25 Mai 2005

Mitteleuropäische Biomassekonferenz 2005: Europa braucht eine Wärmerichtlinie

Expertenrunde diskutiert Resultate und Nachfolgeaktivitäten der Mitteleuropäischen Biomassekonferenz 2005

Die im Jänner in Graz mit großem Erfolg durchgeführte Mitteleuropäische Biomassekonferenz 2005 zieht ihre Kreise. Das Thema “Bioenergie für Mitteleuropa” war noch einmal Anlass für eine Runde von Fachleuten aus den neuen Mitgliedsländern der Europäischen Union, um unter den Fittichen des Österreichischen Biomasse-Verbandes über die Veranstaltung zu reflektieren, Resümee zu ziehen und über die hoffentlich gemeinsame Zukunft in Sachen energetische Nutzung der Biomasse zu diskutieren.

Heinz Kopetz, Vorsitzender des Verbandes, moderierte die Sitzung in Wien, an der Experten und politische Vertreter aus Polen, Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien teilnahmen. “Genau diese Länder haben wir auch gezielt auf unserer Konferenz angesprochen, denn dort entscheidet sich jetzt, wie der jeweilige Staat die EU-Zielvorgaben für Erneuerbare Energien erfüllen will”, erinnert Kopetz an die Motivation für den Biomassekongress. “Und es freut mich sehr, dass diese engsten unserer neuen EU-Nachbarn auch alle wieder an einen Tisch gekommen sind, wo es nach der gewaltigen Informations- und Leistungsschau in Graz darum geht, wie wir weitermachen werden. Und besonders, wie wir zusammenarbeiten wollen.”

Europäischer Biomasseaktionsplan

Hauptpunkt der Debatte bildete der Vorschlag der Europäischen Kommission für einen Biomasseaktionsplan, der in einer ersten Konsultationsphase bereits in allen Mitgliedsstaaten diskutiert wurde und den es jetzt anzupassen gilt. “Die Hauptforderung an die Europäische Union, wie sich jetzt in unseren Gesprächen in Wien herauskristallisiert hat, ist die Einführung einer EU-Wärmerichtlinie. Der Bioenergiesektor wird derzeit von zwei europäischen Regelungen gesteuert: Die Richtlinie für Ökostrom und die Biotreibstoff-Richtlinie”, erklärt Kopetz. “Analog zu diesen beiden Direktiven brauchen wir dringend ein Reglement für den Wärmebereich, der rund 50 Prozent des europäischen Energieverbrauchs ausmacht. Dort liegt das größte Potenzial für CO2-Einsparungen – das müssen wir schleunigst nützen!” Besonderes Augenmerk soll hier auf kleine Anlagen, also auf die Wärmeversorgung privater Haushalte, gelegt werden. Dieser Sektor macht einen beachtlichen Teil aus und könnte mit entsprechenden gesetzlichen Maßnahmen leicht innerhalb weniger Jahre von fossil auf erneuerbar umgestellt werden. “Das gleiche gilt übrigens für den österreichischen Wärmemarkt, aber hierzulande wird leider noch immer der Einbau von Öl- und Gasheizungen subventioniert”, gibt Kopetz zu bedenken.

Mitteleuropäische Biomassekonferenz 2007

Weiter ging es in dem Expertenworkshop um Nachfolgeaktivitäten zur Mitteleuropäischen Biomassekonferenz 2005. Sowohl Polen als auch Slowenien und die Slowakei haben sich bereit erklärt, eine ähnliche Tagung zu organisieren. Angepeilt wird das Jahr 2007, und wenn dieser zweite Schritt erfolgreich ablaufen sollte, könnte auch an ein Beibehalten des Zweijahresrhythmus gedacht werden. “Entscheidend wird sicher die Verfügbarkeit einer geeigneten Örtlichkeit und der entsprechenden nationalen und europäischen Finanzierung sein. Der Österreichische Biomasse-Verband wird dazu Gespräche initiieren, und wir wollen auf jeden Fall noch diesen Sommer mit den anderen Länderorganisationen und -vertretern entscheiden”, berichtet der Vorsitzende.

Gemeinsam für Biomasse

Neben der geplanten Fortführung der Biomassekonferenz sollen auch die allgemeine Zusammenarbeit forciert und vor allem die Know-how- und Informationsflüsse zwischen den Ländern angekurbelt werden. Der Österreichische Biomasse-Verband soll dafür Drehscheibe und Informationsplattform sein. Angedacht sind im Speziellen gemeinsame EU-Projekte. “Darüber hinaus gelingt es uns vielleicht, unsereäußerst erfolgreichen Biowärme-Seminarreihen für Installateure, Rauchfangkehrer, Baumeister, Lehrer, Bürgermeister etc. auch in anderen Ländern zu etablieren”, so Kopetz. “In Österreich ist, abgesehen von Wien, schon jeder dritte Installateur oder Rauchfangkehrer ein zertifizierter Biowärme-Betrieb. Diese Ausbildungskurse für Professionisten wären wirklich ein österreichischer Exportschlager.”

Source: Oekonews.at vom 2005-05-25.

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