30 Mai 2008

Naturfaser-Preisindex: Fehlende Anbauflächen trotz Preisanstiegs bei Hanf- und Flachsfasern

Preisindex technische Kurzfasern Hanf und Flachs seit 2003

Die Verarbeiter europäischer Naturfasern haben in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Mehrere Hanfverarbeiter haben ihre Anlagen modernisiert und ausgebaut. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach technischen Kurzfasern zum Einsatz vor allem in Papier, Dämm- und Verbundwerkstoffen stabil und wächst weiter. 2008 hätte ein Rekordjahr für die deutsche Hanfverarbeitung werden können. Stattdessen bangen die Erstverarbeiter nun um den Rohstoff für ihre Produktion.

Heimische Landwirte kehren dem Hanfanbau zugunsten aktuell profitablerer Ackerkulturen den Rücken. Für die Erzeuger ist der Fruchtwechsel kurzfristig möglich, denn in spezielle Erntetechnik investiert haben die Verarbeiter. Mit den derzeit im Weizenanbau möglichen Deckungsbeiträgen können diese nicht mithalten – dafür müssten sie viel höhere Preise für die Fasern erlösen, was sich wegen der Konkurrenz durch die Importfasern Jute und Kenaf nicht durchsetzen lässt. Um genügend Hanfstroh zu bekommen, haben die Verarbeiter Landwirte in Frankreich, Polen, Ungarn und Serbien für den Hanfanbau gewonnen.

08-05_Preise_Hanf-_und_Flachs-Kurzfasern.pdf
Grafik in höherer Auflösung hier (PDF-Dokument, 1,2 MB, Stand: 2008-08).

Der Trend zu Preissteigerungen bei Flachs- und Hanffasern setzt sich fort. Bei Flachs sind die Preise seit 2006 um knapp 20% gestiegen, bei Hanf ging es um etwa 11% hoch. Zum Vergleich: Der Weizenpreis hat sich im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. Für die kommenden Monate erwarten die Verarbeiter weitere Preissteigerungen. Experten gehen davon aus, dass zusätzlich zu dem erwarteten Preisanstieg spätestens im Sommer mit einer weiteren Verteuerung bei Hanffasern zu rechnen ist, welcher die Tonne nochmals um bis zu 40 € verteuern könnte.

Im Vergleich zu den Hanffaserpreisen ziehen die Preise für Flachsfasern weniger stark an. Das könnte auch daran liegen, dass die Papierindustrie ausreichende Mengen von Fasern eingelagert hat und somit in den kommenden Monaten vermutlich weniger nachfragen wird. Dies könnte auch für eine gewisse Preisstabilität bei Flachswerg sorgen. Auch eine geringere Nachfrage nach Flachsfasern aus China mag zu dieser vergleichsweise moderaten Preisentwicklung beigetragen haben.

Preisentwicklungsindex
Der Preisentwicklungsindex “Technische Kurzfasern Hanf und Flachs” zeigt seit 2003 die Entwicklung der Preise der europäischen Naturfasern Flachs und Hanf in technischen Anwendungen wie Verbundwerkstoffen und Dämmstoffen. Er wird zweimonatlich aktualisiert und gibt die Entwicklung der durchschnittlichen Preise für technische Flachs- und Hanf-Kurzfasern bei einer Abnahmemenge von 100 t pro Jahr wieder. Hierfür machen folgende führende europäische Unternehmen auf Anfrage des nova-Instituts ihre Angaben: Badische Naturfaseraufbereitung GmbH, Hemcore Ltd. (Großbritannien), HempFlax B.V. (Niederlande, bis 2005-08), Holstein Flachs GmbH, Linolitas (Litauen, seit 2004-04), NAFGO GmbH (früher AGRO-Dienst GmbH), Procotex SA Corporation (Belgien, bis 2005-10), Sachsen-Leinen GmbH (seit 2003-10), SANECO (Frankreich).

Alle Angaben werden in einen relativen Preisindex umgerechnet. Hierbei entspricht der Wert 100 dem ungewichteten Durchschnitt der Hanfpreisangaben für den Monat März 2003.

Der Naturfaser Preisindex wird regelmäßig in der Zeitschrift energie pflanzen des Forstfachverlages, im Nachrichten-Portal www.nachwachsende-rohstoffe.info und im Biowerkstoff-Report publiziert.

Source: nova-Institut, 2008-04.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email