28 Dezember 2001

Millionen-Investition in der Lausitz – 200 Arbeitsplätze sollen entstehen

Kaffeefilter, Öko-Windeln, Autoteile und Textilien aus nachwachsenden Rohstoffen. Die Lausitz setzt in den kommenden Jahren auf Hanf. “Wir haben für die neue Branche nach der Textiltradition in den vergangenen drei Jahren optimale Voraussetzungen geschaffen”, sagte der Geschäftsführer des Naturfaserverbundes Brandenburg (NFB), Peter Henschke in Luckau (Dahme-Spreewald). “Die millionenschweren Investitionen können sofort beginnen”, so Henschke. Rund 30,68 Mio. Euro sollen in zwei Großprojekte in Ortrand (Elbe-Elster) und Spremberg (Spree-Neiße) investiert werden. 200 Arbeitsplätze könnten entstehen oder gesichert werden.

Mit dem Einsatz nachwachsender Rohstoffe zur Herstellung von Cellulose-Produkten ist bereits in Ortrand begonnen worden. “Beim Testlauf unserer neuen Großanlage im nächsten Jahr wollen wir 1.000 Tonnen Hanf-Zellstoff produzieren”, kündigte Geschäftsführerin Monika-Sabine Meier von der neu gegründeten Faser-Cellulose-Technologie GmbH (FCT) Ortrand an. In das Öko-Projekt sollen rund 50 Millionen Mark (25,6 Millionen Euro) fließen und dabei 67 neue Arbeitsplätze entstehen. “Für das Jahr 2003 ist eine Anfangskapazität von 6.000 bis 7.000 Jahrestonnen geplant”, sagte Meier. Bis 2007 soll die Zellstoff-Produktion aus gerösteten Hanffaserwerg auf 14.000 Tonnen steigen. Der umweltschonende Rohstoff, frei von schwefel- und chlorhaltigen Chemikalien und mit sehr guten Recyclingeigenschaften, soll für mehr als zehn Produktgruppen verwendet werden. “Außer Filterpapieren, Banknoten und Zigarettenpapier sollen auch Öko- Windeln und Artikel für den Hygienebedarf daraus hergestellt werden”, sagte die FCT-Geschäftsführerin. Allerdings werde für 6.000 Tonnen Zellstoff eine Anbaufläche von 6.000 Hektar Hanf benötigt. Wegen der kurzen Wege soll der Rohstoff aus Brandenburg und Sachsen, aber auch aus anderen Bundesländern und aus Polen kommen.

“Dreh- und Angelpunkt für das Lausitzer Netz der nachwachsenden Rohstoffe ist der zügige Aufbau des für 2003 geplanten Faser-Aufbereitungs- und Veredelungszentrums in Spremberg”, sagte Geschäftsführer Günter Hänel von der Spremberger Altstadtsanierungsgesellschaft. Für die Großanlage zur Veredelung zu Halbfabrikaten – also Öle, Autoteile, Textilfasern, Holzanteile für den Weiterverkauf – in Schwarze Pumpe sei eine Investition von 2 – 3,6 Mio. Euro vorgesehen. Erstmals soll es eine intensive Kooperation zwischen Industrie und Landwirtschaft geben. Die Hanfanbauer aus Brandenburg und Sachsen sollen sich mit einem Eigenanteil von etwa 15 bis 20 Prozent an der Finanzierung der Anlage beteiligen. “Damit sitzen sie als Erzeugergesellschaft mit im Boot und fühlen sich auch für das Gesamtprojekt verantwortlich”, sagte Hänel. Für die Rentabilität des neuen Zentrums sei jedoch eine Anbaufläche von 1.500 Hektar Hanf in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz erforderlich. Gegenwärtig sind dort aber erst 800 Hektar vorhanden.

Autor: Beowulf Kayser
Endredaktion: Marion Kupfer (nova)
Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 2002-12-28.

(Vgl. auch Meldung vom 2001-12-11.)

Source: Märkische Allgemeine Zeitung vom 2002-12-28.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email