29 Oktober 2007

Moderne Technik erntet 4,5 Hektar Hanf pro Stunde

Ersterprobung eines neuartigen modularen Erntesystems für Hanf in Thüringen

Aufbauend auf die Erfahrungen sowie Schlussfolgerungen aus einem vergleichbaren Vorhaben (vgl. Meldung vom 2005-09-02) haben sich wiederum mehrere mittelständische Unternehmen in einem Projekt zur “Entwicklung von effektiven Systemlösungen zur anforderungsgerechten Rohstoffbereitstellung aus Faserpflanzen für technische Anwendungen” zusammengefunden. Unterstützt werden die Arbeiten dabei durch finanzielle Zuwendungen des AiF-Förderprogramms ProInno II.

Han1.jpgAusgehend von der Analyse bisheriger technischer Entwicklungen zur Mahd und Einkürzung von Hanf liegt ein wesentlicher Schwerpunkt des bis 2008 laufenden Projektes wiederum bei der deutlichen Steigerung der Flächenleistung, der Senkung der Verfahrenskosten sowie der Schaffung optimaler Bedingungen für die anschließende Feldröste und -trocknung. Dabei bilden die bekannten Vorzüge des Grundprinzips des “spurversetzten Stufenmähens” mit Doppelmessermähwerken (SMU 3/4) die technologische Grundlage für die neue leistungsfähigere modulare Prinziplösung zum Mähen und gleichzeitigen Einkürzen von langstängeligen Faserpflanzen.

Die erste Felderprobung am 09.10.2007 konnte die gestellten Erwartungen erfüllen. Der durch schwierige Aufwuchsbedingungen sowie fortgeschrittene Reife gekennzeichnete Bestand konnte ohne technische Probleme beerntet werden. Bei gleichzeitiger Einkürzung der Pflanzenstängel auf 0,6 bis 0,7 m sind durch die effektive Arbeitsbreite des Anhänge-Stufenmähwerks von 5 m sowie Fahrtgeschwindigkeiten von 10 bis 14 km/h Flächenleistungen in der Grundzeit von ca. 4,5 ha/h realisierbar.

Hanf.jpgDas Projektteam besteht aus den Unternehmen Dietmar Huster Maschinenbau GmbH, Peter Kunzelmann Maschinen und Gerätebau und Matrak – Service & Lohnarbeits GmbH und wird im Rahmen gesonderter Entwicklungsziele durch die Firmen Kranemann Gartenbaumaschinen GmbH sowie Hanf-Faser-Fabrik Nowotny und SachsenLeinen GmbH ergänzt. Die Schneidwerkstechnik selbst wird wiederum durch die Firma ESM Ennepetaler Schneid- und Mähtechnik GmbH & Co. KG bereitgestellt.

Bereits in den Projektverlauf integriert ist eine Entwicklungskooperation mit Landwirten und Lohnunternehmern im Umfeld des englischen Faserverarbeitungsunternehmens Hemcore (vgl. Meldung vom 2007-08-30). Die Anfang 2007 nach England gelieferten Grundmodule zum Mähen und Einkürzen von Hanf konnten ersten Felderprobungen unterzogen werden. Nach Aussagen der dortigen Projektverantwortlichen führt der Einsatz von Doppelmessermähwerken bei der Hanfernte zu einer Reduktion der Biomasseverluste von bis zu 1,5 t/ha gegenüber dem Einsatz von modifizierten Feldhäckslern und bietet gerade unter den schwierigen Wetterverhältnissen Englands deutlich verbesserte Bedingungen für eine rasche Feldtrocknung sowie eine homogenere Röste.

Bis zum Ende des Verbundprojektes im Herbst 2008 sollen weitere Entwicklungen und Spezifikationen hinsichtlich der konstruktiven Elemente des Modulträgers vorgenommen, der Straßentransport vereinfacht sowie weitere anforderungsgerechte Lösungen für den Bodenschnitt untersucht werden.

Das Gesamtvorhaben wurde im Rahmen des NEMO-Netzwerkes TEBASTO initiiert und steht unter Schirmherrschaft des Deutschen Naturfaserverbandes.

Kontakt
Ingenieurbüro für Naturfasertechnologien
Dr.-Ing. Jürgen Paulitz
Heimgarten 11
01259 Dresden
Tel.: 0351-20 10-172
Fax: 0351-20 10-173
E-Mail: [email protected]

(Vgl. Meldung vom 2005-09-02.)

Hinweis: Experten zu Hanf- und anderen Naturfasern lädt die European Industrial Hemp Association (EIHA) am 19. bis 20. November 2007 zur Fifth International EIHA conference nach Hürth bei Köln ein. Weitere Informationen unter www.eiha.org/conference5th/.

Source: Deutscher Naturfaserverband e.V., Pressemitteilung, 2007-10-22.

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