18 Oktober 2007

Mit Stroh im Verbund dämmen

Weizenstroh im Unterputz ersetzt Glasfaser bei der Wärmedämmung

Bauingenieur Seyed Taghi Mohseni setzt mit seiner auf Weizenstroh basierenden ISOFassade auf eine neue Methode der Wärmedämmtechnik. Dabei wird die Putzschicht mit Weizenstroh statt mit Glasfasergewebe verstärkt.

Die Wärmedämmung von Gebäuden bietet ein großes Potenzial zum Energiesparen. Das betrifft vor allem die Altbauten, denn sie haben einen bis zu zehnmal höheren Wärmebedarf als ein modernes Niedrigenergiehaus. Um dieses Einsparpotenzial geht es dem Bauingenieur Seyed Taghi Mohseni. Viele Jahre lang beschäftigte er sich an der Ruhr-Universität Bochum mit Wärmedämmverbundsystemen. Er beobachtete, dass die herkömmlichen Systeme zur Rissbildung neigen. So entwickelte er ein alternatives System und ist dabei im wahrsten Sinne des Wortes auf den Strohhalm gekommen. Für seine ISOFassade mischt der Bauingenieur Weizenstroh in den Unterputz.

Bei bisherigen Wärmedämmverbundsystemen verwenden die Hersteller in der Regel Glasfasergewebe, um den Putz zu festigen. Doch ein Problem ist, dass diese Kunstfaser auf alkalische Stoffe wie etwa den Mörtelputz reagiert. Obwohl die Glasfaser beschichtet wird, kommt es vor, dass sich die Kunstfaser mit der Zeit verändert. Die Folge: Das Gewebe kann nicht mehr die in der Fassade herrschenden Spannungen vollständig aufnehmen und daher bilden sich Risse. Ein weiterer Grund für brüchigen Putz sind Verarbeitungsfehler auf der Baustelle.

Diese Probleme gibt es bei dem neuen mit Strohhalmen verstärkten Putz nicht. Der entscheidende Vorteil der Naturfaser ist, dass sie sich in alkalischen Stoffen nicht verändert. Die hohe Festigkeit, die der Stroh dem Putz gibt, bleibt erhalten. Ein weiteres Plus ist die einfache Verarbeitung: Die Halme werden direkt in den Mörtel gemischt und somit als eine komplette Unterputzschicht aufgetragen. Zudem ist Weizen ein nachwachsender Rohstoff. Er benötigt zur Aufbereitung weniger Energie als die Kunstfasern und kann nach Gebrauch rückstandsfrei entsorgt werden. Hinzu kommt der Preisvorteil: Die Halme kosten deutlich weniger als Synthesefasern.

“Es ist wichtig, ein preiswertes und zeitsparendes System anzubieten. Dann werden sich noch mehr Bauherren für eine Wärmedämmung entscheiden und damit die Umwelt entlasten”, sagt Mohseni. Zudem zielt seine Innovation auf die fehlerfreie Ausführung. Deswegen ist die ISOFassade in einer Platten-Technik konzipiert. Das heißt, der Kunde erhält präzise im Werk vorproduzierte Dämmplatten, die sich schnell und unkompliziert an die Hauswand anbringen lassen. Für sein neues System hat Mohseni zwei Patente und zwei Europäisch Technische Zulassungen erhalten. Im Jahr 2005 bekam er den Wuppertaler Energie- und Umweltpreis (Belobigung) für seine Entwicklung. Jetzt startet der Bauingenieur an seinem Standort in Gelsenkirchen die Produktion.

Kontakt
ISO Fassade GmbH
Seyed Taghi Mohseni
Middelicher Str. 305
45892 Gelsenkirchen
Tel.: 0209-405 35 16
Fax: 0209-405 35 18
E-Mail: info@ISOFassade.de

(Vgl. Meldung vom 2007-04-03.)

Source: energieagentur.nrw.de, 2007-10.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email