26 Februar 2007

Miscanthus günstiger als Erdöl

15 Jahren gute Erfahrungen

“Wir haben in 15 Jahren sehr gute Erfahrungen mit Miscanthus gemacht”, blickt Bernd Eißrich, Geschäftsführer der Naturland-Landschaftspflege GmbH, zurück. Die Tochterfirma der Dresdner Vorgebirgs Altrar AG gilt als einer der Miscanthuspioniere in Deutschland. Auf einem eher ungünsti­gen Standort in einer Höhe von 320 m über NN und niedrigen Durchschnittstemperaturen hat die GmbH sieben Hektar der mehrjährigen Grasart angebaut.

Dabei hat Eißrich wichtige Erfahrungen gemacht: “Größte Probleme machen der Pflanze Frühfröste und Staunässe, sie können Ausfälle im ersten Jahr von bis zu 50 Prozent verursachen.” Als Schlüssel zum Erfolg sieht er daher das tiefe Pflanzen, 15 Zentimeter sind Minimum. Vermehrt wurden die Pflanzen über Rhizome, also unterirdische Pflanzenausläufer. Damit es kei­ne Lücken im Bestand gibt, hat die GmbH die Rhizome im Gewächshaus vorgezogen und bei einer Wurzelentwicklung von 2,5 bis 3 Zentimeter ausgepflanzt.

“Falls die Rhizome nicht anwachsen, können sie nicht nachpflanzen. Die Jung­pflanzen werden schnell überwuchert”, lautet Eißrichs Erfahrung. Ebenfalls für wich­tig hält er die Tragfähigkeit des Bodens: Schließlich wiegt ein Feldhäcksler über 14 Tonnen.

Wie Dr. Christian Röhricht von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft ausführt, spielen schnell wachsende Baumarten wie Weiden oder Pappeln, mehrjährige Gräser wie Miscanthus oder Rutenhirse sowie Getreidekörner oder -ganzpflanzen als Anbaubiomasse immer mehr eine Rolle.

Mehrjährige Anbauversuche in Sachsen zeigen, dass Miscanthus auf günstigen Standorten über 24 Tonnen Trockenmasse je Hektar liefern kann. Die Brennstoffkosten liegen bei 2,0 bis 3,2 Cent je kWh als Ballen und bei 2,4 bis 4 Cent als Häckselgut.

Damit ist Miscanthus zwar teurer als Hackschnit­zel (2,9 Cent/kWh), dafür aber günstig im Vergleich zu Erdöl (6,4 Cent je kWh) und Erdgas (7,3 Cent je kWh). (Anm. d. Red.: Diese Preise entsprechen nicht den aktuellen Tageskursen.)

Als günstigste Erntekette gibt Röhricht die Ernte mit dem Feldhäcksler an. Die Kosten bewegen sich dabei bei 356 Euro pro Hektar. Etwas teurer ist die Ballenernte mit 458 Euro pro Hektar.

“Allerdings ist der Feldhäcksler nur bei kurzen Transportwegen zu empfehlen, da hier rund 20 Ladungen pro Hektar bei der Abfuhr des Häckselgutes einzuplanen sind”, führt er aus. Die höhere Dichte bei den Miscanthusballen macht bei 15 Ballen pro Wagen nur sieben Ladungen je Hektar erforderlich.

(Vgl. Meldungen vom 2007-02-12, 2007-02-08 und 2007-01-09.)

Source: Franz Alt, Sonnenseite, 2007-02-22.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email