30 August 2001

“Nanik” in Ober-Mossau – Fachwerkbau mit Lehm und Hanf

Ein neues Dreigestirn am Baustoffhimmel hat sich zusammengetan und in Ober-Mossau Nanik gegründet: eine junge Spezialbaufirma, die den Lehm- und Fachwerkbau nun mit Hanf statt Stroh zu neuen Ehren bringen. So bewies Werner Mader, seit 1991 Erbacher Hersteller von Mörtel- und Betonspritzmaschinen, dass sich der klassische Baustoff Lehm auch mit modernen Maschinen verarbeiten lässt. Zusammen mit Lehmbauer und Verputzermeister Achim Geier hat er Techniken zur Herstellung und Aufbereitung von Lehmgemischen ausgetüftelt, die er überzeugend mit Hilfe seiner modifizierten Maschinen im Fachwerkhausbau einsetzt. Geschäftsführer ist Baubiologe Thomas Dingeldein, der für Material und Mischung einsteht.

Hier hat inzwischen Hanf dem Stroh den Rang abgelaufen, da er nicht so viel Feuchtigkeit anzieht und ohne Eiweiße auch kaum biologischer Zersetzung unterliegt. Die Lehm-Hanf-Mischungen indes werden im Ziegelwerk Grün in Reinheim vorbereitet, das neben anderen ökologischen Baustoffen mit diversen Lehmziegelsorten aufwartet. Geschäftsführer Philipp Liebig hat gar Kirschkernziegel im Sortiment, die durch ihr Eigenschwingverhalten besonders schallschluckend sein sollen.

Die fertigen Lehm-Hanfgemische können dann per Hochdruck problemlos in die Hohlwände eines Holzständerhauses eingespritzt werden, wo sie sofort stabilisieren und eine wärmedämmende Füllung abgeben – sowohl bei Sanierungen alter Häuser als auch bei Neubauten. Interessenten von Lehmbauhäusern vermittelt Nanik an die Architektin Susanne Obermeyer in Heiligkreuzsteinach bei Heidelberg, die sich auf die traditionelle Fachwerkbauweise spezialisiert hat.

Nanik arbeitet jedoch flexibel. Je nach Bedürfnis können auch Kalkgemische oder recyceltes Glasgranulat zur Wärmedämmung angeboten werden, mit dem sich konventionelle Bauten gut isolieren lassen. Dennoch erwartet Thomas Dingeldein eine große Nachfrage für die hanfhaltigen Baustoffe und hofft nun, Odenwälder Landwirte für den Nutzhanfanbau zu gewinnen.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Echo online vom 30. August 2001.

Source: Echo online vom 30. August 2001.

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