorgung besteht. Bei dem Umzug werden neue, größere Produktionsanlagen errichtet.
Ein Einfluss auf die Preise wird hierdurch allerdings nicht erwartet, da die Hanffaser-Lager leer sind und für die Akquise neuer Märkte, z.B. in der Automobilindustrie, neue Kapazitäten dringend erforderlich sind.
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Preise anderer Naturfasern
Die Grafik zeigt die Preisspannen verschiedener Naturfasern für technische Einsatzgebiete am deutschen Markt. Aufgrund der anhaltenden Preissteigerungen bei den exotischen Naturfasern Jute und Sisal können sich aktuell Hanf und Flachs preislich gut am Markt behaupten. Beim Flachs fällt die große Spannbreite auf, die sich aufgrund verschiedener Qualitäten und Händler ergibt.
Deutlich preiswerter ist lediglich die Kokosfaser, die aber von ihrem Eigenschaftsspektrum her mit den anderen Naturfasern nicht unmittelbar konkurriert.

(Hinweis: Dieser Text wurde in der Zeitschrift energiepflanzen 2/2007 des Forstfachverlages publiziert.)

Source: nova-Institut, 2007-04.

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